Drei Fragen
Ein Kater für Extremsituationen
Jochen Gutsch, geboren 1971, lebt als Journalist und Schriftsteller in Berlin. 2023 ist ihm ein Bestseller gelungen: „Frankie“. Der Roman mit einem Kater in der Titelrolle wurde in 25 Sprachen übersetzt. Nun veröffentlicht der Penguin Verlag die zweite Geschichte über den Kater, der verloren geht: „Frankie unter Menschen“ (235 Seiten, Hardcover).
Wie sind Sie darauf gekommen, noch einen sprechenden Kater in die Welt zu setzen? Es gibt ja schon welche in der Literatur.
Ich habe selbst eine Katze, aber das war nicht der Auslöser. Ich wollte ein Buch schreiben, das Spaß macht, obwohl es einen ernsten Hintergrund hat. Eine Tragikomödie. Da ich selbst unter Depressionen litt, kam mir die Idee, einen depressiven Mann und einen vorlauten, egoistischen, lebenslustigen Straßenkater aufeinander loszulassen. Ein sehr ungleiches Paar, das durch seltsame Umstände miteinander auskommen muss.
Sind Katzen die besseren Menschen?
Nein, sie sind ja keine Menschen. Sie können aber in Extremsituationen hilfreich sein. Ein Kater – so wie Frankie in meinem Buch – hat zum Beispiel kein Mitleid, er ist völlig unbefangen, politisch nicht korrekt, fragt nicht, wie es einem geht, stellt dafür aber Fragen, die sich viele Menschen nicht zu stellen trauen.
Ihre Roman-Menschen sind stets Außenseiter: in Band eins ein depressiver Mann, im neuen Band ein Mädchen auf der Flucht.
Ich wollte eine Fortsetzung schreiben, die eine eigenständige Geschichte ist. Deshalb der Kontrast: nach einem erwachsenen Mann nun ein Mädchen. Ich habe eine Figur gesucht, die zu Frankie passt, aber auch selbst eine Kraft entwickelt. Und weil Huckleberry Finn von Mark Twain eine große Bedeutung für mich hat, ist es nun eine Abenteuergeschichte, eine Art Roadmovie. Es geht um Freundschaft und darum, was eigentlich Heimat ist. Aber das Wichtigste ist für mich am Ende immer: Das Buch soll Spaß machen. Interview: Martin Rolshausen
Kulturverführung vom 22. Mai 2026
Festival: Wer die Mundharmonika als Musikinstrument unterschätzt und glaubt, dass sie „nur“ in Blues, Rock/Pop oder Volksmusik eingesetzt wird, der war in den vergangenen Jahren nicht beim „Harmonica Fen Festival“. Wer das nachholen will: Die dritte Ausgabe steht vor der Tür. Vom 29. bis 31. Mai bringen Musikerinnen und Musiker aus aller Welt die Mundharmonika in verschiedensten Genres auf die Berliner Bühne. Die künstlerischen Leiter Sören Birke und Eric Dann sowie Festivalleiterin Julia Thurau sorgen für eine beeindruckende Vielfalt: Indische Ragas treffen auf Oldtime-Grooves, Jazz erklingt klassisch oder orientalisch, dazu Country-, Chicago- und Brazil-Blues sowie Folk aus Finnland. „Das Festival ist ein Ort für alle, die bereit sind, zu staunen und mit Neugier Neuem zu begegnen“, sagt Julia Thurau. Dieses Jahr dabei sind Oldtime-Musiker Seth Shumate (USA), der belgisch-israelische Jazzmusiker Yotam Ben-Or, Blues-Ikone Keith Dunn (NL/USA), der Inder Shubhranil Sarkar, Hermine Deurloo aus den Niederlanden (Jazz), die schwedische Country-Blues-Band John Henry um Mundharmonika-Spieler Mikael Bäckman, das finnische Quartett Sväng und die Brasilianerin Indiara Sfair. Kesselhaus in der Kulturbrauerei, Knaackstraße 97, 10435 Berlin, Informationen und Karten: www.harmonica-fen-festival.de
Kabarett: Ein Abend mit nigelnagelneuen und bewährten Liedern und Geschichten in, um und über Berlin – sowie den Rest der Welt. Den gestalten Horst Evers und Benedikt Eichhorn am 3. Juni. „Spontan zusammengestellt, immer anders, Welturaufführungen neben letzten Malen. Manchmal beides gleichzeitig. Dazu Gespräche, die auch wir noch nicht kennen. Und sonst noch alles, was gesagt und gesungen werden muss. Es wird sehr lustig werden. Und leidenschaftlich. Und schön“, kündigen die beiden an. BKA Theater, Mehringdamm 34, 10961 Berlin, Tickets und Informationen: www.bka-theater.de
Fotografie: Herausragende Fotografinnen gibt es seit der Erfindung der Fotografie im frühen 19. Jahrhundert. Viele von ihnen waren Pionierinnen auf diesem Gebiet. Sie experimentierten mit fotografischen und gestalterischen Techniken und loteten die Grenzen des neuen Mediums aus. So auch die Fotografinnen des Bauhauses. Sie beobachteten ihre Umgebung durch die Kameralinse und hielten dabei zahlreiche Motive in zum Teil neuen und ungewohnten Perspektiven fest. Das Spektrum ihres künstlerischen Schaffens reicht dabei von der gegenständlichen Porträt- und Architekturfotografie bis hin zur abstrakten experimentellen Fotografie. Die Ausstellung „Neue Frau, Neues Sehen: Die Bauhaus-Fotografinnen“ zeigt rund 300 Fotografien aus dem Bestand des Bauhaus-Archivs. Museum für Gestaltung, Berlin. Museum für Fotografie, Jebensstraße 2, 10623 Berlin. Martin Rolshausen