Die Basketball-Weltmeisterschaft der Frauen im September in Berlin soll nicht nur sportlichen Erfolg bringen. Über die Hoffnungen der Verantwortlichen und den Stand der Vorbereitungen.
Der Deutsche Basketball-Bund trug verbal kräftig auf. „Berlin wird zum Zentrum der Basketball-Welt“, titelte der DBB auf seiner Internetseite, um auf gleich drei bedeutende Ereignisse in der deutschen Hauptstadt aufmerksam zu machen: die Sitzung des Central Board des Weltverbands Fiba, die Gala zur Aufnahme verdienter Basketballerinnen und Basketballer wie Dirk Nowitzki in die Hall of Fame – und die Auslosung zur Frauen-WM. Diese findet im kommenden September in Berlin statt, und die Vorfreude ist bereits spürbar. Die Auslosung hat diese Euphorie nochmals verstärkt, denn das Team von Bundestrainer Olaf Lange hat eine attraktive Gruppe erwischt: Die Gegner Spanien, Japan und Mali wurden Deutschland von der australischen Basketball-Ikone Lauren Jackson im Kraftwerk zugelost. „Ich freue mich sehr über die Japanerinnen, gegen die haben wir schon bei Olympia gespielt, Spanien spielen wir gefühlt jedes Jahr und Mali ist neu, aber auch eine Challenge“, sagte Nationalspielerin Marie Gülich und fügte hinzu: „Da freue ich mich drüber. Unsere Fans sollen alle kommen!“
Attraktive Gruppe für Deutschland
Damit die erste Weltmeisterschaft im Frauen-Basketball auf deutschem Boden seit fast drei Jahrzehnten nicht nur sportlich ein Erfolg wird, sondern auch atmosphärisch und wirtschaftlich, wird bereits seit Monaten die Werbetrommel für das Event gerührt. Das ist auch notwendig, denn die WM wird erstmals mit einem erweiterten Teilnehmerfeld von 16 Mannschaften ausgetragen – und die Hallen sollen auch bei Spielen ohne deutsche Beteiligung gut gefüllt sein. Das ist eine riesige Herausforderung, schließlich wird in der Uber Arena mit Platz für 14.500 Fans und in der 9.000 Zuschauer fassenden Max-Schmeling-Halle gespielt. Nach Veranstalter-Angaben sind bereits mehr als 76.000 Tickets verkauft, wobei vor allem die Tickets des Final-Wochenendes am 12. und 13. September begehrt sind. Hier waren Ende April nur noch weniger als 20 Prozent der Eintrittskarten für die zwei Halbfinals, das Spiel um Platz drei und das Endspiel erhältlich. Wer keine Karten bekommen hat, kann die Spiele live und kostenlos im TV verfolgen. „ProSiebenSat.1 Media“ hat sich die Übertragungsrechte gesichert und will während des Turniers mit 36 Partien an zehn Spieltagen groß auffahren. „Ich habe das Gefühl, dass dieser Zug noch ein bisschen mehr Gas geben muss und wir es auch durch die WM schaffen können, eine richtige Basketball-Kultur in Deutschland aufzubauen“, meinte Center-Spielerin Gülich.
Bis dahin gilt es, das Interesse weiter zu schüren. Als Botschafterin des Turniers ist bei der Öffentlichkeitsarbeit Sue Bird sehr aktiv. Die viermalige Weltmeisterin aus den USA ist in der Szene eine Ikone und sehr gut vernetzt. „Das Damenbasketball befindet sich in einem wirklich aufregenden Moment“, sagte die 45-Jährige. In ihrer Rolle als globale Botschafterin wolle sie „diesen Schwung fortsetzen“.
