Drei Fragen
„Regelmäßige Doping-Kontrollen“
Die deutsche Fußballnationalmannschaft wird in den USA nicht nur von der Nationalen Antidoping-Agentur (Nada) getestet, erklärt Dr. Lars Mortsiefer.
Herr Dr. Mortsiefer, wie bereitet sich die Nada auf eine Fußball WM vor?
Es gibt Doping-Kontrollen sowohl bei den Spielen als auch im Vorfeld, also Trainings- und Wettkampfkontrollen. Die Wettkampfkontrollen werden in der Regel nach dem Spiel durchgeführt. Trainingskontrollen können deutlich vorher erfolgen. Das wird zum Beispiel in den Trainingslagern jetzt verstärkt vor den Spielen durchgeführt. Wir in Deutschland haben natürlich die Nationalspielerinnen und Nationalspieler, aber auch die Kandidaten der internationalen Mannschaften ganzjährig während der Saison auf dem Schirm, sodass wir regelmäßig Doping-Kontrollen sowohl im Wettkampf als auch im Training durchführen.
Wie läuft das während der WM? Bevor in der Kabine gefeiert wird, müssen alle erst mal zur DopingKontrolle?
Das obliegt der Fifa, also dem internationalen Verband, dort ordnungsgemäß dafür zu sorgen, dass alle möglichst viele Kontrollen bekommen. Ich weiß, dass auch im Vorfeld schon bei Testspielen und Qualifikationsspielen genau hingeschaut wird. Es ist ja die erste Meisterschaft mit 48 Teams aus ganz unterschiedlichen Nationen. Viele sind zum ersten Mal dabei, auch mit sehr exotischen Anfahrts- und auch Qualifikationswegen. Da muss die Fifa genau hinsehen. Aber ich gehe davon aus, dass jeder eine Anzahl an Tests kriegt, die ausreichend sein können.
Gerade in der Fußball-Bundesliga wird den Spielern ja viel abverlangt, etwa die englische Woche, werden Sie da nicht auch hellhörig?
Ja, zum einen ist es in der Tat viel, was da verlangt wird von den Spielern, Mittwoch, Samstag und Sonntag dann zu spielen. Wir kennen es aber eben aus anderen Sportarten, gerade im Eishockey, im Baseball, da sind die Taktungen teilweise noch viel enger. Natürlich ist das alarmierend, da muss man aufpassen, insbesondere was auch die Verletzungen angeht. Und nach Verletzungen dann eben auch wieder eine Rekonvaleszenz, eine Wiederkehr. Also da gucken wir schon genau hin, insbesondere was dann die Belastung angeht und ob möglicherweise da versucht wird nachzuhelfen. Interview: Sven Bargel
Hitzewelle in den Weltmeeren
Die Erde speichert mehr Wärme als je zuvor seit Beginn der Messungen vor über 150 Jahren. Das zeigt der neue Klimabericht Indicators of Global Climate Change, der bei der UN-Klimakonferenz in Bonn vorgestellt wurde. Demnach steigen die Treibhausgasemissionen weiter und die Ozeane erwärmen sich massiv. 2024 stieß die Menschheit rund 56,8 Milliarden Tonnen CO2 aus. Daher nimmt die Erde mehr Energie auf, als sie ins All wieder abgibt, ein Ungleichgewicht, das sich seit Ende der 1970er-Jahre mehr als verdoppelt hat. Besonders deutlich zeigt sich die Erwärmung in den Ozeanen, die rund 90 Prozent der überschüssigen Wärme aufgenommen haben. Auch in größeren Meerestiefen nimmt nun die Erwärmung zu und die Zahl der Meereshitzewellen hat sich in den letzten 30 Jahren mehr als verdreifacht. In der Folge schmelzen die Eismassen an den Polen zunehmend. So stieg auch der Meeresspiegel schneller an, um 3,84 Millimeter zwischen 2018 und 2025.
Tourismus-Botschafter
Saarländerinnen und Saarländer sollen Tourismus-Botschafter in eigener Sache werden. Möglich macht das der neue Saar-Pass. Damit können mehr als 100 Freizeit-, Kultur- und Erlebnisangebote im Land zu vergünstigten Preisen neu oder wiederentdeckt und damit das Bewusstsein für die touristische Attraktion des Landes in seiner Vielfalt gestärkt werden. Der digitale Saar-Pass sei „eine Einladung, das eigene Bundesland als Urlaubsland und Ausflugsziel zu entdecken“, sagt Birgit Grauvogel, Geschäftsführerin der Tourimuszentrale Saarland. Bei einem Preis von 69 Euro für ein Jahr für Erwachsene rechnet sich der Saar-Pass schnell. Wirtschaftsminister Jürgen Barke weist auf die positive Entwicklung im Saar-Tourismus hin: 3,35 Millionen Gästeübernachtungen in 2025 waren neuer Rekord. Das Wachstum liegt über dem Bundesdurchschnitt.
