Die HG Saarlouis beendet eine starke Saison als Zweiter der Aufstiegsrunde. Der Sprung in die 2. Handball-Bundesliga bleibt das erklärte Ziel – und die Weichen dafür sind längst gestellt.
Es war ein Mittwochabend, als die Nachricht aus Braunschweig eintraf und die letzte verbliebene Hoffnung begrub: Der ASV Hamm-Westfalen hatte seine Hausaufgaben erledigt, auswärts gewonnen und damit seinen Wiederaufstieg in die 2. Handball-Bundesliga perfekt gemacht. Für die HG Saarlouis war damit schon vor dem letzten Spieltag klar: Die Aufstiegsrunde beendet sie als Zweiter – mit Silber statt Gold. Den Abschluss bildete ein souveräner 37:32-Heimsieg gegen den MTV Braunschweig, bei dem 1.451 Zuschauer in der Saarlouiser Halle noch einmal ordentlich Stimmung machten. Statistisch gesehen war die HGS-Offensive sogar die treffsicherste aller Teams in beiden Aufstiegsgruppen – 136 erzielte Tore sprechen für sich. Cheftrainer Jörg Lützelberger übermittelte noch am Mittwochabend Glückwünsche an seinen Kollegen in Hamm, Jamal Naji. Und dann schaute er nach vorn.
Die Entwicklung geht nach oben
Dabei lohnt auch ein Blick zurück. Die Saison 2025/26 war für die HG Saarlouis eine besondere: Erstmals überhaupt seit dem Abstieg aus der 2. Bundesliga im Jahr 2018 hatte man sich für die Aufstiegsrunde qualifiziert, war Teil der sechs besten Drittligisten Deutschlands. Und auch neben dem Spielfeld war alles angerichtet: Die Handball-Bundesliga erteilte der HGS die Lizenz für die 2. Bundesliga – ohne Auflagen. Gegen Braunschweig, das über weite Strecken mit dem siebten Feldspieler agierte, zeigte die Mannschaft noch einmal ihre Klasse. Nach einer ausgeglichenen Anfangsphase übernahm die HG die Kontrolle und stellte nach dem Seitenwechsel mit einem Zwischenspurt auf 27:22 früh die Weichen auf Sieg. Das 32:24 durch den scheidenden Meti Durmishi rund eine Viertelstunde vor dem Ende besiegelte die Angelegenheit. Wladi Kurotschkin setzte mit einem verwandelten Siebenmeter den Schlusspunkt zum 37:32-Endstand.
Für zwei der Torschützen war es zugleich ihr letzter Auftritt im HGS-Dress – der Abend hatte also auch eine hochemotionale Note: Daniel Schlingmann und Gil Kunkel wechseln zum TV Homburg, Philipp Kockler kehrt zu den Handballfreunden Illtal zurück, Meti Durmishi möchte sich künftig schwerpunktmäßig seiner beruflichen Ausbildung widmen und auch Wladi Kurotschkin verabschiedet sich vom Leistungssport, bleibt dem Verein aber in anderer Funktion erhalten. Die Stimmung in der Halle war, wie Lützelberger es beschrieb, eine Art Volksfest. Am Sonntag folgte noch ein gemeinsames Grillen mit der Mannschaft, bevor die Spieler in den verdienten Urlaub entlassen wurden.
„Wir sind natürlich enttäuscht, dass es für das ganz große Ziel noch nicht gereicht hat. Trotzdem sind wir stolz auf viele Entwicklungsschritte, die wir in den vergangenen elf Monaten geschafft haben“, resümiert Lützelberger und merkt an: „Die Handball-Begeisterung, die wir in Saarlouis entfacht haben, macht große Lust auf die Zukunft. Und wir reden darüber, dass wir uns mit den sechs Besten der 3. Liga gemessen haben – und als Zweiter vier Punkte geholt haben. Das muss man auch mal so sehen.“ Zudem verweist er auf den breiteren Kontext: Mannschaften wie Rostock, Hildesheim, Konstanz oder Würzburg, die ebenfalls viel investiert hatten, scheiterten an der Qualifikation für die Aufstiegsrunde oder verzichteten auf die Teilnahme.
