Anna Dushime ist ein bekannter Name: Geboren in Ruanda, kam sie mit Mutter und Schwester nach dem Genozid in ihrer Heimat über England an den deutschen Niederrhein. Heute ist sie als Autorin, Moderatorin und Satirikerin in Printmedien und Fernsehen präsent. Nun hat sie ihr erstes Buch geschrieben, in dem sie sich einem ihrer Lieblingsthemen widmet, dem Dating.
Man muss aber schon einigermaßen vertraut sein mit den Freizeitgewohnheiten der Jugend, ihrer Bekleidungs-, Parfum- und Plattformenwelt, um der Autorin folgen zu können. Insbesondere als Boomer, also als Mumie unter den Lebenden, muss man mehr Vokabeln googlen als bei der Lektüre eines Buches in Originalsprache, die man auf Niveau C2 beherrscht. Obwohl die Autorin mit ihren 36 Lenzen streng genommen auch nicht mehr zur Jugend gehört.
Spoiler ist kein Autobauteil, sondern das Verraten eines wichtigen Details einer Geschichte, Meme keine Opernfigur von Wagner, sondern ein Medieninhalt im Internet, und ghosten bedeutet nicht, dass es im nächtlichen Schloss spukt, sondern den Abbruch des Kontakts auf einer Dating-Plattform.
Wer aber meint, Anna Dushime würde in ihrem Buch 1.000 Bekanntschaften herunterrattern, die sie sich in einer Dating-App geangelt hat, irrt gewaltig. Die Autorin spricht zwischenmenschliche Annäherung in allen Lebenslagen an, selbst im Beruf. Die ebenso altbackene wie politisch inkorrekte Weisheit von „Haustauben schießt man nicht“ lässt sie nicht gelten. Allerdings: Nur nichts Ernstes, sonst wird es ernst.
Trotz sprachlichem Dauerfeuer und auch wenn die Autorin Sex im Wesentlichen spannenden Fernsehabenden gleichsetzt, gibt es berührende Momente im Buch, in denen die ehrliche Anna Dushime auszumachen zu sein scheint. Jene, die sich nicht die Clownsnase aufsetzt und mit flapsigen Sprüchen ihr Publikum zum Lachen bringen möchte.
In „1000 letzte Dates“ schildert sie auf launige Weise, wie sie Männer kennenlernt, ob im Internet, in der Bar oder im Zug. Ein Spiel mit der Liebe auf Zeit in Jugendsprache.