Der Name Serena Williams ist einer der größten im Welt-Tennis – und er taucht in den Starterlisten des Rasenturniers in Berlin auf. Das Comeback der US-Amerikanerin ist ein Geschenk für die Veranstalter.
Bei ihrem bislang letzten Auftritt in der deutschen Hauptstadt hatte sich Serena Williams bei den Menschen auf Anhieb beliebt gemacht. „Ich liebe Berlin. Es ist die schönste Stadt in Deutschland“, sagte der US-Tennisstar kurz nach der Anreise. 2008 war das, und seitdem hat sich vieles verändert. In Berlin, beim Tennisturnier auf der Anlage des LTTC Rot-Weiß und natürlich auch im Leben von Serena Williams. Dass alle noch mal zueinanderkommen würden, war in den vergangenen Jahren nicht absehbar. Doch ein Sensations-Comeback des schillernden Stars macht es jetzt möglich. Die 23-malige Grand-Slam-Turniergewinnerin kehrt in den Leistungssport zurück – mit 44 Jahren und als zweifache Mutter. Und ihr Auftritt in Berlin ist enorm wichtig für sie. „Jedes Turnier, das ich derzeit in meinen Kalender aufnehme, ist etwas Besonderes, und Berlin bildet da keine Ausnahme“, sagte Williams. „Ich freue mich darauf, vor den deutschen Fans anzutreten und meinen Schwung während der Rasensaison weiter auszubauen“, sagte die Sportlerin. Nachdem Williams schon beim WTA-Turnier in London dank einer Wildcard im Doppel mit der nicht mal halb so alten Kanadierin Victoria Mboko (19) spielte, tritt sie nun auch beim Rasen-Turnier in Berlin vom 13. bis 21. Juni an – ebenfalls mit einer Wildcard. Mit welcher Partnerin, das stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest. Doch wirklich wichtig ist das nicht, das Scheinwerferlicht wird ohnehin nur auf Williams gerichtet sein. Und davon wird auch das Turnier massiv profitieren. „Wir freuen uns riesig auf sie und ihre Spiele“, sagte Turnierdirektor Markus Zoecke, der aber auch an die Tennisfans dachte: „Es ist die vielleicht einmalige Chance, Serena Williams noch einmal in Berlin auf dem Platz zu sehen.“
„Wir freuen uns riesig auf sie“
Darauf freut sich auch Andrea Petkovic, die auch diesmal als „Director of Excitement“ im Hintergrund mitarbeitet. „Die Nachricht, dass Serena in ihrem Comeback Berlin als Station gewählt hat, macht mich extrem glücklich“, sagte die Ex-Spielerin: „Und ich kann es kaum erwarten, bis es endlich losgeht.“
Die ganze Tennis-Welt ist seit der Comeback-Ankündigung während der French Open aus dem Häuschen. Williams hatte zwar immer mal wieder mit einer Rückkehr kokettiert und auch explizit nie das Wort „Rücktritt“ in den Mund genommen. Doch erst, als sie sich vor einigen Monaten auch im Doping-Testpool angemeldet hatte, war der Schritt absehbar. „Die Königin kehrt zurück“, schrieben die Veranstalter der HSBC Championships im Londoner Queen’s Club in ihrer Pressemitteilung. Und genauso fühlt es sich an. Auch beim Grand-Slam-Turnier auf Sand in Paris sprachen alle über Williams, die nicht mal dabei war. Und alle freuten sich schon auf Wimbledon.
