Die 38. LVM Saarland Trofeo bringt die internationale Junioren-Elite des Radsports ins Saarland und ins benachbarte Frankreich. Auch ein Gastspiel der Special Olympics gehört zum Programm.
Seit 1988 ist es so: Jedes Jahr im Juni verwandeln sich einige Straßen rund um Gersheim im Bliestal für ein paar Tage in eine Radrennstrecke für die besten Junioren-Radsportler der Welt. Man muss nur einen Blick auf die Ehrentafel der LVM Saarland Trofeo werfen und man stellt selbst als Radsport-Laie fest, was das bedeutet: Dort prangen Namen wie Tom Boonen, Marcel Kittel, Jörg Jaksche oder Jan Ullrich, Tour-de-France-Sieger 1997: Wer als 17- oder 18-Jähriger bei der Trofeo besteht, hat gute Chancen, irgendwann auf den großen Bühnen des Weltradsports mitzumischen.
Walzers Heimrennen
Als Teil des UCI Junior Nations Cup gehört die Trofeo – seit 2008 das einzige deutsche Rennen in dieser Rennserie – zu den bedeutendsten Nachwuchsveranstaltungen der Welt. Seit 1994 trägt sie das UCI-Weltcup-Label. Namensgeber ist das Saarland als Hauptunterstützer, Hauptsponsor die LVM-Versicherung aus Münster. Ausrichter ist der Förderverein Saarland Trofeo mit Sitz in der Gemeinde Gersheim. Vom 11. bis zum 14. Juni findet die 38. Ausgabe dieses Traditionsrennens statt. An vier Renntagen, über fünf Etappen und mit Talenten aus mehr als 20 Nationen.
Verantwortlich für Streckenplanung und sportliche Leitung ist Andreas Walzer, 56, aus Homburg-Schwarzenbach. Was ihn für diese Rolle qualifiziert, steht in jedem Radsport-Lexikon: Olympiasieger 1992 in Barcelona mit dem Bahnvierer in der Mannschaftsverfolgung, Weltmeister 1991 in Stuttgart in derselben Disziplin, elf deutsche Meistertitel zwischen 1987 und 1999. Heute betreut der Industriekaufmann und Betriebswirt bei Canyon Bicycles in Koblenz im Pro-Sport-Management internationale Topathleten – darunter Mathieu van der Poel, Kasia Niewiadoma sowie die deutschen Triathlon-Asse Patrick Lange und Laura Philipp. Die Trofeo ist für ihn eine andere Kategorie: sein Heim-Rennen, seine Herzblut-Angelegenheit.
Die 121 Kilometer lange Auftakt-Etappe der diesjährigen Trofeo beginnt am Donnerstagabend um 17.30 Uhr am Rathaus in Spiesen und endet gegen 20 Uhr in Neunkirchen-Furpach (Arno-Spengler-Platz). Der Rundkurs führt über Rohrbach, Kirkel, Eschweilerhof, Ludwigsthal und Wellesweiler – durchweg saarländisches Terrain, wenn auch nicht ohne Tücken. „Das ist eine schöne Auftaktetappe. Nicht leicht – aber auch eine, die denen gerecht wird, die vielleicht am Tag davor noch lange im Auto saßen“, sagt Walzer. Eine Etappe, die das Feld sortiert, ohne es gleich zu sprengen.
Am Freitagabend gehört die Trofeo dann Frankreich. Der Grand Prix de la Moselle führt in 111,3 Kilometern von Meisenthal – bekannt für sein Internationales Zentrum für Glaskunst – bis nach Epping. Start ist um 17 Uhr. Die Route umspannt zwei Rundkurse, verbunden durch eine längere Überführungsstrecke: Der erste führt rund um Meisenthal, der zweite – nach dem Durchfahrtsort Brenschelbach als einzigem deutschen Ort auf dieser Etappe – endet in Epping. Die Trofeo gilt als einziges grenzüberschreitendes Juniorenradrennen der Welt, und kaum eine Etappe macht das so unmittelbar erlebbar wie diese. Walzer hat sportlich vorgesorgt: „Vor dem Zieleinlauf in Epping gibt es noch eine relativ steile Rampe – die geht von Urbach hoch. Das macht es zu einem effektiven Finale“, findet er.
Der Samstag ist zweigeteilt. Ab 9 Uhr morgens steht zunächst das Einzelzeitfahren auf dem Programm: zehn Kilometer rund um Medelsheim. „Das ist kein flaches Zeitfahren – es geht von Medelsheim runter nach Peppenkum, dann in Altheim wieder rauf. Das ist schon schwer“, betont Walzer. Der Rundkurs verlangt Kraft und Cleverness. Wer hier Zeit verliert, verliert sie endgültig.
Zum Zeitfahren gesellt sich in diesem Jahr etwas Außergewöhnliches: Im Zielbereich in Medelsheim findet ab 10 Uhr der Fackellauf der Special Olympics Nationalen Spiele 2026 statt. Die Trofeo kooperiert 2026 erstmals mit den Special Olympics – dem größten inklusiven Multisport-Event Deutschlands, das in diesem Jahr im Saarland ausgetragen wird. Eine Verbindung, die dem Rennen eine Dimension verleiht, die weit über Zeitmessung hinausgeht.
Wechsel an der Spitze
Am Samstagnachmittag rollt das Feld noch einmal: 16.30 Uhr, Paradeplatz Blieskastel, Ziel gegen 19 Uhr in Blieskastel-Blickweiler. Die zweite Halbetappe des dritten Renntages um den Preis der Terrag führt auf 93,5 Kilometern durch das hügelige Bliesland – über Biesingen, Erfweiler-Ehlingen, Rubenheim, Herbitzheim und Wolfersheim. Ein Rundkurs, der nach dem Zeitfahren am Morgen nochmals in die Beine geht.
Den Schlusspunkt setzt am Sonntag die Königsetappe. 112,6 Kilometer, Start um 10.30 Uhr an der Europäischen Freundschaftsbrücke in Mandelbachtal-Habkirchen – ein Ort, der allein durch seinen Namen sagt, worum es bei der Trofeo auch geht. Den Startschuss gibt Ministerpräsidentin Anke Rehlinger. Der Rundkurs führt über Bebelsheim, Wittersheim, Aßweiler, Erfweiler-Ehlingen, Rubenheim, Herbitzheim und Gersheim bis nach Reinheim, wo gegen 13.15 Uhr der Gesamtsieger der 38. Trofeo gekürt wird.
Welche internationalen und deutschen Talente ihre Aufwartung im Saarland machen werden, entscheidet sich erst wenige Tage vor dem Start. Klar ist nur: Saarländer fahren in diesem Jahr nicht mit. „Nationen wie Dänemark oder Großbritannien haben immer viele gute Fahrer in ihren Reihen. Aber heutzutage werden die Besten nicht auf alle Rennen geschickt“, weiß Walzer und erklärt: „Man setzt bewusst auf Pausen, erholt sich, bereitet sich gezielt aufs nächste Rennen vor.“ Neben den klassischen Radsport-Nationen haben auch Österreich, Norwegen, Australien, Slowenien, die Ukraine und das französische Team Comité Haute-Garonne gemeldet.
Neben dem sportlichen Programm markiert die 38. Trofeo einen bedeutenden organisatorischen Einschnitt: Nach 38 Jahren an der Spitze des Veranstaltungsteams übergibt Wolfgang Degott die Organisationsleitung an Christoph Kaldenhoff. Degott bleibt der Trofeo als Geschäftsführer erhalten und damit dem Rennen verbunden.