Schon das Konzept von „Shadow Child“ berührt. Für jeden Monat ihrer Schwangerschaft hat die Musikerin Abigail Lapell einen Song geschrieben – und aufgenommen.
Das Werk beginnt pfeifend: „The Whistle Song“ startet mit der erhebenden Zeile „Every day is a new beginning …“. Und wie die Kanadierin aus Toronto dies intoniert, greift sofort an eine empfängliche Seele. Wenige Zeilen später heißt es vorfreudig: „Oh my love, I will see you soon …“. Zuversicht und Ehrfurcht schwingen hier mit, selbst noch dann – oder aber auch gerade, wenn Lapell singt: „I sing a song for the one I carry / Little prayer for the one I buried.“ Die erlittene Fehlgeburt im Jahr 2023 während eines Auftritts hat ebenfalls ihren Raum in diesen offenen, zarten Liedern.
Doch der Blick ist vor allem nach vorne gerichtet, auf das, was kommt: die Geburt des Sohnes im November 2024.
Mit Jill Barber hat die glückliche Mutter für das Lied „Hazel“ eine von vier Lieblingssängerinnen, alle ebenfalls Mütter, an ihrer Seite. Voller Wärme und Klarheit tropfen hier insbesondere die Töne einer elektrischen Gitarre durch die Lautsprecher, und zwei bezaubernde Stimmen interagieren kongenial. Bass und Vibrafon kolorieren.
„Tell me what you dreamed before you were born“ heißt es dann darin. Ja, das möchte man als Eltern ja wirklich nur zu gerne wissen. Dieses vorgeburtliche Wiegenlied hält dann auch ein paar Fantasien diesbezüglich parat …
In „Talking To Myself“ sind es Cello und Orgel, die für Andächtigkeit sorgen. „How Long“ wird mit Pharis Romeo gesungen, „Shadow Child“ mit Frazey Ford, Dana Sipos duettiert auf „Mockingbird“. Großartige Gesangs-Partnerinnen sind das – denn sie bewegen sich mühelos auf gleicher Wellenlänge schwingend.
Mit Unwägbarkeiten leben, mit Schicksalsschlägen Frieden schließen und mit Zuversicht die Tage beginnen, das Leben genießen – das sind die Themen dieses naturgegeben neunteiligen Reigens. „Mother Tongue“ greift das Dilemma von Touren und dem Wunsch nach Zuhausesein auf, und „Sing A Rainbow“ beschließt als einzige Cover-Version (von Arthur Hamilton) ein außergewöhnlich bewegendes Album.