Endlich Frühling. Das Warten hat ein Ende. Nach den Eisheiligen Mitte Mai kann die Gartenarbeit dort mit ganzer Kraft beginnen. Doch Obacht: Gerade die Frühjahrssonne wird oft unterschätzt und ist überaus gefährlich für die Haut.
Zwischen Vexiernelken, Löwenmaul, Vergissmeinnicht, Sanddorn, Fetter Henne, Beifuß und uralten Rosen, deren Sortenname längst in Vergessenheit geraten ist, will der Boden im Vorgarten (Südseite! Sonne!) gelockert und um neue, frische Erde bereichert werden. Ach ja, Unkraut müsste da auch noch raus, aber was heißt schon „Unkraut“. Vieles, was unbekannt ist, wächst und blüht und lässt schließlich die Herzchen der Bienen und sonstigen nützlichen Getiers höherschlagen. Also lieber wachsen statt wegtun. Doch ein bisschen Fasson hat noch keinem (Vor-)Garten geschadet, und wir reden hier nicht von der sprichwörtlichen deutschen Gründlichkeit. Trotzdem, das Auge gärtnert ja sozusagen mit, also rein in die Handschuhe, her mit Schaufel und (Garten-)Schere.
So vergehen die Stunden. Die Arbeit macht Spaß. Und dann?
Mist. War klar. Und vorhersehbar. Ein Hut wäre schlau gewesen. Oder wenigstens eine Kappe mit großem Schirm. Die bedeckt zwar nicht die Ohren, aber immerhin. Jetzt ist es zu spät. Sonnenbrand auf dem Nasenrücken, den Wangen, den Ohren. Schmerzhaft und unschön, die Haut wird sich sicher ablösen. Und irgendwie drückt der Kopf. Ach ja, auch die Haut auf den Schultern ist schwer gerötet! Da hätten zwar Kappe und Mütze nichts ausrichten können, aber ein Shirt mit Ärmeln. Oder wenigstens die richtige Sonnencreme.
Dabei weiß doch inzwischen jedes Kind, wie gefährlich die Sonne ist. Oder zumindest sein kann. Das gilt ganz besonders für die Frühlingssonne! Gerade die Frühlingssonne! Sie ist tückisch. Hinterhältig gar.
Und warum? Tatsächlich steht die Sonne im berühmten Wonnemonat Mai schon fast so hoch wie im Sommer. Der Sonnenstand Anfang Mai ist also durchaus mit dem im August vergleichbar.
Auch milde Temperaturen schützen die Haut nicht vor UV-Strahlung
Zu allem Überfluss ist im Frühjahr tatsächlich die Ozonschicht auf der jeweiligen Erdhalbkugel dünner, als sie ohnehin schon ist. Erst im Laufe des Sommers – es ist ein komplizierter chemischer Prozess – baut sich die Ozonschicht wieder voll auf. Was bedeutet, die UV-Strahlung ist gerade im Frühjahr intensiv. Der Mensch nimmt sie aber nicht intensiv wahr. Denn noch sind die Außentemperaturen angenehm, morgens kann es recht kühl sein. Es weht eine leichte Brise, manchmal kommt ein frischer Wind auf. Die Großwetterlage treibt dann sogar polare Luft zu uns nach Mitteleuropa, die besonders erfrischend ist. Das alles täuscht und vermittelt trügerische Sicherheit. Doch statt beizeiten und beherzt zu Sonnenlotion-Tube oder gar „Gletschercreme“-Tigel zu greifen, wird der Sonnenschutz vernachlässigt. Was die Haut prompt quittiert.
Die ist nämlich nach den langen Wintermonaten besonders empfindlich. So lange war der Körper in dicke Klamotten eingepackt, die Haut vor jeglichen Umwelteinflüssen bestens geschützt und abgeschirmt. Doch nun, im Mai, hungern die Menschen nach sonnendurchfluteten Tagen, wollen draußen sein, Joggen, ein Sonnenbad nehmen, den Cappuccino vor und nicht im Lieblingscafé trinken oder eben im Garten arbeiten. Doch nach dem Winter hatte die Haut bisher noch keine Zeit, ausreichend Eigenschutz zu entwickeln und für genügend Pigmente zu sorgen. Lichtschwiele heißt das im Fachjargon der Dermatologen. Ganz ähnlich wie eine Schwiele nach harter Gartenarbeit eine Schutzreaktion auf Druck und Reibung ist, ist die Lichtschwiele eben jener Schutz, für den die Haut selbst sorgt, wenn sie regelmäßig und in gesunden Dosen der Sonne ausgesetzt wird. Hatte sie aber dazu keine Gelegenheit und wird sie dann schutzlos der Sonne preisgegeben, reagiert sie –
siehe oben – mit einem Sonnenbrand. Und der schmerzt nicht einfach nur. Im schlimmsten Fall bilden sich Blasen, die Haut schält sich. Und überhaupt, jeder Sonnenbrand lässt sie Haut schneller altern und – wesentlich erheblicher! – erhöht das Hautkrebs-Risiko.
Heißt, schlau wäre, jeden Sonnenbrand tunlichst zu vermeiden und es im Frühjahr den Pflanzen gleich zu tun, die ja auch je nach Sorte, Art und Standort eher langsam wachsen, und die Haut langsam wieder an die Sonne zu gewöhnen. Und bei der Gartenarbeit die entsprechende Kleidung zu tragen. Denn noch liegen die Außentemperaturen nicht jenseits der 30-Grad-Marke, da dürfen es also durchaus noch das Langarm-Shirt und die lange Hose sein. Schützt im Übrigen auch beim Arbeiten an Brombeersträuchern oder dornenbewehrten Rosen.
Oder die Sonne gleich ganz vermeiden und zwischen elf und 15 oder 16 Uhr nicht aus dem Haus gehen. Oder im Schatten bleiben. Das lässt sich ja nun nicht immer einrichten. Erstens weil das Tagwerk getan sein will und zweitens, weil im Vorgarten kein einziges schattenspendendes Gewächs steht. Ausschließlich sonnenhungrige und widerstandsfähige Trockenkünstler haben hier ihren Platz gefunden. Steht nun der Frühjahrsputz an, gibt es keine Alternative zum entsprechenden und ausreichenden Sonnenschutz.
Dabei übrigens bitteschön nicht die Augen vergessen! Die konnten sich schließlich über Winter ebenso wenig wie die Haut an die Sonne gewöhnen. Noch dazu steht die Sonne im Frühjahr tief, blendet oft, und die schädlichen UV-Strahlen dringen bekanntermaßen ja auch durch eine dünne Wolkendecke. Also Sonnenbrille auf, sieht ja schließlich auch noch cool aus. Rutscht aber bei der Gartenarbeit, die den Schweiß aus allen Poren treibt, auch fast von der Nase. Ein Brillenband schafft Abhilfe und hält die Brille an Ort und Stelle.
Und sind wegen der schweißtreibenden Arbeit im Garten eben doch T-Shirt und kurze Hose die Kleidungsstücke der Wahl, dann sollte die nackte Haut durch eine entsprechende Creme oder ein Gel geschützt werden. Die sollten sich leicht auftragen lassen und gut einziehen, sonst gibt’s, vermischt mit Erde, Rasen-Grünschnitt oder Sonstigem, das im Garten an- oder abfällt, eine schöne Panade auf der Haut. Aber, so gesehen, die schützt ja dann auch vor der Sonne.