Greenpeace konzentriert ihr Engagement aktuell ganz gezielt auf zwei große Projekte: den Kampf für ein Moratorium bezüglich des Tiefseebergbaus sowie den Einsatz zur Rettung des Amazonas-Regenwaldes.
Mit einer spektakulären Aktion, der Platzierung des „tiefsten Bannerprotests in der Geschichte der Menschheit“, so Greenpeace, hatte die Umweltorganisation bei ihrer „Deep Arctic Expedition“ Ende Mai ein neues symbolisches Highlight in ihrem Kampf zum Schutz der Tiefsee und zur Verhinderung des aus ökologischer Sicht mehr als bedenklichen Einstiegs in den Tiefseebergbau setzen können. Mithilfe eines ferngesteuerten Unterwasserfahrzeugs, dem Tauchroboter „Holly“, konnte im arktischen Mittelozeanrücken in 2.315 Metern Tiefe inmitten eines Feldes von fünf aktiven Tiefsee-Hydrothermalquellen namens „Loki’s Castle“ ein Banner mit der Aufschrift „Listen to the Science“ installiert werden. Bislang ist die Tiefsee, die mit einer Fläche von mehr als 300 Millionen Quadratkilometern größer als alle Kontinente zusammen ist und mehr als 80 Prozent des gesamten Meeresraumes ausmacht, noch weitestgehend unberührt und der am wenigsten erforschte Lebensraum unseres Globus. „Wir wissen sogar mehr über den Mond als über unsere Tiefsee“, so Greenpeace.
Wobei sich schon die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass sich in den dunklen, unwirtlichen Gefilden eine verblüffende Artenvielfalt entwickeln konnte – die durch den Start des Tiefseebergbaus unwiderruflich zerstört werden könnte. Auch ihre Rolle als wichtige Kohlenstoffsenke könnte die Tiefsee durch gravierende menschliche Eingriffe zur Gewinnung hier in reichlichen Mengen lagernder metallischer Rohstoffe oder massiv in vulkanischen Thermalquellen aufsteigender Sulfid-Vorkommen einbüßen. Dennoch gibt es weltweit mächtige wirtschaftliche Interessenverbände, die die von einem Großteil der Forschung erhobenen Bedenken gegen den marinen Bergbau mit Blick auf vermeintlich riesige ökonomische Gewinne aus der Förderung von begehrten Materialien wie Mangan, Nickel, Kupfer, Molybdän, Kobalt, Tellur oder Thallium aus Manganknollen oder Mangankrusten über den Haufen werfen.
Die Wirtschaft ist mächtig
Bislang hat die in Kingston auf Jamaika ansässige, 1994 für die Regulierung des Tiefseebergbaus in internationalen Gewässern gegründete International Seabed Authority (ISA, deutsch: Internationale Meeresbodenbehörde) dem Druck der Industrie standgehalten und noch kein für den Start des Tiefseebergbaus benötigtes Regelwerk verabschiedet. Allerdings hat sie bisher auch noch keine Grundsatzentscheidung in dem Sinne getroffen, dass die Tiefsee als gemeinsames schützenswertes Erbe der Menschheit anzusehen sei und daher der marine Bergbau verboten bleiben soll. Greenpeace tritt seit einigen Jahren vehement für ein Moratorium bezüglich des Tiefseebergbaus ein. 40 Staaten haben sich dem inzwischen angeschlossen. Greenpeace fordert die internationale Staatengemeinschaft auf, das im Januar 2026 in Kraft getretene UN-Hochseeschutzabkommen mit einer Unterschutzstellung von 30 Prozent der Weltmeere bis zum Jahr 2030 für ein sofortiges weltweites Moratorium des Tiefseebergbaus zu nutzen.
