Theaterkritik
Drei Physiker und ihre Irrenärztin
Rollentausch auf großer Bühne: Die brillantesten Wissenschaftler ihrer Zeit werden zu Insassen einer Irrenanstalt. Der Verrückteste von ihnen hat nichts Geringeres als die Weltformel gefunden, mit der alle Probleme gelöst, der Planet aber auch (und das hält er mit Blick auf die menschliche Spezies für wahrscheinlicher) zerstört werden kann. Das hat sich Friedrich Dürrenmatt 1961 ausgedacht und es in seinem Stück „Die Physiker“ beschrieben.
Auf der Bühne des Deutschen Theaters werden die drei genialen Männer von Frauen gespielt, die in ihrem Fach auch zu überzeugen wissen: Anja Schneider spielt Johann Wilhelm Möbius, den Klügsten von allen, Carmen Steinert den Mann, der vorgibt, Albert Einstein zu sein, und Mareike Beykirch den Mann, der eigentlich auch Einstein ist, aber sich Newton nennt, um seine Einstein-Kollegen nicht zu verunsichern. Die Krankenschwestern (Alexej Lochmann und Caner Sunar) tragen Bärte. Die Rolle der Irrenärztin, wie Dürrenmatt die Rolle genannt hat, Fräulein Doktor Mathilde von Zahnd, verkörpert Ulrich Matthes. Das hat sich der Regisseur Bastian Kraft ausgedacht, der Dürrenmatts Klassiker nun am Deutschen Theater inszeniert hat.
Das Bühnenbild ist minimalistisch, das Spiel von Licht und Schatten (auch solchen, die verwirren, weil sie per Film in die Szenen eingespielt werden) faszinierend, der Handlungsstrang unterhaltsam und spannend: drei tote Krankenschwestern (jeder Physiker hat eine erdrosselt), ein Kriminalkommissar (hier bleibt der Mann ein Mann: Jonas Hien), der sich freut, dass die Gerechtigkeit in seinem anstrengenden Job auch mal eine Pause macht. Ein guter Theaterabend – an dessen Ende sich dann aber doch eine Frage durch die Menge der starken Eindrücke nach vorne drängt: Was, wenn Ulrich Matthes Johann Wilhelm Möbius gewesen wäre?
Karten und Spielzeiten: www.deutschestheater.de
Kulturverführung vom 15. Mai 2026
Sommerprogramm: In Kreuzberg tritt der Sommer ab sofort in Kraft: Bis zum 9. Juli lädt der Kultursommer am Mehringplatz jeden Donnerstag zu Kiezmarkt und Kulturprogramm ein. Die Veranstaltungsreihe wurde als eines von drei Gewinnerprojekten im Wettbewerb „Mittendrin Berlin!“ ausgezeichnet. Jeweils von 10 bis 18 Uhr hat der Wochenmarkt mit lokalen Frischeprodukten und internationalem Street Food geöffnet. Von 15 bis 17 Uhr gibt es ein Kinder- und Familienprogramm. Das bietet wechselnde Mitmachangebote von Yoga über Trommelworkshops bis zu digitalen Spielen im Medienpädagogik-Mobil der Stadtbibliothek. Es treten auch Kinder- und Jugendbands auf. Von 17.30 bis 20 Uhr gibt es dann Musik, Poetry Slam, Kino, Theater, Polit-Talk und Literatur. Der Eintritt ist frei. Mehringplatz, 10969 Berlin, Weitere Informationen gibt es unter: kultursommer-mehringplatz.de
Musical: Eine spektakuläre Zeitreise“ zu den Wurzeln des Rock’n’Roll verspricht das neue Musical „Rock Around The Clock“. Bill Haley, Buddy Holly, Johnny Cash, Elvis Presley und Jerry Lee Lewis sind die Stars, deren Musik das Ensemble auf die Bühne des Estrel Showtheaters bringt. Gespielt wird das Musical bis zum 28. Juni. Danach heißt es bis zum 26. Juli „All you need is love“ im Beatles-Musical, bevor dann bis zum 13. September „A Tribute To Boney M. & ABBA“ auf dem Programm steht. Estrel Showtheater, Sonnenallee 225, 12057 Berlin, Karten und Informationen: www.estrel.com
Ausstellung: Im Sommer 1989 gewann der New Yorker Architekt den Wettbewerb für den Erweiterungsbau des Berlin Museums. Sein Entwurf reichte weit über die ursprüngliche Aufgabe hinaus. „Libeskind beeinflusste mit seinem Gebäude die deutsche Gedächtniskultur maßgeblich“, heißt es im Jüdischen Museum, zu dessen Gebäuden auch der Zick-Zack-Bau aus Titanzink mit unterirdischen Achsen, schiefen Wänden und Betonschächten gehört. Bis zum 1. November beschäftigt sich dort die Ausstellung „Between the Lines“ mit dieser Architektur. Anhand von Modellen, Zeichnungen und Diskursen führt sie die Besucherinnen und Besucher in die Berliner Wende- und Nachwendezeit. Jüdisches Museum, Lindenstraße 9-14, 10969 Berlin, Informationen: www.jmberlin.de
Konzert: Die Wirkung ausgesuchter Schlager, die mit Tiefgang dargeboten werden, bringt Seelenheil und Ruhe ins Gemüt. Davon sind vier erfahrene „Schlagertherapeuten“ unter der Leitung des Jazzmusikers Thomas Gansch überzeugt. Sie versprechen einen klassischen Schlagerabend mit therapeutischer Wirkung. Zu ihrem Auftritt am 7. Juni in Berlin bringen sie den Schauspieler Tobias Moretti mit. Tipi am Kanzleramt, Große Querallee, 10557 Berlin, Karten: www.tipi-am-kanzleramt.de Martin Rolshausen