Berühmt wurde Lisa Kudrow vor 30 Jahren durch die Sitcom „Friends“, wo sie als Phoebe für skurrile Momente sorgte. Aktuell spielt sie in der Serie „The Comeback“, einer beißenden Satire auf die Medienwelt, eine abgehalfterte TV-Darstellerin, die sich am laufenden Band bis auf die Knochen blamiert.
Nach dem Ende der Kultserie „Friends“ (1994 bis 2004) traf sich Lisa Kudrow mit Michael Patrick King, Autor und Regisseur der TV-Serie „Sex and the City“, in Los Angeles zum Lunch. Kudrow, die in allen 236 Folgen von „Friends“ als Phoebe Buffay zu sehen war, hatte eigentlich genug von den herkömmlichen TV-Serien. Stattdessen schlug sie King vor, doch eine Mockumentary über eine TV-Schauspielerin zu produzieren, die ihre beste Zeit längst hinter sich hat. Die sich aber nichts sehnlicher wünscht, als wieder im Spotlight zu stehen. Und alles – also wirklich alles – daransetzen würde, wieder ein bisschen Ruhm abzubekommen. Ihr Name wäre Valerie Cherish und sie – Lisa Kudrow – würde sie spielen. King war von der Idee hellauf begeistert. „Valerie ist eine Figur, die überhaupt kein Gespür dafür hat, wie verstörend sie durch ihr extrem seltsames Verhalten auf andere Menschen wirkt. Als Lisa sie mir aus dem Stegreif vorspielte, wusste ich, wir hatten eine Show.“
Skurrile Rolle wurde Kult
Die erste Staffel von „The Comeback“ wurde 2005 ausgestrahlt. 2014 folgte die zweite, und nun kann man sich die acht neuen Episoden der dritten Staffel auf Prime Video ansehen. Es ist die derzeit beste TV-Show, in der die perfiden Mechanismen des Showbiz gnadenlos und wunderbar selbstironisch entlarvt werden. Lisa Kudrow als Valerie Cherish hat etwas von einem Freak-Unfall – man kann es nicht glauben, man kann aber auch nicht wegsehen. Der Clou der neuen Staffel: Valerie bekommt tatsächlich die Hauptrolle in einer Reality-Show. Doch die hat einen kleinen Schönheitsfehler: Sie wird von der Künstlichen Intelligenz geschrieben. Kudrow über ihre beiden Lieblingsrollen: „Valerie und Phoebe sind sich auf gewisse Weise sehr ähnlich. Sie sehen die Welt meist aus einem völlig verdrehten Blickwinkel. Aber sie haben beide viel mehr zu bieten, als man auf den ersten Blick sieht.“
Neben Jennifer Aniston und Courteney Cox war Lisa Kudrow die dritte Frau in der Hit-Serie „Friends“, die sich wechselweise mit den drei männlichen Darstellern – Matthew Perry, David Schwimmer und Matt LeBlanc – herumschlagen musste. Die Rolle der Phoebe war ziemlich wunderlich und irgendwie bizarr. Unvergessen Phoebes Song „Smelly Cat“, den sie mit schräger Gitarrenbegleitung gerne auch ungefragt zum Besten gab. Der Song erlangte bald Kult-Status. Bei der „Friends-Reunion-Show“ 2021 saßen Lisa Kudrow und Lady Gaga auf dem Sofa und sangen den Song gemeinsam.
