Die Städtische Kunstsammlung umfasst rund 1.700 Kunstwerke. Die Serie „Biographische Berge“ von Mane Hellenthal zählt zu den Werken, die zur Sammlung gehörend öffentlich zugänglich sind.
Das Rathaus St. Johann ist nicht nur ein Verwaltungsgebäude. Es ist auch der Ort, an dem die Bürger Einblick in die Kunstsammlung der Landeshauptstadt Saarbrücken erhalten können, dabei handelt es sich um die größte, öffentlich zugängliche Sammlung zeitgenössischer, saarländischer Kunst im Land. Eine Künstlerin, die mit mehreren Gemälden vertreten ist, ist Mane Hellenthal. Im zweiten Obergeschoss des Rathausflügels zur Kaltenbachstraße hängen vier Werke ihrer Serie „Biographische Berge“. „Ich habe im Jahr 2003 mit der Serie begonnen. Die meisten der Gemälde sind quadratisch mit einer Größe von 80 mal 80 Zentimetern“, erklärt sie vor Ort. „Aber es sind auch noch weitere, wandhohe Gemälde dazugekommen“, fügt sie an.
Renommierte Kunstschaffende
Mane Hellenthal arbeitet zeitgleich an verschiedenen Themenblöcken, die Serie der „Biographischen Berge“ greift sie immer wieder auf, auch aktuell arbeitet sie an diesem Thema. Mane Hellenthal, geboren in Saarbrücken, zählt zu den renommiertesten Kunstschaffenden im Saarland. Nach einer Ausbildung zur Goldschmiedin, mehreren Auslandsaufenthalten und der Arbeit als Zahntechnikerin beginnt sie im Jahr 1990 ihr Studium der Freien Kunst an der saarländischen Hochschule der Bildenden Künste, HBKsaar, das sie 1997 abschließt. Seither arbeitet sie freischaffend als Künstlerin. Sie erhielt mehrere Preise, wie im Jahr 2007 den Förderpreis der Stadt Saarbrücken sowie diverse Stipendien – in Langenargen am Bodensee, Schloss Bourglinster in Luxemburg und Schloss Wiepersdorf in Brandenburg. Ihre Ausstellungen prägen seit vielen Jahren das Kunstgeschehen im Saarland mit, wie auch die Präsentationen 2010 in der Stadtgalerie Saarbrücken, 2024 im Museum St. Wendel oder kürzlich beim Kulturverein Burbach in Saarbrücken.
Mane Hellenthals Kunst ist meist etwas rätselhaft. In ihren Gemälden werden zwar häufig gegenständliche Motive dargestellt, aber die Künstlerin verfremdet diese durch Vereinfachungen, die Wahl der Farben, einen lasierenden oder sehr kleinteiligen Farbauftrag, Überzeichnungen oder kleinteilige Darstellungen, sodass sich diese Motive den Betrachtern zeigen, aber auch gleichzeitig entziehen. Die „Biographischen Berge“ sind keine Ausnahme. In den vier quadratischen Gemälden im Rathaus St. Johann präsentiert Mane Hellenthal eindeutig vier Bergmassive, die sie mittig auf die Leinwand platziert, die sich dem Betrachter in ihren Formen ganz klar offenbaren, dann aber vereinfacht die Künstlerin die Abbildung dieser Berge so sehr und verfremdet sie gleichzeitig, sodass auch diese Gemälde rätselhaft fremd wirken. Die Farbgebung ist verblüffend, gestaltet sie doch die vier Gemälde in jeweils nur wenigen Farben wie Dunkelrot, Hellbraun, Gelb, Türkis oder Hellgelb und Rot. „Die Berge sind nach Fotos gemalt. Diese Fotos habe ich teilweise selbst gemacht, aber sie stammen auch aus Zeitschriften oder Kalendern und Alpenvereinszeitschriften“, erläutert Mane Hellenthal. Schon seit ihrer Kindheit habe sie eine große Affinität zur Bergwelt, sei häufig in den Bergen unterwegs. Für die Darstellung der Berge verzichtet sie auf eine romantisierende oder realistische Darstellung. Sie wählt für die Abbildung jeweils nur drei Farben aus, muss daher alle Farbtöne der originalen Vorlagen stark vereinfachen und reduzieren. „Die Farben sind deckend aufgetragen und die mittlere Grundierung ist immer beige. Das dämpft die Farbgebung.“ Für die weitere Gestaltung wählt sie nur noch zwei Farben aus, die für die Bergwelt auch ganz fremd sein dürfen. Diese Farbwahl entstammt nicht der Natur, sondern der eigenen Biografie. „Es handelt sich dabei um Erinnerungen an Farben. Häufig sind diese Farben mit Kleidungsstücken verknüpft, die ich früher getragen habe oder die mal Modefarben waren. Daher heißt die Serie auch ‚Biographische Berge‘, die Farbwahl entstammt nicht der Natur, sondern meiner Erinnerung“, erklärt sie. „Es braucht viel Zeit, es ist eine langwierige Arbeitsweise“, fügt die Künstlerin hinzu. Für ihre Gemälde vereinfacht Mane Hellenthal ihre fotografischen Vorlagen und reduziert sie auf drei Farben. Dadurch wirken diese Gemälde nicht nur verfremdet und „verpixelt“, sie überraschen auch die Betrachter. Aber gleichzeitig faszinieren sie sehr und entführen in eine ganz andere, moderne, farbige, künstlerische Bergwelt.
Die Farbwahl entstammt nicht der Natur
Die Werke kommen gut an. Diese Serie ist erfolgreich. Das zeigt der Ankauf der Gemälde, die sich neben der Sammlung der Landeshauptstadt Saarbrücken auch in den Sammlungen der Landesbank Saar (SaarLB), des Ministeriums für Bildung und Kultur, der Sparkasse Saarbrücken und der Universität des Saarlandes befinden.
Für das Projekt „Wanderer über dem Nebelmeer“ im Rahmen von Kunst am Bau für die Erweiterung der Justizvollzugsanstalt Lerchesflur in Saarbrücken erarbeitete Mane Hellenthal im Jahr 2013 vor Ort mit jungen Insassen die Berge als große Wandgestaltung. Und nicht zuletzt wurden Teile der „Biographischen Berge“ in verschiedenen Ausstellungen präsentiert, wie 2005 in Blieskastel, 2008 in einer Berliner Galerie, 2010 in der Saarbrücker Stadtgalerie. Aktuell arbeitet Mane Hellenthal ebenfalls an weiteren Gemälden der Serie. „Im Sommer habe ich in der Münchner Galerie ,Kunstraum in der Au‘ eine Ausstellung. Dort werde ich auch wieder ,Biographische Berge‘ zeigen“, sagt die Künstlerin.