Astrologie ist für etwa die Hälfte der Deutschen ein Thema – irgendwie. Wer wie fest daran glaubt, dass die Sterne Einfluss auf das irdische Geschehen haben, ist Privatsache. Klar ist: Mit dem Glauben an die Sterne lässt sich auch Geld verdienen.
Als der Neue-Deutsche-Welle-Star Hubert Kah Anfang der 80er-Jahre davon sang, dass er den Sternenhimmel sieht, stellte er beim Blick ins All die Frage: „Oh, Sterne, kann denn Liebe Sünde sein?“ Die Antworten, die einige Menschen sich vom Stand der Himmelskörper erwarten, sind wesentlich persönlicher. Ob es um Liebe und Beziehung, Beruf und Finanzen oder andere wichtige Entscheidungen geht: Vom schnellen Blick ins Horoskop einer Zeitung oder Zeitschrift, über das Angebot von Astro-Influencern bis hin zum persönlichen Horoskop durch eine Astrologin oder einen Astrologen wird Hilfestellung erwartet.
Die Astrologie, also die Deutung von Zusammenhängen zwischen Sternenkonstellationen und Vorgängen auf der Erde inklusive dem Leben der Menschen, wird anders als in früheren Jahrhunderten nicht mehr als Wissenschaft betrachtet. Astrologie ist eine sogenannte Pseudowissenschaft.
Laut einer gemeinsamen Umfrage der Institute Statista und Yougov glaubt nur knapp die Hälfte der Menschen in Deutschland nicht an Horoskope. Nur in zwei Altersgruppen ist der Glaube an das, was angeblich in den Sternen steht, überdurchschnittlich groß ausgeprägt: bei den 18- bis 24-Jährigen sowie den 35- bis 44-Jährigen. Jeweils 61 Prozent sind in diesen Altersgruppen der Meinung, dass an Horoskopen etwas dran ist. „Je älter die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, desto unsicherer wurden sie allerdings auch“, heißt es in der Studie: 24 Prozent der Menschen zwischen 45 und 54 sowie 19 Prozent aller Befragten, die älter als 55 waren, hatten keine Meinung zum Thema oder gaben keine Antwort an.
Die Macht der Sterne bewegt Menschen
„Gerade Frauenzeitschriften räumen dem Abdrucken regelmäßiger Horoskope viel Platz ein. 46 Prozent der Deutschen dürften diese Seiten eher überblättern, als sich über Sternzeichen und Vorhersagen zu informieren“, sagt der Data-Journalist Florian Zandt, der die Studie für Statista ausgewertet hat. „Lediglich drei Prozent der Befragten konsultieren täglich die ihren Sternzeichen zugeordneten Prognosen, wöchentlich sind es immerhin noch sechs Prozent. Die größte Gruppe neben den Nichtleserinnen und Nichtlesern ist allerdings die der unregelmäßigen Leserinnen und Leser. Knapp 39 Prozent konsultieren nur ab und zu ihr Horoskop“, erklärt Zandt.
Die Studie ist von 2021. Die Datenlage ist schwierig, auch weil sich für viele Menschen Sterndeuten, Kartenlegen und andere Formen der Wahrsagerei in der Wahrnehmung vermischen. Umso klarer ist die Einordnung der Wissenschaft: Verlässliche Aussagen zu einem Zusammenhang zwischen dem Stand der Sterne und dem persönlichen Schicksal liegen im Zufallsbereich. Was ebenfalls klar ist: Mit Astrologie lässt sich Geld verdienen. Ratgeber in Buchform und Horoskope in Printmedien sind ein schrumpfender Markt. Im Internet wächst das Angebot, vor allem Influencerinnen und Influencer bauen durch astrologische Beratung Reichweite auf. Dabei sind Astrologe oder Astrologin keine geschützten Berufsbezeichnungen. Man muss also weder eine Ausbildung machen noch eine Prüfung bestehen, um sich so nennen zu dürfen. Das Recht, sich astrologisch zu betätigen, ist in Deutschland durch das Grundrecht der Berufsfreiheit abgedeckt.
Wie Hubert Kah zur Astrologie stand, ist nicht bekannt. Freddie Mercury hat sein Verhältnis zu den Sternen so formuliert: „Weißt du, ich habe das Queen-Logo entworfen. Ich habe einfach alle Kreaturen unserer Tierkreiszeichen kombiniert. Und ich glaube nicht einmal an Astrologie.“