Oscarpreisträgerin Anne Hathaway ist eine der charismatischsten Schauspielerinnen ihrer Generation. Gerade ist sie mit zwei Filmen im Kino, die verschiedener nicht sein könnten: Mit der Fortsetzung des Fashionista-Kultfilms „Der Teufel trägt Prada 2“ und als Popstar à la Lady Gaga in „Mother Mary“.
Sie ist smart, bildschön, hochtalentiert und hat ein Lächeln, auf das selbst Julia Roberts neidisch werden könnte. Seit ihrem Filmdebüt vor 25 Jahren mit „Plötzlich Prinzessin“ hat sie ihre Bandbreite als Schauspielerin in vielen unterschiedlichen Rollen bewiesen. Sie spielte in Dramen wie „Brokeback Mountain“ und „Rachels Hochzeit“ mit, in Komödien wie „Get Smart“ und „Bride Wars – Beste Feindinnen“. Sie war Jane Austen in „Geliebte Jane“ und die Weiße Königin in Tim Burtons Fantasy-Filmen „Alice im Wunderland“ und „Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln“. In „The Dark Knight Rises“ (2012) bezirzte sie als laszive Catwoman den Batman Christian Bale. Im selben Jahr spielte sie in der Verfilmung des Musicals „Les Misérables“ die Prostituierte Fantine und wurde für diese Rolle mit dem Oscar und dem Golden Globe als Beste Nebendarstellerin belohnt. Und sie glänzte natürlich, neben Meryl Streep, in „Der Teufel trägt Prada“.
Nach 20 Jahren kehrt sie nun wieder als Andrea „Andy“ Sachs zurück. Im ersten Film wurde sie auf ziemlich spektakuläre Weise vom Mode-Mauerblümchen zur sexy Fashion-Expertin. Sehr zur Verwunderung von Miranda Priestly (Meryl Streep), der narzisstischen Herausgeberin von „Runway“ (aka „Vogue“). In „Der Teufel trägt Prada 2“ ist sie zur Feature-Redakteurin von „Runway“ aufgestiegen. „Ich hätte mir nie träumen lassen, dass es tatsächlich noch ein Sequel zu diesem großartigen Film gibt. Besonders hat mich gefreut, dass auch Meryl Streep, Emily Blunt und Stanley Tucci wieder mit von der Partie sind. So ein Wiedersehen habe ich in meiner ganzen Karriere noch nicht erlebt. Wir haben sehr schnell zusammengefunden und waren ein eingeschworenes Team. Es war eine wunderschöne und ganz besondere Erfahrung, diesen Film machen zu dürfen“, schwärmte Anne Hathaway in einem TV-Interview.
„So ein Wiedersehen noch nie erlebt“
Bei den Dreharbeiten zum ersten Film hat Anne Hathaway, wie sie damals erzählte, noch Blut und Wasser geschwitzt: „Ich weiß noch, wie ich dachte: Annie, jetzt gilt’s! Jetzt musst du dir und allen anderen beweisen, dass du es als Schauspielerin tatsächlich drauf hast. Anfangs war ich auch sehr verunsichert, weil ich plötzlich mit der von mir über alle Maßen verehrten Meryl Streep vor der Kamera stand. Aber sie hat mir meine Ängste sehr schnell genommen. Sie ist eine sehr großzügige Kollegin. Ich habe viel von ihr gelernt und bin als Schauspielerin und auch als Mensch daran gewachsen.“
Anne Jaqueline Hathaway wurde 1982 in New York City geboren. Sie ist die Tochter einer Theaterschauspielerin und eines Richters. Hathaway besuchte das renommierte Vassar College und wechselte später zur Gallatin School of Individualized Study, einer Fakultät der New York University. Schon während dieser Zeit interessierte sie sich stark für die Schauspielerei und trat in Stücken wie „Jane Eyre“ und „Gigi“ auf. Außerdem sang sie Sopran in einem Chor, der sogar an einem Konzert in der Carnegie Hall teilnahm. Drei Tage nach diesem Auftritt wurde sie für die kurzlebige TV-Serie „Sechs unter einem Dach“ (1999) verpflichtet. Trotz des frühen Erfolges litt sie als Teenagerin unter Depressionen und Panikattacken, die sie zum Glück bald unter Kontrolle hatte. Mit 17 hatte sie dann als Amelia, neben Julie Christie, ihr Kinofilmdebüt in „Plötzlich Prinzessin“ (2001) und spielte diese Rolle drei Jahre später in „Plötzlich Prinzessin 2“ noch einmal. Beide Filme waren große Erfolge und Anne Hathaway bekam für ihre Performance viel Beifall. Die „New York Times“ sah in ihr „ein großes Talent“ und lobte ihr „nuancenreiches Spiel“. Das „People“-Magazin ernannte sie zu einem der Breakthrough-Stars des Jahres 2001.