Der Vergleich mit den Vorjahresplanungen unterstreicht, wie weit der Verein tatsächlich gekommen ist. In sieben Testspielen des vergangenen Sommers hatte Saarlouis nur einmal verloren – gegen die HSG Konstanz, die man damals für außerordentlich stark hielt. Am Saisonende hatte man sie längst hinter sich gelassen. „Wir haben in den vergangenen elf Monaten viele Grundlagen in unserer Kultur, im Anspruchsdenken, in der Trainingsintensität gelegt“, sagt Lützelberger. „Das sind leistungssportliche Grundlagen, die letzten Sommer für viele Spieler neu waren und inzwischen in Fleisch und Blut übergegangen sind.“ Jeder Einzelne im Team starte in der Vorbereitung auf die kommende Saison „von einem anderen Punkt als noch im Juli 2025“. Wohin die Reise gehen soll, ist dabei kein Geheimnis: zurück in die Aufstiegsrunde – und dort an den Platz an der Sonne.
Dass die neue Saison nicht einfacher wird, ist Trainer Lützelberger bewusst. Zum TV Gelnhausen, der HSG Hanau und dem Longericher SC gesellt sich die HSG Krefeld, die „trotz eines guten Jahres in der 2. Liga den Abstieg nicht vermeiden konnte. Ich glaube, dass die Qualifikation für die Play-offs schwerer wird als in der abgelaufenen Saison“, sagt Lützelberger und ergänzt zuversichtlich: „Es ist alles angerichtet, dass es wieder sehr, sehr spannend wird – und dass es wieder sehr guten Handball in Saarlouis geben wird.“
Karrenbauer kehrt zur HGS zurück
Mit dazu beitragen soll ein alter – oder besser „junger“ – Bekannter: Mit Laurin Karrenbauer kehrt ein 19-jähriges Talent zu seinem Heimatverein zurück, den er vor fünf Jahren gemeinsam mit seinem Bruder Lennart in Richtung des Handball-Internats der Rhein-Neckar Löwen verlassen hatte. In der Bundesliga-Reserve der Löwen avancierte er in der vergangenen Saison zum Leistungsträger: 138 Tore in 22 Spielen, mehrfacher Jugend-Nationalspieler, Goldmedaillengewinner beim Men’s European Youth Olympic Festival 2023. Sportdirektor Markus Baur ist von der Rückkehr sichtlich angetan: „Wir bekommen einen top ausgebildeten Spieler von den Rhein-Neckar Löwen, der in Angriff und Abwehr unheimlich weit ist und uns weiterbringen wird.“ Den Kontakt nach Saarlouis hatte Karrenbauer nie abreißen lassen –
mit seinem früheren Trainer und heutigem Mitspieler Tom Paetow und Elyas Noh war er in den vergangenen Jahren stets in Verbindung geblieben.
Auch neben dem Spielfeld läuft die Arbeit weiter. Die Stadtgartenhalle soll einen hochwertigen Glasboden bekommen – was zur Folge hat, dass die ersten beiden Heimspiele der neuen Saison sowie ein mögliches Pokalspiel an einem anderen Ort ausgetragen werden müssen. Dazu kommen Verbesserungen im VIP-Bereich, und eine LED-Bande ist ebenfalls bereits in Planung. Die neue Geschäftsstelle gleich gegenüber der Halle und der neue Kraftraum wurden bereits realisiert. All dies sind Standards, die in der 2. Bundesliga schlicht gefordert sind –
und die man in Saarlouis nicht erst bei einem Aufstieg erfüllen, sondern bereits davor etablieren will. Allein das Sportliche lässt sich nicht planen, weiß Jörg Lützelberger: „Man muss seine Hausaufgaben machen, um die Wahrscheinlichkeit, dass es beim nächsten Mal klappt, immer weiter zu steigern.“ Die Silbermedaille fühlt sich also langsam weniger nach Endstation an, sondern viel mehr nach erneutem Aufbruch.