Burkard Schlänger
Zeitgalerie | Prenzlauer Berg
In Burkard Schlängers Uhrenwerkstatt scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Auch wenn einige Uhren unablässig ticken und andere die Stunde schlagen. Das Interieur ist historisch, im Winter bollert im Ofen ein Holzfeuer. Die Welt des Uhrmachers ist analog. Rechnungen und andere wichtige Unterlagen liegen in seinem Sekretär Louis Philippe von 1868. Ein Fundstück aus einem Kirchenschiff aus der Zeit, in der er Turmuhren reparierte. Uhren faszinieren ihn vor allem wegen ihres Innenlebens. Schon als Kind schraubte er die Zeitmesser auseinander. Bei einem Uhrenrestaurator verfeinerte er sein Handwerk. Später erledigte er Auftragsarbeiten für Museen wie den Hamburger Bahnhof oder brachte Berlins erste Normaluhr, gefertigt 1787 vom berühmten Hofuhrmacher Christian Möllinger, nach Jahrzehnten des Stillstands wieder zum Laufen. Schlänger ist nicht nur ein genialer Bastler, sondern auch Künstler. Als Leuchtendesigner kreierte er lange Zeit Lichtobjekte. Und er malt und fotografiert. In einem Fotoprojekt sammelt er „Zeitbeschreibungen“ von Menschen stets mit derselben Kontoruhr, die vor vielleicht 100 Jahren in einem Bahnhof hing. Während er weiter an kompliziertesten Uhrwerken Eingriffe mit chirurgischer Präzision verrichtet, verrinnt die Zeit. Er kann sie nicht aufhalten. Auch wenn bei seiner nach historischem Vorbild nachgebauten Pendeluhr der Sekundenzeiger rückwärts läuft. zeitgalerie-berlin.de