Doch Hathaway wollte mehr als in Teenie-Rollen oder Rom-Coms verheizt werden. Mit der Zeit nahm sie deshalb immer reifere Rollen an, um sich weiterzuentwickeln. Daran hat sich bis heute nichts geändert. „Ich stehe total auf Rollen, vor denen ich regelrecht Angst habe. Nichts wäre für mich schlimmer, als wenn man mich in eine Schublade stecken würde. Das ist auch einer der Gründe, weshalb ich versuche, so viele unterschiedliche Filme wie möglich zu machen. Ich habe zwar vor jeder neuen Herausforderung ziemlich große Angst – aber das ist immer noch besser, als wenn man zu bequem wird und sich nur noch hinter dem versteckt, was man schon kann. Routine ist der Tod jeder künstlerischen Leistung.“ Und mit einem hellen Lachen fährt sie fort: „Den besten Rat im Leben haben mir übrigens meine Eltern gegeben. Sie haben mich schon von Kindesbeinen an dazu ermuntert, mich auszuprobieren, mich der Welt zu stellen. Sie sagten immer: ,Annie, du kannst alles sein, was du willst!‘“
Eindrucksvolle Musical-Einlage
Und sie wollte mehr als nur Filme machen. 2011 gab sie bei der Eröffnungszeremonie der 81. Oscar-Verleihung eine eindrucksvolle Musical-Einlage mit dem damaligen Moderator Hugh Jackman. Und moderierte die 83. Oscar-Verleihung dann gleich selbst. Ihren Schauspielerkollegen und Co-Moderator James Franco ließ sie dabei ziemlich alt aussehen. Im Jahr 2016 landete sie einen weiteren Coup: Sie nahm mit der legendären Barbra Streisand einige Songs auf, darunter „At the Ballet“ aus „A Chorus Line“. Natürlich drehte sie auch weiterhin Filme und stand unter anderem mit Robert De Niro, Cate Blanchett, Anthony Hopkins und Ben Affleck vor der Kamera. Doch sie war nicht nur in prestigeträchtigen Kinohits zu sehen, sondern auch immer wieder in kleineren Independent-Filmen, wie zum Beispiel in dem Thriller „Eileen“.