Lisa Kudrow schaut heute mit gemischten Gefühlen auf ihre „Friends“-Zeit zurück. Mit ihren Co-Stars verstand sie sich all die Jahre ausgesprochen gut. Mit Jennifer Aniston und Courteney Cox ist sie noch heute befreundet. Von den Männern scheint sie besonders Matthew Perry ins Herz geschlossen zu haben. Sein viel zu früher Tod vor drei Jahren hat sie tief erschüttert. Erst kürzlich bekannte sie in einem Interview, dass sie sich die Wiederholungen von „Friends“ im Fernsehen auch deshalb anschaut, um Matthew Perrys Andenken zu ehren. Apropos Wiederholungen: Wie Kudrow in einem Interview mit der Londoner Tageszeitung „The Times“ sagte, bekommen sie und ihre Serienkollegen immer noch jedes Jahr je 20 Millionen Dollar Tantiemen. Derselben Zeitung verriet sie auch, dass es hinter den Kulissen von „Friends“ nicht so harmonisch zuging. Vor allem im Writers’ Room, wo die Drehbuchautoren, vor allem Männer, zusammensaßen, passierte „viel gemeines Zeug“. Wenn die Stars im Studio, wo „Friends“ live vor Publikum aufgezeichnet wurde, Textzeilen vergessen oder verpatzt hatten, seien Sprüche gekommen wie: „Kann die blöde Kuh nicht lesen?“ Oder: „Sie hat meinen Gag total versaut!“ Zudem habe man gewusst, dass die Typen, wenn sie zusammensaßen, regelmäßig ihre schmutzigen Sex-Fantasien über Jennifer und Courteney austauschten. Wohl auch deshalb gibt es in „The Comeback“ mehrfach Situationen, in denen Autoren sich für Kudrows Figur Valerie erniedrigende Sexszenen ausdenken.
Im Gegensatz zu ihren TV-Kunstfiguren ist Lisa Kudrow alles andere als weltfremd: „Zum Glück habe ich nie gedacht, dass, wenn die Leute deine Performance lieben, sie dich auch als echte Person lieben. So eine Verwechslung, die in der Showbiz-Branche oft vorkommt, wäre nämlich fatal.“ Und sie fährt fort: „Warte um Himmels willen nicht darauf, dass du irgendwann einmal die Erlaubnis bekommst, dich selbst zu lieben. Es war schon ganz in Ordnung, dass ich erst mit 30, 31 Jahren berühmt wurde. Da war meine Persönlichkeit schon etwas gefestigt. Ich mache ja auch keinen Hehl daraus, dass ich vorher viele Jahre in einer Therapie war.“
Beinahe Karriere als Ärztin gemacht
Lisa Valerie Kudrow wurde 1963 in Los Angeles geboren. Nach der High School ging sie auf das renommierte Vassar College in Poughkeepsie, New York, schloss mit einem Bachelor in Biologie und Neurowissenschaften ab und trat, zumindest für eine kurze Zeit, sogar in die Fußstapfen ihres Vaters, der selbst als Nervenarzt tätig gewesen ist. Doch als sie 1989 nach Kalifornien zurückkehrte, flammte ihre alte Leidenschaft für die Schauspielerei wieder auf. Sie nahm Schauspielunterricht und schloss sich in Los Angeles der berühmten Comedy-Truppe The Groundlings an. Dort wurde vor allem viel Wert auf Improvisation gelegt, und so kreierte Lisa Kudrow schon damals eine Kunstfigur namens Ursula Buffay. 1992 verhalf ihr diese Rolle zum Einstieg in die TV-Serie „Verrückt nach dir“. Wenig später wurden auch die Macher von „Friends“ auf Lisa Kudrow alias Ursula Buffay aufmerksam und besetzten sie kurzerhand als Phoebe Buffay in ihrer Sitcom. (Später hatte Lisa Kudrow auch als Phoebes Zwillingsschwester Ursula einige Auftritte in „Friends“). Für ihre Rolle als Phoebe Buffay gewann Kudrow 1998 einen Emmy für ihre herausragende schauspielerische Leistung in einer Nebenrolle einer Comedy-Serie. Und das Branchenblatt „Entertainment Weekly“ befand damals, Lisa Kudrows Darstellung als Phoebe sei die beste Performance der Serie.
