Der Ball rollt. Für manche eingefleischten Fußballfans war der Anstoß zur WM eher so was wie Aschermittwoch. Die ganzen äußeren Umstände dieser WM sind für sie Grund genug, sich kein einziges Spiel anzuschauen. Ein echter Verzicht.
Für viele ist es aber willkommene Gelegenheit, den Irrsinn der Welt zu verdrängen. Für 90 plus x Minuten mal wieder das Gefühl von ein bisschen Normalität.
Da geht auch schon mal der Blick für die Nachbarn verloren. Dabei tut sich da zuweilen schon Bemerkenswertes. In der Schweiz gab es großes Bangen um einen Volksentscheid, wonach die Einwohnerzahl auf maximal zehn Millionen begrenzt werden sollte. Am Ende lehnte eine deutliche Mehrheit (55 Prozent) die von der rechtspopulistischen Volkspartei initiierte Begrenzungsvorlage ab. Wie würde wohl hierzulande so was ausgehen?
Der Bundesinnenminister beharrt auch nach Inkrafttreten von GEAS (Gemeinsames Europäisches Asylsystem) weiter auf seiner „Migrationswende“. Dabei ist die längst eingetreten. Schon bevor er sein Amt übernommen hatte.
Jetzt, wo die Zahlen zurückgehen, erinnern sich einige an die magische Zahl von 400.000. So viele Menschen müssten zuwandern, um die demografische Entwicklung und den Arbeitskräftemangel auszugleichen.
Der Wirtschaftsweise Martin Werding hat zudem in einer Studie (2025) gezeigt, dass Zuwanderung den Staat auf Dauer jährlich beträchtliche Milliardensummen sparen könnte.
Vorausgesetzt, es gibt eine gezielte Integrationspolitik, mit besserer Sprachförderung und zügiger Anerkennung von Abschlüssen. Das eine blockiert Bürokratie, das andere verhindert der Rotstift.
Und so reden wir lieber darüber, dass wir alle länger arbeiten sollen, wöchentlich und bis zur Rente (falls es später noch Menschen gibt, die Beiträge zahlen). Und ohne Zuwanderung werden wir uns im Saarland auch nicht mehr lange als (Einwohner-)Millionäre fühlen dürfen.
Vielleicht sollten wir mal statt über Obergrenzen über Untergrenzen reden. Und dass Geld für echte Integration Investition in unsere Zukunft ist. Experten und Betriebe wissen das längst. Den allermeisten von uns ist es auch klar. Gar nicht so unwahrscheinlich, dass eine Volksabstimmung bei uns dem Schweizer Vorbild ähneln würde.