Norbert Schmitt ist ein echtes Unikat. Während die meisten mit 82 ihre Rente genießen, ist der Saarländer als Friseur mit eigenem Laden und einer Reiseagentur für Senioren noch äußerst aktiv.
Das Fußballstadion von Barcelona könnte Norbert Schmitt locker füllen – nicht mit Fußballfans, dafür mit Männern, denen er den Kopf gewaschen und die Haare geschnitten hat. Geschätzten 110.000 Kunden hat er im Laufe seines rund 68-jährigen Berufslebens einen flotten Schnitt verpasst. Eine stolze Zahl!
Wer über diese Zahlen staunt und denkt, das kann doch nicht sein, dem sei gesagt: Norbert Schmitt ist in seinem 82. Lebensjahr, hat mit 14 Jahren seine Lehre als Friseur begonnen und seitdem jeden Arbeitstag „die Finger rundgehen gelassen“. Zusammen mit seiner Frau Ursula hat er ein kleines Friseur-Imperium aufgebaut, das zu seinen Hochzeiten über 40 Mitarbeiter an sieben Standorten im Saar-Pfalz-Kreis bis nach Kaiserslautern umfasste.
„In meinen Anfangsjahren konnte ich mir keine elektrische Haarschneidemaschine leisten, meine ‚Hand-zu-Fuß-Maschine‘ musste ich mindestens 100 Mal zupetzen, bis ein Haarschnitt vollendet war. Das war noch wirkliche Handarbeit“, schmunzelt Nobbi, wie ihn alle seine Kunden vertrauensvoll nennen.
Fußballlegenden waren seine Kunden
„Damals kostete ein Männer-Haarschnitt, ein sogenannter Façon-Schnitt, acht Mark, heute liegt ein professioneller Haarschnitt bei 20 Euro. Dieser klassische Herrenhaarschnitt mit seinen kurzen Haaren im Nacken und an den Seiten, die zum Deckhaar hin in einem weichen Übergang länger werden, war in den 1960er- bis 1980er-Jahren modern und galt als vielseitig und pflegeleicht. Später wurde er durch den Rundschnitt mit seinen runden Ecken abgelöst.“
Zu seinen Kunden zählen Fußball-Legenden wie Hans-Peter Briegel, der lange in Kaiserslautern gekickt hat, oder Handballnationalspieler Peter Meisinger, den er durch seine Tätigkeit als Handball-Schiedsrichter kennengelernt und nach dem Spiel auch mal die Haare geschnitten hat.
„Mein längster und ältester Kunde kam bis zu seinem Tod im Alter von 102 Jahren zu mir. Was meine Kunden besonders an mir schätzen, ist mein besonderer Fahrservice. Ich hole meine Kunden, die nicht mehr mobil sind, zu Hause ab und schneide ihnen in meinem Friseurgeschäft in Homburg-Jägersburg die Haare. Meine Kundschaft kommt damit aus’em Haus und kann sich in gepflegter Umgebung verwöhnen lassen. Da fast alle meine Kunden mittlerweile seit vielen Jahren, manche seit Jahrzehnten, zu mir kommen, ergibt sich beim Haareschneiden eigentlich immer ein persönliches ‚Schwätzje‘. Als Friseur bin ich für viele zugleich auch Lebensberater und ‚Nachrichtensprecher‘. Sehr oft fällt bei diesen Unterhaltungen die Formulierung ‚Haschde schunn geheert ...‘.“
Wenn Norbert Schmitt ins Erzählen kommt, wird einem schwindelig, was er alles in seinem Leben gemacht hat. Neben dem Friseurhandwerk hat er eine eigene Haarkosmetik entworfen, die er in seinen Salons verkauft, war bei der Bundesbahn als ICE-Chef tätig und hat die Fußballfrauen von Jägersburg gemanagt und dort die Finanzen betreut.
