Der international erfolgreiche Multimedia-Künstler bezaubert schon seit 60 Jahren die Welt. Mit seinen Gedichten, Liedern, Gartenkunstwerken, Wunderkammern und Shows. Sein neuestes Projekt ist die Gestaltung des Kunsterlebnis-Parks an der alten Donau in Wien.
Als Sohn eines Wiener Schokoladenfabrikanten hatte es Franzl, wie ihn seine Mutter gern nannte, nicht leicht. Er wuchs zwar in einem Wiener Stadtpalais mit viel Personal und einer Köchin auf und lebte, nach der Trennung des Vaters von der Mutter, eine Zeitlang bei ihm in Paris. Doch bei allem Luxus hatte der kleine Franzl keine glückliche Kindheit. Als Bub wurde er nach der Volksschule ins Jesuitenkollegium in Kalksburg abgeschoben und später auf eine Privatschule in Bad Aussee geschickt.
Er war ein aufsässiger und schlechter Schüler, wie er selbst sagt, der sich viel lieber in seine Traumwelten zurückzog und fast ununterbrochen Romane und Gedichte las. Statt sich in den Unterricht zu quälen, schwänzte er die Schule und ging stattdessen in kunsthistorische Museen und Bibliotheken. Am häufigsten zog es den 14-Jährigen aber ins Wiener Kaffeehaus „Hawelka“. Dort lernte er Literaten, Schauspieler und Musiker kennen – was wesentlich dazu beitrug, dass er selbst Künstler werden wollte.
„Sich lernend verwandeln“
Tatsächlich begann André Hellers Aufstieg in den österreichischen Kulturbetrieb schon mit 17 Jahren. Er spielte auf Wiener Avantgardebühnen Theater, schrieb Gedichte und Couplets und stilisierte sich als aparte Mischung aus exzentrischem Dandy und poète maudit.
Mit 20 wurde er Programmgestalter des Österreichischen Rundfunks (ORF), wo er in seiner Sendung „Musicbox“ progressive Musik auflegte und subversive Texte zum Besten gab. 1970 begann er dann, seine Gedichte zu vertonen, und wollte sie – dem Beispiel Bob Dylans folgend – auch mittels einer Schallplatte vielen Menschen zugänglich machen. „Dies schien mir sinnvoller, als Lyrikbändchen im Selbstverlag zu veröffentlichen.“ 1970 erschien dann auch seine erste LP „Nr. 1“. Bis 1985 sollten noch 13 weitere Alben folgen. In den folgenden Jahren absolvierte er viele Konzerttourneen, unter anderem auch in Israel. Auf dem Zenit dieser Karriere beendete er 1982 seine Live-Auftritte und wandte sich anderen Projekten zu.
Von 1976 bis 1981 spielte er auch in diversen Kino- und Fernsehfilmen mit, unter anderem in Hans Jürgen Syberbergs „Hitler“ sowie in „Doktor Faustus“ und „Das weite Land“. Zusammen mit Bernhard Paul, mit dem er damals befreundet war, gründete er 1976 den Zirkus Roncalli, stieg aber nach persönlichen Differenzen mit Paul im selben Jahr wieder aus. In den 80er-Jahren begeisterte Heller sein Publikum mit spektakulären Events und innovativen Shows wie „Flic-Flac“, „Teatro de Fogo“, „Begnadete Körper“ und „Body & Soul“. Zu seinen weiteren Projekten zählten unter vielen anderen der avantgardistische Vergnügungspark „Luna Luna“, diverse Kunst-Installationen wie der „Bambus-Mann“, „Flying Sculptures“ und die „Kristallwelten“ sowie poetische Gestaltungen von Gärten und Landschaften. Im Jahr 2000 errichtete er die Pavillons des WWF für die Expo in Hannover. Er entwarf auch den Fußball-Globus, der als „architektonischer Vorbote“ der WM 2006 durch Deutschland tourte.
Seinem Motto „Sich lernend verwandeln“ ist André Heller ein Leben lang treu geblieben. Was genau er damit meint, erklärt er so: „Bring dich in Situationen, wo du am Ende sagst, du hast weder deine Zeit noch dein Talent geschwänzt.“ Und weiter: „Ich habe einst erfolgreich meine Lieder gesungen, aber ich bin gerade noch rechtzeitig abgesprungen. Ich investiere schon lange nicht mehr in größere Popularität, sondern räume neuen Abenteuern Platz ein, zum Beispiel Gärten. Da finde ich Schönheit und Seelenfrieden.“
„Gärten sind sinnliche Orte“
Seinen wohl schönsten Garten, der auch für Besucher tagsüber geöffnet ist, gestaltete André Heller um seinen Wohnsitz herum: im Ourika-Tal von Marokko, etwa 30 Kilometer südlich von Marrakesch. Der rund zwei Hektar große Schau- und Kunstgarten „Anima“ ist eine „Symphonie aus Düften, Farben und Formen“ mit zahlreichen Kunstwerken. Dort hat er auch seine künftige Grabstätte ausgemacht: eine Rosenhöhle.
Dass André Heller auch heute noch dem Wiener Liedgut und der jiddischen Musik sehr zugetan ist, konnte man 2025 live erleben, als er mit seiner Wiener-Lied-Revue „Remassuri“ auf Tournee ging. Auch auf seiner bisher letzten CD „Spätes Leuchten“, die er 2019 veröffentlichte, finden sich unter anderem Wiener Lieder. Sein neuestes Projekt ist die Gestaltung des Kunsterlebnis-Parks an der alten Donau. 28.000 Quadratkilometer Wiener Stadtraum wurden ihm dafür zur Verfügung gestellt. „Gärten und Parks, gerade in Städten, sind sinnliche Orte zum Durchatmen, Auszittern, Reflektie-ren, Heilen, Inspirieren und vielem mehr. Sie sind Glückselixiere“, schwärmte Heller im Interview mit dem österreichischen Newsletter „Leadersnet“.
Vor zwei Jahren erlitt Heller in Marokko einen Oberschenkelhalsbruch, der dilettantisch operiert wurde. Jetzt steht eine erneute Operation an. Danach will er seinen Körper wieder in Form bringen und zu neuen Ufern aufbrechen. Man kann sicher sein, dass er sich auch in Zukunft nicht zur Ruhe setzen wird. Dazu ist er zu sehr von einer spirituellen, kreativen Unruhe durchdrungen. Kürzlich hat er eine neue Leidenschaft entdeckt: das Aquarellmalen, gemeinsam mit seinen Enkelkindern.
Der 78-Jährige ist sich übrigens sicher, „dass mein Leben genauso lang sein wird, bis ich das erfüllt habe, was meine Berufung war“. Hellers größter Wunsch, „den Menschen Momente des Glücks zu schenken“, hat sich allerdings schon längst erfüllt. Und erfüllt sich immer wieder neu.