Keine Ahnung, ob bereits irgendwo Countdown-Uhren gestellt sind. Es ist ja auch ein bisschen hin bis zur nächsten Landtagswahl. Aber zehn Monate vor dem großen Wahltermin (April 2027) sind die Vorboten kaum zu übersehen. Dass Bildungspolitik eines der wichtigen Themen sein wird, hat nicht nur der Bildungsparteitag der SPD gezeigt (siehe Bericht Seite 40).
Es liegt in der Natur der Sache, dass Landtagswahlkämpfe auch Bildungswahlkämpfe sind. Erstens, weil Bildung eines der letzten Politikfelder ist, in denen die Länder weitgehenden Gestaltungsspielraum haben. Zweitens betrifft Bildung alle, von den Kindern selbst bis zu den Großeltern, vom Schulbusfahrer bis zur Bildungsforscherin. Und drittens lässt sich über Bildung so wunderbar streiten.
In kaum einem anderen Bereich – außer vielleicht noch beim Klimaschutz – wird das Wort „ideologisch“ so oft und so leidenschaftlich im Mund geführt. Manchmal erinnert mich das an Comics, die zeigen, wie unsere noch ziemlich stark behaarten Ur-Vorfahren mit Keulen aufeinander losgegangen sein müssen. Dabei kannten sie noch nicht einmal so etwas wie Stundentafeln, Klassenteiler, Vollzeitäquivalente, Inklusion, multiprofessionelle Teams, Föderalismus – von den pädagogischen Fachtermini und schulpädagogischen Modellen ganz zu schweigen.
In der Schule kommt alles zusammen, was sich in unserer Gesellschaft verändert, von den äußeren Rahmenbedingungen bis zu den Umgangsformen. Schule soll alles lösen. Die Beschreibung ist bekannt. Verwunderlich dabei ist nur, wie über Schule in Kategorien diskutiert und hochemotional gestritten wird, die an den zentralen Herausforderungen vorbeigehen.
Die renommierte Expertin Jutta Allmendinger sagt zurecht: Wir wissen eigentlich, was zu tun ist. Aber Bildungspolitik wird wie „parteipolitische Interessenpolitik“ behandelt, wo eigentlich eine gemeinsame Anstrengung angezeigt wäre.
Nun gehört es zwar zu den Aufgaben der Parteien in einer Demokratie, für ihre Überzeugungen in Sachen Bildung zu kämpfen. Am Ende ist es aber auch eine Frage des Wie. Und die ist mitentscheidend dafür, ob Schulen ihren Auftrag erfüllen können. Zum Beispiel, wie sich der unwürdige Zustand ändern lässt, dass Bildungschancen in Deutschland nach wie vor besonders stark vom Elternhaus abhängen.