Infos zum neuen Angebot gibt es unter www.saar-pass.de.
Europäischer Kampfjet
Nach dem Scheitern des deutsch-französischen Kampfjet-Projekts FCAS fordern Verteidigungspolitiker von Union und SPD eine zügige Alternative. Die deutsche Industrie könne und müsse „ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen“, so der verteidigungspolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Thomas Erndl (CSU). Neun Jahre nach der Ankündigung eines gemeinsamen deutsch-französischen Kampfjets ist dieses Projekt Mitte Juni von beiden Seiten für gescheitert erklärt worden. Frankreich wollte einen atomwaffentauglichen Kampfjet, der obendrein auf Flugzeugträgern eingesetzt werden kann. Für die deutsche Seite war dies nicht attraktiv, da Deutschland weder über Atomwaffen noch einen Flugzeugträger verfügt. Im Hintergrund stimmte aber offensichtlich auch die Chemie zwischen den beiden hauptsächlich beteiligten Unternehmen Dassault und Airbus nicht. Nun sucht man offenbar im Bundesverteidigungsministerium nach neuen Partnern für einen Kampfjet.
Tankrabatt wird nicht verlängert
Der Tankrabatt von 17 Cent wird definitiv nach dem 30. Juni nicht verlängert. Damit bleibt die Bundesregierung bei ihrem Beschluss von Ende April. Am Mittwoch, 1. Juli, könnten dann um 12 Uhr die knapp 17 Cent Tankrabatt, die weggefallen waren, wieder voll auf den Preis aufgeschlagen werden. Eigentlich dürfte dies nach der Logik der Mineralölkonzerne nicht der Fall sein, da in den Tanks der Tankstellen ja noch der vergünstigte Sprit lagert, so ein Sprecher der Verbraucherverband Bundeszentrale. Bislang geben die Mineralölkonzerne den eingeführten Tankrabatt nach Berechnung des Münchner Ifo-Instituts zum großen Teil an die Autofahrer weiter. Ein Teil der vom Bund eingesetzten rund 1,6 Milliarden Euro Steuermittel verbleibe jedoch als Gewinn bei den Konzernen. „Während beim Diesel durchschnittlich zwölf Cent weitergegeben wurden, sind es beim Super E5 16 Cent und bei Super E10 15 Cent pro Liter“, so Florian Neumeier vom Ifo-Institut.
Aus S 21 wird S 31
Bislang galt der Bau des Berliner Großflughafens BER als peinlichste Baustelle Deutschlands. Nun setzt der Neubau des Stuttgarter Hauptbahnhofs „Stuttgart 21“ offenbar an, Berlin den Titel abzujagen. Offenbar muss wegen 1.000 Kilometer falsch verlegter Kabel und dazu gebauter Kabelschächte die Eröffnung des zukünftig unterirdischen Hauptbahnhofs um weitere fünf Jahre verschoben werden. Noch im März hieß es bei der Bahn, zum Fahrplanwechsel am 18. Dezember dieses Jahres werde das Drehkreuz endlich eröffnet. Nun wird daraus „Stuttgart 31“: Im Frühjahr 2031 soll der Bahnhof nach übereinstimmenden Medienberichten endgültig eröffnet werden. Der neu gewählte baden-württembergische Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) reagierte nach Bekanntwerden ungewöhnlich ungehalten: Das Bahn-Projekt verkomme zur „Lachplatte“. Die Bahn äußerte sich nicht zu den Berichten und verweist auf eine Pressekonferenz am 21. Juni. Seit 16 Jahren wird an dem Projekt gearbeitet, mit notwendigen Bauänderungen stiegen die Kosten von vier auf zuletzt über elf Milliarden Euro.
Bürokratieabbau
Wüst fordert „mehr Mut“
Bund und Länder sehen Fortschritte bei der angestrebten Staatsmodernisierung, aber selbstverständlich auch weiteren Handlungsbedarf. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) fordert erneut einen Mentalitätswandel mit mehr Vertrauen, weniger Kontrolle und größerer Risikobereitschaft. Behörden sollten zukünftig den auskunftspflichtigen Bürgern bei staatlichen Leistungen mehr trauen und damit mehr auf Stichproben zurückgreifen. Wüst forderte, dass der Staat schneller, moderner und digitaler werden müsse. Er sprach sich für mehr Mut zum Risiko aus: „Es werden auch Dinge schiefgehen, wenn wir nicht mehr jede Abrechnung für eine Förderung einzeln bis auf den letzten Punkt prüfen, sondern stichprobenartig nach Risiken.“ Die Bundesregierung hatte im Herbst die Modernisierungsagenda beschlossen, um etwa Verfahren im Wohnungsbau und bei der Energieinfrastruktur zu beschleunigen. Geplant ist auch, dass bei Umzügen der Wohnort im Reisepass nicht mehr geändert werden muss oder dass ältere Menschen ihren Personalausweis nicht mehr erneuern lassen müssen.