Die Events in London und Berlin sind für Williams eine Vorbereitung auf den Rasen-Klassiker ab dem 29. Juni. Dort will die einstige Weltranglistenerste den Doppel-Wettbewerb nicht nur irgendwie bestreiten, sondern möglichst gewinnen. „Sie kommt zurück, um noch einmal einen Grand-Slam-Titel zu holen“, ist sich Tennis-Idol John McEnroe sicher. Er sei im ersten Moment zwar „leicht geschockt“ gewesen, als er von den Comeback-Plänen gehört hatte, verriet McEnroe: „Aber Serena ist Serena.“ Heißt: Er traut dem willensstarken Superstar alles zu. Genau wie Ex-Bundestrainerin Barbara Rittner, ihr erstes Urteil auf Basis von Williams’ Trainingsvideos lautete: „Sie sieht so fit aus, körperlich so gut wie nie vielleicht.“
Angelique Kerber ist genauso gespannt wie Millionen Tennisfans, was für die prominente Rückkehrerin möglich ist. „Also es ist schon Wahnsinn“, sagte die ehemalige Weltklasse-Spielerin, „aber wenn sie was macht, dann macht sie das mit Überzeugung.“ Kerber hat Comeback-Erfahrungen. Nach der Geburt ihres ersten Kindes war sie kurzzeitig auf die Tour zurückgekehrt. Sie kann deswegen Williams’ Beweggründe gut nachvollziehen. „Als Sportler weiß man, was einem im normalen Leben fehlt“, sagte Kerber: „Es ist das Adrenalin, es ist dieses Wettbewerbsgefühl.“ Und das sei auch etwas, „was einen Champion ausmacht“. Und ein Champion ist Williams allemal. 319 Wochen stand sie insgesamt an der Spitze der Weltrangliste. Vier olympische Goldmedaillen hat sie für sich und ihr Land geholt. 23 Einzeltitel alleine auf der Grand-Slam-Bühne hat sie gewonnen, dazu 14 im Doppel – alle mit ihrer Schwester Venus, die sporadisch auf der Tour sogar noch im Einzel antritt. Das tat Serena nicht mehr, nachdem sie bei den US Open 2022 mit einem großen Auftritt die Tennis-Bühne verlassen hatte. Doch es gibt Spekulationen, dass Williams womöglich auch noch mal im Einzel angreift, wenn die ersten Matches gut laufen.
Starkes Starterfeld
Aber nicht nur Williams bringt Starappeal mit in die Hauptstadt. Für die Berlin Open hatten neun von zehn Top-Ten-Spielerinnen gemeldet. Das Weltklassefeld führten die Weltranglistenerste Aryna Sabalenka aus Belarus, US-Star Coco Gauff und die Kasachin Elena Rybakina an. Das Turnier übe „eine enorme Anziehungskraft auf die Spielerinnen aus. Sie wollen alle bei uns an der Hundekehle aufschlagen“, sagte Turnierdirektor Zoecke: „Mehr geht nicht.“ Petkovic rührte in ihrer Rolle im Vorfeld reichlich die Werbetrommel und sorgte mit ihrer lockeren Art bei Fans und Sponsoren für Vorfreude auf das Event. „Spitzentennis in Berlin ist garantiert“, sagte Petkovic: „Vielleicht sogar mit einem ultimativen Showdown zwischen Sabalenka und Rybakina um die Nummer eins der Welt.“
Diese hohe Dichte an Topstars hat einen Grund: Unmittelbar im Anschluss an das Event an der Hundekehle findet Wimbledon statt, und für das dritte Grand-Slam-Turnier des Jahres wollen sich die Athletinnen nach der langen Sandplatzsaison auf Rasen einspielen. So viele Möglichkeiten gibt es dafür nicht, nur wenige Topturniere finden auf dem grünen und pflegeintensiven Untergrund statt. Entsprechend begehrt waren die 28 Einzel-Startplätze im Hauptfeld, hinzu kommen 16 Doppel-Paare. Dank einer Wildcard darf die Hamburgerin Eva Lys starten. Die 24-Jährige war bei den French Open auch bedingt durch Rückenprobleme infolge ihrer rheumatischen Autoimmunerkrankung in der zweiten Runde ausgeschieden.
Das Preisgeld stieg auf 1,2 Millionen US-Dollar – so viel gab es noch nie bei den Berlin Open zu gewinnen. Für die Fans wurden auch in diesem Jahr ein paar bauliche Veränderungen vorgenommen, die dem gesteigerten Interesse an dem Event Rechnung tragen sollen. So erhält das Steffi-Graf-Stadion eine Zusatztribüne für weitere 424 Tennisfans pro Tag, außerdem kann das Clubgelände erstmals vollflächig für das Turnier genutzt werden.
All das wird Serena Williams vermutlich nicht auffallen. Bei ihrem bislang letzten Auftritt in Berlin verabschiedete sie sich bei einer Pressekonferenz, zu der sie in weißer Trainingshose, weißem T-Shirt, mit weißer Baseballmütze und schwarzer Lackhandtasche erschien. Und mit guter Laune trotz der Niederlage. „Das war heute nicht mein Tag. Ich könnte so viele Dinge aufzählen, die ich falsch gemacht habe“, sagte sie. Frust schob Williams damals aber nicht, denn sie wusste: Sie wird noch viele Matches spielen. Das ist bei ihrer Rückkehr komplett anders.