Schon während ihrer „Friends“-Zeit war sie klug genug, sich bereits nach anderen Rollen umzusehen. Und zwar mit Erfolg. Schon bald war sie auch in Kinofilmen wie „Zwei Satansbraten außer Rand und Band“ (1995) und „The Opposite of Sex – Das Gegenteil von Sex“ (1998) zu sehen. Man schätzte ihr komödiantisches Talent, ihren Sinn fürs Timing und wie sie die Leinwand zum Strahlen brachte. Zu den Höhepunkten aus dieser Zeit gehören die beiden Gangster-Komödien „Reine Nervensache“ (1999) und „Reine Nervensache 2“ (2002). Da steht sie als Laura unerschütterlich an der Seite von Ben (Billy Crystal), der als Psychiater – gegen seinen ausdrücklichen Willen – den Mafia-Boss Paul Vitti (Robert De Niro) von seinen Angstneurosen und Erektionsproblemen heilen soll. Selbst dann, als ihre Hochzeit mit Ben auf dramatische Weise platzt, weil Vitti während der Zeremonie einen Killer aus dem Hotelzimmer geworfen hat, lässt sich Laura nicht einschüchtern. Lisa Kudrow fügte sich in dieses hochkarätige Ensemble mühelos ein und setzte auch selbst noch ein paar Glanzlichter. Daneben arbeitete sie an der Tragikomödie „Aufgelegt“ (2000), bei der Diane Keaton Regie führte und zusammen mit Meg Ryan auch selbst mitwirkte. Ein Hollywoodstar-Frauen-Trio der Extraklasse.
Sorge über KI-Drehbücher
Lisa Kudrow gehört zu den wenigen Hollywoodstars, die ein skandalfreies Leben führen. Seit 1995 ist sie mit dem französischen Werbefachmann Michel Stern verheiratet. Zusammen mit ihm hat sie 1998 ihren Sohn Julian bekommen. Ihre Schwangerschaft wurde damals sogar in „Friends“ mit eingebaut. Als Phoebe trägt sie in der vierten und fünften Staffel die Drillinge ihres Halbbruders Frank Buffay Jr. (Giovanni Ribisi) aus. Bis heute ist Lisa Kudrow regelmäßig in Film- und Fernsehproduktionen zu sehen. Neben Gastauftritten in Kinofilmen wie „Bad Neighbors“ und „Bad Neighbors 2“ (2014, 2016) oder „Booksmart“ (2019) übernahm sie 2025 auch eine Rolle in der Horrorkomödie „The Parenting – Ein Wochenende zum Gruseln“. Darüber hinaus trat sie in zahlreichen TV-Serien auf, darunter „Cougar Town“ (2009), „Unbreakable Kimmy Schmidt“ (2016–2019), „Grace and Frankie“ (2018) und „Time Bandits“ (2024). Zu ihren neueren Serienprojekten zählt außerdem die Netflix-Produktion „No Good Deed“ (2024), in der sie an der Seite von Ray Romano eine der Hauptrollen spielt.
Bei einem Gespräch mit dem amerikanischen Magazin „Interview“ mit ihrer Kollegin Lily Tomlin, mit der sie in drei Episoden der TV-Serie „Grace und Frankie“ zu sehen war, zeigte sich Lisa Kudrow besorgt über die Zukunft des Kinos und äußerte sich auch skeptisch über die allgegenwärtige Sitcom-Schwemme. „Ich würde mir wünschen, dass es mehr Sitcoms gäbe mit der Qualität von ‚30 Rock‘, ‚Seinfeld‘ und auch ‚Friends‘. Denn die waren alle sehr gut geschrieben und wirklich witzig. Der Himmel beschütze uns davor, dass in Hollywood die KI das Ruder übernimmt.“ Wie das aussehen könnte, zeigt nicht zuletzt „The Comeback“ auf verhängnisvolle Weise. Denn da sind die KI-Drehbücher natürlich Fake. Die Texte zu der Show wurden nicht von der KI geschrieben, sondern (noch) von echten Menschen. Es wäre zu wünschen, dass wir auf eine weitere Staffel von „The Comeback“ nicht wieder jahrelang warten müssen.