Im Sommer 2024 waren Mitglieder von Greenpeace Deutschland und Greenpeace Nordic/Norwegen mit den Schiffen „Witness“ und „Arctic Sunrise“ zu einer Expedition Richtung norwegisches Hoheitsgebiet in der Arktis gestartet. Hintergrund war der Beschluss der norwegischen Regierung vom Januar 2024, auf einem rund 280.000 Quadratmeter großen Territorium (etwa der Fläche Großbritanniens oder Italiens entsprechend) nordöstlich des Landes, hauptsächlich auf dem arktischen Mittelozeanrücken zwischen der unbewohnten Insel Jan Mayen im Süden und der Spitzbergen-Halbinsel im Norden, im Alleingang als erster Staat der Welt in den kommerziellen Tiefseebergbau einzusteigen, noch dazu in arktischen Gewässern. Greenpeace sammelte Daten, um auf die Gefährdung vieler dort lebender Walarten hinzuweisen, und legte in einer Studie auch Erkenntnisse über den dort wahrscheinlich von den Manganknollen produzierten „Dark Oxygen“ oder „dunklen Sauerstoff“ vor. Im Dezember 2025 wurde das norwegische Tiefseebergbau-Projekt dann dank dreier linksgrüner Parteien in der neuen Regierung bis mindestens 2029 auf Eis gelegt. Bis dahin sollen weder finanzielle Mittel noch Explorations- oder Abbaulizenzen für das Areal in der Arktis vergeben werden.
Ein anderes wichtiges Thema ist der Regenwald. Laut Greenpeace wurden bis heute schon rund 17 Prozent des Amazonas-Regenwaldes zerstört. Er ist der größte Regenwald der Erde, der sich über neun südamerikanische Staaten erstreckt und an dem Brasilien mit rund 60 Prozent den größten Anteil hat. Der WWF geht sogar von einem Zerstörungsgrad von 20 Prozent aus. Die verbleibende Schwelle bis zu 25 Prozent wird in der internationalen Klimaforschung als kritischer Kipppunkt angesehen. Wird dieser erreicht, gibt es nicht mehr genügend Baumfläche, um den besonderen Wasserkreislauf des Waldes aufrechtzuerhalten. Er kann einen Großteil seines Regens und der tiefhängenden Wolken durch eigene Verdunstung erzeugen. Täglich gelangen dabei bis zu 20 Milliarden Tonnen Wasser in die Luft, und mit diesen sogenannten fliegenden Flüssen ermöglicht er durch stetige Verwehungen auch die Landwirtschaft der Anrainer-Staaten.
Quecksilber vergiftet die Flüsse
Der Grund für den Verlust der jahrtausendealten Ur- oder Primärwälder sind Brandrodungen oder Abholzungen, die in erster Linie zur Schaffung von flächenmäßig immer größeren Agrarflächen unternommen werden – vor allem für die Rinderzucht oder für den Anbau von Futtersoja oder Palmöl, neuerdings auch für das Anlegen von Goldminen. Der Erhalt des Regenwaldes ist allein schon für das Weltklima eminent wichtig, da er jährlich bis zu 380 Millionen Tonnen Kohlenstoff binden kann. Aber auch für die Einheimischen Amazoniens mit rund 34 Millionen Menschen samt rund 320 verschiedenen indigenen Bevölkerungsgruppen sowie für die einzigartige Tier- und Pflanzenwelt, die trotz einer extrem dünnen Humusschicht als globaler Hotspot der Artenvielfalt gilt, wäre sein Verschwinden und die damit verbundene Ausbreitung von Dürren eine gewaltige Katastrophe. Gemeinsam mit den brasilianischen Kollegen konnte Greenpeace Deutschland in der Vergangenheit schon einige bemerkenswerte Erfolge beim Amazonas-Schutz erringen. So konnte 2016 der Bau eines Mega-Staudamms verhindert werden, der einen Großteil der Heimat des indigenen Volkes der Munduruku und die Artenvielfalt des Tapajós-Flusses dauerhaft ausgelöscht hätte. Greenpeace konnte dafür über eine Million Protestler zur Unterstützung einer Online-Petition animieren. 2023 konnte eine Greenpeace-Kampagne die Lieferung von Baggern für die Goldminen stoppen, die durch eingesetztes Quecksilber Flüsse vergiften. 2024 erkannte die brasilianische Regierung das Sawré-Muybu-Land, rund 178.000 Hektar groß, als indigenes Territorium der Munduruku im Amazonas-Regenwald offiziell an, wofür Greenpeace 15 Jahre lang an der Seite der Ureinwohner gekämpft hatte. Laut Greenpeace warten derzeit 65 weitere Indigenengebiete auf ihre offizielle Anerkennung durch die brasilianische Regierung, obwohl indigenen Gemeinschaften durch die brasilianische Verfassung aus dem Jahr 1988 eigentlich ihr ursprüngliches Recht auf das ihnen angestammte Land zugesprochen worden war. „Die Realität sieht bis heute jedoch anders aus. Von den mehr als 850 indigenen Gebieten in Brasilien sind bislang weniger als die Hälfte offiziell registriert und anerkannt“, schreibt Greenpeace.