In Hollywood schätzt man schon lange ihr großes schauspielerisches Können und ihre unkomplizierte Art, mit Kollegen umzugehen. Mit einigen Hollywoodstars wie Emily Blunt, Jessica Chastain und Hugh Jackman ist sie sogar eng befreundet. Bradley Cooper ist ein regelrechter Fan von ihr: „Annie ist einer der feinfühligsten Menschen, die ich kenne. Und sie hat einen sehr trockenen Humor und ist gefährlich intelligent.“ Ihre Selbsteinschätzung ist da eher prosaisch: „Ach, wissen Sie, ich stehe mit beiden Beinen auf der Erde. Ich nehme das Leben als großes Geschenk. Und habe mir, Gott sei Dank, meine Neugier und Begeisterungsfähigkeit bis heute bewahrt.“
„In Krisen lernt man viel über sich selbst“
Nach einer schmerzhaften Trennung im Jahr 2008 von dem Geschäftsmann Raffaello Follieri, der wegen Steuerhinterziehung ins Gefängnis kam, lernte sie noch im selben Jahr den Schauspieler Adam Shulman kennen, mit dem sie seit 2012 verheiratet ist. Das Paar hat zwei Söhne: Jonathan, 9, und Jack, 5. Anne Hathaway rückblickend: „In Lebenskrisen lernt man vor allem sehr viel über sich selbst. Wenn man daraus die richtigen Schlüsse zieht, hat man sicher nicht nur an Lebenserfahrung gewonnen, sondern ist auch ein Stück reifer geworden. Mit Adam habe ich mein großes Glück gefunden. Das Wichtigste ist für mich, dass ich einem Menschen rückhaltlos vertrauen kann. Ich meine damit nicht nur, dass er mich nicht belügt, sondern auch, dass ich bei ihm so sein kann, wie ich bin.“ Und mit einem Augenzwinkern meint sie noch: „Da das Einzige, was ich in der Küche wirklich gut hinkriege, Popcorn ist, bin ich sehr froh, dass Adam sehr gut kochen kann. Und als Frühaufsteher bringt er mir sogar oft das Frühstück ans Bett.“
Anne Hathaway steht privat und beruflich längst auf der Sonnenseite des Lebens. Aber sie ist alles andere als eine Überfliegerin. Sie weiß, was es gekostet hat, sich diesen Erfolg im Filmbusiness zu erarbeiten. Auf die Frage, ob es Frauen schwerer haben, sich im Beruf durchzusetzen, als Männer, wird sie sehr nachdenklich und sagt: „Da hat sich in den letzten Jahren viel zu Gunsten der Frauen verbessert. Aber ich glaube schon, dass an Frauen – zumal wenn sie erfolgreich sind – immer noch viel höhere Ansprüche gestellt werden als an Männer. Man kann als Frau noch so hart arbeiten und jeden Job so gut wie ein Mann machen – trotzdem sollte man darauf vorbereitet sein, dass man weniger Geld dafür bekommt. Das ist noch schwer verbesserungswürdig. Aber das ist nicht nur in Hollywood der Fall, sondern in jedem Business überall auf der Welt. Bis zur Gleichberechtigung der Frau ist es noch ein weiter Weg.“
Für selbstverständlich hält sie es übrigens, dass man als Frau sehr wohl eine Familie haben und gleichzeitig seinen Beruf ambitioniert ausüben kann. „Ich halte die Frage, ob man Karriere und Kids überhaupt vereinbaren kann, für ziemlich dumm. Natürlich kann man das. Das machen viele Frauen tagtäglich überall auf der Welt.“
Neben „Der Teufel trägt Prada 2“ kommt Anne Hathaway auch noch mit dem Pop-Manifest „Mother Mary“ ins Kino. Darin spielt sie einen glamourösen Megastar à la Lady Gaga, der langsam in einen emotionalen Horrortrip abgleitet. Anne Hathaway singt und performt in diesem Film mit viel Leidenschaft und hat sich für die phänomenal choreografierten Tanz-Szenen einem zweijährigen harten Training unterzogen, wobei sie laut eigener Aussage weit über ihre Grenzen hinausging: „Da war ich wieder eine Anfängerin! Was für ein demütigendes, aber auch elektrisierendes Erlebnis!“ Im Sommer ist sie dann auch noch in Christopher Nolans Neuinterpretation von Homers „Odyssee“ als Penelope zu sehen.
Anne Hathaway legt allerdings viel Wert darauf, dass sie kein Workaholic ist. „Wenn ich nicht für Dreharbeiten unterwegs bin, verbringe ich sehr viel Zeit mit meinem Mann, meinen Kindern und meinen Freunden. Außerdem male ich seit einigen Jahren mit Acrylfarben, die ich wild auf der Leinwand verteile. Obwohl ich als Malerin null Talent habe. Aber es macht mir eben großen Spaß. Ich hänge sie aber nirgends auf, sondern staple sie in der Garage.“