Auch Basketball-Idol Dirk Nowitzki machte reichlich Werbung für die WM, als er im April in Berlin weilte. „Gerade in Deutschland wird da im Moment viel gemacht. Jetzt eine komplette WM in Berlin, gute Talente – das ist schon eine positive Entwicklung“, sagte der NBA-Champion von 2011. Doch Nowitzki wies auch darauf hin, dass es verglichen mit dem Männer-Basketball immer noch eine zu große Lücke gebe. „In Deutschland ist es oft schwierig mit Trainingszeiten und Ressourcen, das kriege ich auch mit durch meine Rolle bei der Fiba. Da muss noch mehr reingesteckt werden“, mahnte der gebürtige Würzburger: „Man kann sich nie ausruhen, muss weiter pushen. Aber ich glaube schon, dass da viel passiert ist in den letzten 10, 20 Jahren.“
Ein Beispiel dafür war die Aktionswoche Mädchen Basketball 2026, bei der sich 20 Sportvereine aus Berlin und vier aus Brandenburg zusammenschlossen. In der Woche Mitte Mai öffneten sie für Mädchen ihre Hallen und boten kostenlose Schnuppertrainings an. „Ziel der Aktionswoche ist es, die Sichtbarkeit von Mädchen im Basketball deutlich zu stärken, Berührungsängste abzubauen und so viele Mädchen wie möglich für den Sport zu begeistern – egal, ob sie zum ersten Mal einen Ball in der Hand haben oder schon Erfahrung mitbringen“, heißt es auf der Internetseite der Veranstaltung. Langfristiges Ziel sei es, den Zugang zu Teams, Trainerinnen und Vorbildern zu erleichtern. Auch in anderen Städten laufen ähnliche Projekte, ob im Hallen- oder Street-Basketball.
„Mannschaft wird viele überraschen“
Zufall ist das nicht. Der Deutsche Basketball-Bund hatte unlängst die „Dekade des Frauenbasketballs“ ausgerufen, und die WM in Berlin soll dabei „das Leuchtturm-Projekt sein“, wie DBB-Präsident Ingo Weiss betonte: „Berlin wird in diesen Tagen die Bühne für absoluten Weltklasse-Basketball sein.“ Schon jetzt ist eine zarte Euphorie im Frauen-Basketball zu spüren, auch bedingt durch die sportlichen Erfolge der jüngeren Vergangenheit. Die erste Weltmeisterschaft in Deutschland seit 28 Jahren soll daraus im Idealfall einen kleinen Boom machen. Dass die Männer-Nationalmannschaft um Spielmacher Dennis Schröder mit dem WM- und EM-Sieg den Weg bereits bereitet hat, erleichtert das Unterfangen. Jetzt wollen auch die Basketballerinnen international groß zuschlagen. „Wir sind im Jugendbereich Europameister geworden, haben Medaillen geholt und nun wollen wir Kontinuität zeigen. Wir wollen dem Frauenbasketball einen Push geben“, sagte DBB-Boss Weiss.
Dafür braucht es zwingend Erfolg durch die Nationalmannschaft – und die Chancen dafür stehen sehr gut. Viele Experten sind sich einig: Das deutsche Team ist qualitativ so gut besetzt wie noch nie. Satou Sabally, Nyara Sabally, Leonie Fiebich, Luisa Geiselsöder und Frieda Bühner spielen in der US-Profiliga WNBA, vor allem Satou Sabally gilt dort als Superstar. Für die Sabally-Schwestern ist die WM in Berlin eine besondere Herzensangelegenheit, schließlich wurden sie einst beim TuS Lichterfelde ausgebildet, ehe es sie in die weite (Basketball-)Welt zog. „Das ist wirklich ein Traum. Dass ich eine WM spielen werde in meiner Heimatstadt, dort wo alles begonnen hat – da schließt sich ein Kreis“, sagte Satou Sabally. Bei der EM im Vorjahr fehlte die Starspielerin, weil sie den Fokus komplett auf ihren neuen Club Phoenix Mercury richten wollte. Das war auch ein Grund, warum bereits im Viertelfinale das Aus für die DBB-Auswahl kam. Mit Satou Sabally und den anderen Topspielerinnen soll nun noch mehr drin sein, auch mehr als der siebte Platz bei der Olympia-Premiere 2024 in Paris.
Er hoffe sehr, „dass alle gesund sind und wir die volle Mannschaft an den Start schicken“, sagte Nowitzki: „Dann haben wir eine gute Truppe, da ist schon einiges drin.“ Ähnlich sieht es Verbandspräsident Weiss. „Ich glaube, dass unsere Mannschaft viele überraschen wird.“ Seiner Meinung nach ist Olympiasieger USA auch bei dieser Weltmeisterschaft zwangsläufig der Top-Favorit. Doch man wolle auch im Kampf um den Titel nicht schon im Vorfeld die weiße Fahne hissen. „Wir können mit dem Publikum im Rücken etwas erreichen“, meinte Weiss. Auch deswegen muss die Euphorie rund um die WM noch weiter entfacht werden, damit diese dann an den Spieltagen auf die deutsche Mannschaft als Energie-Boost übertragen werden kann. Und das soll dann mittel- und langfristig dem gesamten Frauen-Basketball einen Schub verleihen.