Der Kampf der Geht-so-Guten gegen die Doppelt-so-Bösen geht in die letzte Runde: Das Finale von „The Boys“ von Amazon ist besiegelt. Wer die letzte Staffel noch nicht gesehen hat, sei gewarnt – dieser Text enthält leichte Spoiler.
Staffel vier war den Machern von „The Boys“ wohl selbst zu düster ausgefallen. Zwischen Trump-Parallelen und aufziehenden autoritären Tendenzen ging die satirische Spitze etwas verloren, die Momente, in denen man lauthals auflachte, wurden weniger – gleichwohl, ohne dass Qualität im Storytelling eingebüßt wurde. Nun sind die Jungs aber wieder zurück in Topform. Mit an Bord: ein Lava ejakulierender menschlicher Super-Berg, ein gläsernes Transportmittel mit einem tödlichen Virus, das auf gar keinen Fall zerbrechen darf, und Soldier Boy, der erste Held überhaupt.
Ein Jahr ist nun vergangen
„The Boys“, das ist ein zusammengewürfelter und titelgebender Haufen an Randexistenzen, die sich geschworen haben, die „Supes“ auszuschalten. Dies wiederum sind die Superhelden, die in der alternativen Realität, in der Amazons Quotenhit spielt, einem alltäglichen Leben nachgehen. Die Supes stellen eine Art grotesk pervertiertes Gegenbild der Superhelden aus den Marvel/DC-Universen dar. An der Spitze stehen die „Seven“, die vom Großkonzern Vought International vermarktet werden – inklusive Franchise-Eröffnungen in kleineren Städten mit weniger mächtigen Superhelden und Kinofilmen, die denen aus dem Marvel-Universum um die Avengers ähneln.
Die Welt der Superhelden, die wie Rockstars gefeiert werden und unter allzu menschlichen Problemen leiden, hat sich seit Ende der vierten Staffel weitergedreht und ist doch gleich geblieben. Noch immer versucht Billy Butcher (großartig: Karl Urban) die Clique um Homelander (super-großartig: Antony Starr) zu killen. Die Superhelden um Homelander, diesem Höllen-Mix aus Superman und Captain America mit Gott-Komplex, sind mithilfe der hohen Politik und religiöser Extremisten noch immer dabei, die USA zu einem autoritären Staat umzubauen.
Ein Jahr ist vergangen, seit „The Boys“ auseinandergetrieben wurden und der Großteil die Zeit in einem Internierungslager verbrachte. Annie January aka Starlight (Erin Moriarty) veröffentlicht das Video von Flug 37 (aus Staffel eins), das zeigt, wie Homelander die Passagiere abstürzen ließ. Die finsteren Mächte reagieren mit absichtlich gestreuten Fake News, während Butcher und Co. in ihrem „Freiheitslager“ hingerichtet werden sollen. Ein Fluchtversuch gelingt, und so sind „die Guten“ wieder vereint. Butcher wiederum ist immer noch davon besessen, die „Supes“ ein für alle Mal vom Erdboden zu tilgen. Dafür versammelt er seine Mannschaft, um einen Super-Virus zu züchten. Der Plan gelingt – doch er hat einen immensen Preis.
Offene Fragen werden beantwortet
Das Ableben liebgewonnener Hauptfiguren scheint „Game of Thrones“-Niveau zu erreichen, der Humor ist ätzend sarkastisch, die Sprache derb, die Optik filmreif, die Figuren großartig charakterisiert. Die Neuzugänge sind wie immer auf den Punkt besetzt und fügen sich hervorragend in das ohnehin schon fantastische Ensemble ein. Die Story schreitet prima voran, und wie alles endet – denn es ist die finale Staffel.
Bis dahin sind noch einige Erzählstränge zu schließen und viele Konflikte zu lösen. Wie verkraftet The Deep, dass er immer offensichtlicher gemobbt wird? Schafft es Butcher wieder einmal, alle zu manipulieren? Wie sieht es mit Homelander aus, dessen Halluzinationen ihn zu übermannen scheinen? Bringt er zuerst seinen Vater oder seinen Sohn final gegen sich auf? Finden Starlight und Hughie wieder zusammen? Ist die Welt ohne Supes wirklich eine bessere?
Spannend bleibt es auch, wie das „The Boys“-Universum weiter ausgebaut wird –
und ob das überhaupt passiert. Der Ableger „Gen V“ wurde nach der künstlerisch enttäuschenden zweiten Staffel nicht verlängert. Die Zukunft der Animationsreihe „The Boys Present: Diabolical“ ist laut Serienschöpfer Eric Kripke ungewiss. Für 2027 ist immerhin die Serie „Vought Rising“ geplant, die Jensen Ackles als Soldier Boy und Aya Cash als Stormfront in den Mittelpunkt stellt. Bereits 2023 wurde „The Boys: Mexico “ angekündigt, bislang steht aber noch kein Starttermin fest.