Als vor rund 20 Jahren diese Damenmannschaft zu einem Auswärtsspiel nach Jena fahren sollte und der Busfahrer nicht kam, stellte Norbert Schmitt ein weiteres Talent unter Beweis.
„Wir haben gewartet und gewartet, aber der Busfahrer ließ sich nicht blicken, die Zeit drohte uns wegzurennen, bis wir pünktlich hätten ankommen können. Da bin ich kurzerhand auf den Fahrersessel gestiegen, habe gesagt: ‚Ladies, jetzt geht’s los, bitte anschnallen, ich fahre euch zum Spiel‘ und habe den Motor gestartet. Ab sofort war es mucksmäuschenstill im Bus. Man hätte eine Stecknadel fallen hören können. Alle haben sich gefragt, ob das gut geht. Erst nach dem Ortsausgang habe ich das Geheimnis gelüftet, dass ich mittlerweile den Busführerschein gemacht habe und die Damen somit sicher nach Jena fahren können. Da fiel allen ein Stein vom Herzen.“
Seine Leidenschaft fürs Busfahren hat der damals 60-Jährige bis heute nicht verloren. Als Friseur kannte er die Nöte vieler älterer Menschen, die gerne mal raus aus ihrer Umgebung wollen, aber keine großen Sprünge machen können. Da kam ihm die Idee, eine Reisevermittlung für ältere Semester auf die Beine zu stellen.
Kaffeenachmittage alle sechs Wochen
Mit „Nobbibus60+“ startet er – sozusagen kurz vor der Rente – seine nächste Karriere. Unter dem Motto „Gemeinsam statt einsam“ organisiert er Kurzreisen für Senioren, Vereine oder Gruppen, die den Service einer Rundum-Betreuung zu schätzen wissen.
„Vor jeder Fahrt schaue ich mir die Unterkünfte persönlich an, handle mit den Hotelbetreibern aus, dass sie zum Beispiel keinen Einzelzimmerzuschlag verlangen. Denn die meisten meiner Reiseteilnehmer sind alleinstehend.“ Zusammen mit seiner Frau ist er bei allen Reisen dabei und kümmert sich vor Ort um alles. Tochter Susanne steht im Notfall sogar als medizinische Betreuung zur Verfügung.
Mit witzigen Slogans wie „Reise vor dem Sterben, sonst reisen deine Erben“ oder „Willst du mal verreisen, ohne Ängste und Verdruss, dann fahr mit Nobbi, fahr mit Bus“ wirbt er für seine „entspannenden Tagesausflüge in malerische Regionen, für Wohlfühl-Mehrtagesreisen mit ausgesuchten Hotels, für Städtereisen mit kulturellen Schätzen und Highlights, für Reisen in wunderschöne Regionen und für erholsame Wellnessreisen für Ihre Gesundheit“. So steht es in seinen Werbeflyern, die er professionell gestalten lässt von seiner Mitarbeiterin Jessica Hartz. Auch ein Markenzeichen von ihm, der nichts „zusammenknaubt“, sondern alles gerne fachmännisch organisiert.
Damit seine Reisekunden sich genaue Vorstellungen machen können, worauf sie sich bei den Ausflügen freuen dürfen, lädt Norbert Schmitt alle sechs Wochen zu Kaffeenachmittagen ein, an denen er seine Reisen vorstellt. „Da kommen schon mal bis zu 130 Interessierte zu Kaffee und Kuchen dazu, lernen sich schon im Vorfeld kennen und die Fahrten sind dann immer schnell ausgebucht.“
Dass er mit über 80 Jahren noch geistig und körperlich so fit ist und im Arbeitsleben steht, ist für Nobbi Schmitt übrigens nicht ungewöhnlich. „Ich würde mich zu Tode langweilen, wenn ich nur noch auf dem Sofa sitzen und Fernsehen gucken müsste. Ich will mein Leben aktiv gestalten. Und ich freue mich, wenn ich Menschen mit meinen Ideen und Aktivitäten eine Freude machen kann. Das hält auch mich fit.“