Als Bassist der vielbeachteten Band Black Midi war Cameron Picton sehr experimentierfreudig, sehr sendungsbewusst und sehr turbulent, elektronisch effektvoll und oft auch sehr laut unterwegs. Vor drei Jahren lösten sich Black Midi zum Kummer ihrer Fans leider auf. Die anschließende Neuorientierung mündete für Cameron Picton nun in ein Album, das gleichermaßen experimentierfreudig, sendungsbewusst und turbulent geraten ist. Aber eben viel akustischer und filigraner.
Laut Info-Zettel entstanden die ersten Songfragmente im Fieber-Delir. Auch der seltsame Bandname „My New Band Believe“ entsprang dieser Phase. Unverhohlen suggeriert der Name: Picton ist das Mastermind, aber er deutet auch an, es ist ein Kollektiv, welches auf diesem selbstbetitelten Debüt agiert.
Etliche Namen und Instrumente werden gelistet. Letztere reichen von Schlagzeug und Klavier zu diversen Streich- und Blasinstrumenten: Cello, Geige, Viola, Flügelhorn, Klarinette, Saxofon.
Picton selbst hören wir nicht nur an seinem Stamm-Instrument, sondern auch an der akustischen Gitarre, dem Xylophon, der Mandoline und einem „Spielzeug“-Akkordeon.
Ein überbordend großer, geradezu orchestraler Kessel Buntes wird hier – im Verbund mit bisweilen opulenten Chorgesängen –
aufgefahren. Doch wäre all das vergebliche Müh, würde diese fast schon hysterische Vielfalt nicht an ein berückend einnehmendes Liedgut angedockt, beziehungsweise mit kompetenter Arrangierkunst immerhin ein wenig kanalisiert werden.
Die psychedelischen Spätsechziger lassen grüßen, der genialische Van Dyke Parks, der verwegene Kevin Ayers, die freigeistigen Folk-Heroen Bert Jansch und John Renbourn, insbesondere aber auch der wundersame Owen Pallett.
Es passiert so unfassbar viel in den acht verwinkelten, extrem fantasievollen Weisen von „My New Band Believe“. Aber herausfordernd waren ja bisweilen auch die Beatles. Von denen steckt in diesem berauschenden Trip ebenfalls manches drin. Und affinen Seelen werden gewiss weitere Assoziationen kommen.