Drei Fragen
Österreich zu Gast in Rudolstadt
Vom 2. bis zum 5. Juli feiert das Residenzstädtchen Rudolstadt in Thüringen Deutschlands größtes Festival für Roots-, Folk- und Weltmusik. Auf 30 Bühnen sorgen Hunderte Künstler für eine einzigartige Atmosphäre. Pressechefin Miriam Rossius gibt einen Überblick.
Länderschwerpunkt 2025 war Mali. Warum in diesem Jahr Österreich?
Wir wechseln von einem außereuropäischen Land zu einem in Europa. Da fiel die Wahl auf Österreich, auch weil Rudolstadt eine Partnerschaft mit dem Burgenland pflegt. Österreichs Musikszene reicht von Mozart bis Austro-Pop. Wir haben etwa Agnes Palmisano dabei – mit einer Mischung aus Jodeln und Koloraturgesang. Auch der Shootingstar Rian kommt mit einem alpenländischen Mix aus Indie, Hip-Hop und kabarettistischen Elementen. Bissl Schrammeln und schwarzen Humor wird es geben. Und Folk, Reggae, Soul rund um den Erdball.
Das Charmante am Festival sind seine vielen Bühnen, auf großen Plätzen, in kleinen Gassen, sogar auf der Heidecksburg, wo aber gerade gebaut wird. Zwei der schönsten Bühnen fallen damit weg. Wie können Sie das kompensieren?
Eigentlich gar nicht. Aber wir haben ganz gute Lösungen gefunden, zum Beispiel die Lutherkirche für Konzerte, die einen besonderen Fokus brauchen. Das wiedereröffnete Schillertheater hat zwei Theaterbühnen, dazu den Theatervorplatz. Wir verdichten das Programm in Heinepark, sparen aber keinesfalls an Vielfalt.
Einer der Programmhöhepunkte ist das Konzert der Rudolstädter Symphoniker auf dem Schlosshof mit einem Star der internationalen Musikszene.
Stargast des Orchesterprojekts wird Manu Delago sein, der weltweit gefragteste Handpan-Spieler und Perkussionist aus Tirol. Er stand unter anderem schon mit Björk und Anoushka Shankar auf der Bühne. Darauf freue ich mich sehr. Zu meinen persönlichen Favoriten gehören aber auch das deutsch-syrische Duo Shkoon aus Hamburg, das einen fesselnden Sound aus arabischen Melodien, Deep House und Hip-Hop bietet. Und ein Muss für mich wird die österreichische Gruppe Ramsch und Rosen sein, die mit Geige und Trompete volkstümliche Klänge mit modernen Beats verbindet, originell und keinesfalls kitschig.
Interview: Gudrun Ruthenberg
Kulturverführung vom 19. Juni 2026
Theater: Seit Jahrhunderten steigen Menschen mit Dante hinab in die Kreise des Infernos und begegnen dort Mördern, Verrätern, Tyrannen – Verdammten, eingeschlossen in eine Ewigkeit der Schuld. In Dantes Ordnung des Leidens ist alles präzise vermessen. Jede Schuld findet ihren Ort, jede Tat ihre Strafe. In „Caligula Inferno“ begegnen sich zwei der bedeutendsten Werke der Weltliteratur, die den Menschen in den Abgrund treiben: Albert Camus „Caligula“ und die „Göttliche Komödie“ von Dante. Der römische Kaiser Caligula ist ein Outlaw. Der unangepasste Rock‘n‘Roller, der als Anti-Held das Establishment immer aufs Neue herausfordert. Er nimmt den Nihilismus beim Wort und wird zum Rebellen, der die Hölle entfesselt. Eine von Menschenhand geschaffene Hölle, die dort beginnt, wo der Mensch glaubt, alles zu dürfen. Oder dort, wo er nichts mehr ändern kann. Faszinierender Stoff. Noch faszinierender wird er dadurch, dass ihn das Gefangenenensemble der JVA Tegel auf die Bühne bringt – und diese Bühne hinter Gefängnismauern steht. Begleitet durch Musiker der 17 Hippies begibt sich das Gefangenenensemble am 22., 23., 24., 29. und 30. Juni sowie am 2. Juli im Freistundenhof der ehemaligen Teilanstalt III auf einen grotesken Höllenritt durch die Abgründe unserer Zeit. „Willkür, Wahn und Rock‘n‘ Roll“ lautet das Versprechen. JVA Tegel / Freistundenhof der TA III, Seidelstraße 39, 13507 Berlin (Eingang: Tor 2), Informationen und Tickets: www.gefaengnistheater.de.
Ausstellung: Im Sommer jährt sich die Eröffnung des Humboldt Forums zum fünften Mal. Anlässlich dieses Jubiläums laden die vier Akteure des Hauses unter dem Motto „Fünf Jahre offen“ vom 27. Juni bis zum 19. Juli dazu ein, die Vielfalt des Humboldt Forums in unterschiedlichen Formaten zu erleben. Fünf besondere Aktionstage mit vielen kostenfreien Angeboten zeigen, was dieses Gebäude und seine Geschichte sowie die Sammlungen und das kulturelle Programm so einzigartig macht: Einblicke hinter die Kulissen, ein kreatives Familienfest in den Werkräumen, das „Berlin Global“-Festival im Schlüterhof und in der Ausstellung, ein Sonntag mit freiem Eintritt in alle Ausstellungen sowie lebendige Wissenschaft im Humboldt Labor. Humboldt Forum im Berliner Schloss, Schlossplatz, 10178 Berlin, Informationen: www.humboldtforum.org.
Konzert: Franziska Dallmann (Flöte), Thomas Herzog (Oboe), Susanne Herzog (Violine), Gernot Adrion (Viola) und Georg Boge (Violoncello) spielen am 27. Juni, 16 Uhr, das „Sonderkonzert“ zum 225. Geburtstag von Prinz Carl von Preußen. Die Musikerinnen und Musiker des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin haben Werke von Johann Christian Bach, Wolfgang Amadeus Mozart und Franz Schubert im Programm. Schloss Glienicke, Königstraße 36 A, 14109 Berlin, Info: www.spsg.de/schloesser-gaerten/
objekt/schloss-glienicke. Martin Rolshausen