Sexualstrafrecht
Verschärfte Verjährung
Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) will das Sexualstrafrecht weiter verschärfen. Sexuelle Handlungen sollen nach ihren Vorstellungen nur bei ausdrücklicher Zustimmung als einvernehmlich gelten, nach dem Prinzip „Nur Ja heißt Ja.“ Die Verjährungsfrist bei Vergewaltigung möchte sie verlängern. „Eine fünfjährige Verjährungsfrist ist für Vergewaltigung zu kurz, angemessen sind aus meiner Sicht 20 Jahre, so wie bei vergleichbar schweren Verbrechen auch. Wir wollen das so bald wie möglich anpassen“, kündigte Hubig in einem Interview an. Dabei kann die SPD-Politikerin offenbar auf Unterstützung der Union hoffen. Eine Strafrechtsverschärfung hin zu einer „Nur-Ja-heißt-Ja“-Regel lehnt die CDU jedoch mit Verweis auf Probleme in der Beweisführung ab. Das Konsensprinzip schürt bei den Betroffenen Hoffnungen auf eine bessere Strafverfolgung, die in der Realität polizeilicher Ermittlungen nicht eingelöst werden kann, heißt es in einer Fraktionsstellungnahme.
Demos für Stahl-Zukunft
Für die Zukunft der Stahlindustrie in Deutschland sind Tausende von Menschen in Berlin und in Völklingen auf die Straße gegangen. Insbesondere im Saarländischen Völklingen, wo um die 10.000 Menschen am Protest teilnahmen, ist die Sorge groß um das mindestens europaweit, wohl aber auch weltweite Vorreiterprojekt „Grüner Stahl von der Saar“. „Das, was jetzt gerade hier passiert, ist ein politischer Anschlag auf die saarländische Stahlindustrie“, sagt Stefan Rauber, Vorstandschef von Dillinger und Saarstahl. Gemeint sind Pläne unter anderem von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) für neue Regeln beim CO2-Zertifikatehandel. Der aber ist eine wesentliche Basis für das Projekt „Grüner Stahl“, für das im Saarland weit über vier Milliarden Euro (inklusive Bundes- und Landesförderung) investiert werden. Das Prinzip: Zertifikate für CO2-Ausstoß werden immer teurer, ein Anreiz, um auf CO2-freie Produktion umzustellen. Die Stahlindustrie an der Saar habe sich darauf verlassen, „dass in Europa und in Deutschland die CO2-Zertifikateregeln gelten“, aber daran werde nun gedreht, kritisiert Heiko Maas, Präsident des Stahl-Verbandes Saar.
Wiegand will’s wissen
Blickpunkt Europa
Schock für Europas Digitalfachwelt: Die US-Regierung hat eine der weltweit leistungsfähigsten KI-Anwendungen für Ausländer gesperrt. Und das binnen Stunden.
Das ist mehr als ein Routine-Technikereignis. Es markiert einen politischen Wendepunkt. Erstmals wird der Zugang zu KI-Modellen als strategisches Gut behandelt. Folge: Spitzentechnologie wurde geopolitische Macht – in Europa existieren keine Alternativen.
Europa darf technologische Souveränität nicht nur beschwören, sondern muss sie umsetzen. Wir debattieren zu viel über reine Regulierung, brauchen aber industrielle Handlungsfähigkeit. Die USA und China bauen ihre KI-Ökosysteme mit hoher Geschwindigkeit aus. Europa bleibt fragmentiert – Kapital, Rechenleistung, Daten und Plattformen sind unzureichend gebündelt.
Silicon-Valley-Reporter Matthias Hohensee bringt es auf den Punkt: „Ja, der Rückstand auf die USA und China ist riesig – aber wer gar nicht erst losläuft, hat schon verloren.“
Ein realistischer Weg nach vorn beginnt nicht mit einem einzelnen „europäischen ChatGPT“. Er braucht massive gemeinsame Investitionen in Recheninfrastruktur für skalierbares Training. Zweitens: konsequenten Ausbau offener Modelle und gemeinsamer Forschungsplattformen. Drittens: eine koordinierte öffentliche Nachfrage, die europäische KI-Anbieter gezielt stärkt. Und viertens: eine integrierte Talentstrategie, die Forschung, Start-ups und Industrie enger verzahnt.
Nur wenn diese Bausteine zusammenkommen, kann Europa ein eigenes KI-Ökosystem entwickeln, das Anschluss an die technologische Gestaltungsmacht findet. Und irgendwann auch damit konkurriert.
Wolf Achim Wiegand ist freier Journalist mit EU-Spezialisierung.