Die Versicherungsbranche wächst in Deutschland, und auch im Saarland hat die gleichnamige Versicherung, die in diesem Jahr 75 Jahre alt wird, gute Nachrichten zu vermelden. Wermutstropfen für Autofahrer: Kfz-Versicherungen werden auf absehbare Zeit nicht billiger.
Herr Dr. Hermann, das Saarland mit der höchsten Pkw-Dichte in Deutschland und nur mäßiger ÖPNV-Anbindung verspricht nach wie vor ein gutes Geschäft. Wie bewerten Sie die Kfz-Versicherung im Saarland?
Das Saarland ist ein Autoland – und das nicht nur gefühlt. Das Saarland hat mit 646 Pkw je 1.000 Einwohnerinnen und Einwohnern die höchste Pkw-Dichte in Deutschland. Mobilität spielt hier sowohl beruflich als auch privat eine zentrale Rolle vor allem im ländlichen Raum. Daher ist für uns die Kfz-Versicherung ein besonders wichtiges Geschäftsfeld. Wir sind überall vor Ort, und wir kennen hier die Lebenswirklichkeit der Menschen. Es geht aber nicht nur um den Preis. Entscheidend ist, dass Kundinnen und Kunden im Schadenfall schnelle, persönliche und kompetente Unterstützung bekommen.
Wie hoch waren denn die Schadenfälle im vergangenen Jahr?
Vergangenes Jahr haben wir insgesamt rund 20.000 Schadenfälle verzeichnet, ein leichter Rückgang gegenüber 2024. Über die letzten fünf Jahre betrachtet lagen wir stets in einer Größenordnung von über 20.000 gemeldeten Schäden pro Jahr. Aber nicht nur die Anzahl der Schäden ist entscheidend, sondern vor allem deren Höhe. In der Kraftfahrtversicherung sind die Schadenaufwendungen letztes Jahr auf 35,2 Millionen Euro gestiegen, nach 27,8 Millionen Euro im Vorjahr. Das zeigt sehr deutlich: Schäden werden teurer, unter anderem durch höhere Ersatzteilpreise, Werkstattkosten und komplexere Fahrzeugtechnik.
Dann können sich die Saarländerinnen und Saarländer wohl auf höhere Prämien bei ihrer Kfz-Versicherung einstellen, oder?
Die Beiträge steigen nicht willkürlich. Sie folgen der Schadenentwicklung. Und die ist in der Kfz-Versicherung sehr klar: Reparaturen sind deutlich teurer geworden. Moderne Fahrzeuge haben heutzutage zudem viel Technik an Bord, wie Sensoren, Kameras, Assistenzsysteme, LED-Scheinwerfer und Elektronik. Das erhöht auf der einen Seite die Sicherheit, macht aber auch kleinere Schäden deutlich kostspieliger. Hinzu kommen, wie bereits gesagt, gestiegene Werkstattlöhne, höhere Ersatzteilpreise und längere Reparaturprozesse. Kurz gesagt: Das Auto wird technisch anspruchsvoller und damit wird auch der Schadenfall teurer.
Könnte die Kfz-Versicherung auch wieder günstiger werden, und was sollte bei einem Wechsel beachtet werden?
Grundsätzlich ja, aber kurzfristig sehe ich dafür wenig Spielraum. Damit Beiträge wieder sinken können, müssten auch die Schadenkosten nachhaltig sinken. Momentan sehen wir eher das Gegenteil. Kundinnen und Kunden können aber den eigenen Vertrag regelmäßig prüfen. Fahrleistung, Selbstbeteiligung, Fahrerkreis, Werkstattbindung und Zahlungsweise beispielsweise können Einfluss auf den Beitrag haben. Deshalb ist die Beratung auch so wichtig.
Die größte Falle ist, nur auf den Jahresbeitrag zu schauen. Ein günstigerer Vertrag kann im Schadenfall schlechter sein, wenn wichtige Leistungen fehlen. Man sollte genau prüfen: Wird der Schadenfreiheitsrabatt korrekt übernommen? Wer darf das Auto fahren? Welche Fahrleistung ist angegeben? Gibt es Werkstattbindung? Wie sind Marderbiss, Wildschäden, grobe Fahrlässigkeit oder Neupreisentschädigung geregelt?
Mein Rat ist: Vergleichen ja, aber nicht blind. Ein paar Euro Ersparnis helfen wenig, wenn man im Schadenfall schlechter dasteht. Gerade bei einem Wechsel sollte man sich erklären lassen, was sich wirklich ändert beim Preis, aber auch beim Schutz.
Das Klima in der Gesellschaft ist rauer geworden. Was muss getan werden, um die Unfallzahlen zu senken?
Der Straßenverkehr ist ein Spiegel gesellschaftlicher Entwicklung. Wenn Menschen gestresster, ungeduldiger oder aggressiver werden, wirkt sich das auch auf das Verhalten im Verkehr aus. Viele Unfälle entstehen nicht durch fehlendes Können, sondern durch Ablenkung, Ungeduld, Fehleinschätzung oder Regelverstöße. Ein großes Thema ist dabei auch das Handy am Steuer. Schon ein kurzer Blick auf das Smartphone kann ausreichen, um eine gefährliche Situation zu übersehen. Das wird im Alltag leider immer noch unterschätzt.
Wir brauchen deshalb mehr Rücksicht, mehr Aufmerksamkeit und eine klare Haltung: Sicherheit ist wichtiger als ein paar Minuten Zeitgewinn oder eine schnelle Nachricht zwischendurch.
Das gilt übrigens für alle Verkehrsteilnehmer: für Autofahrer, Radfahrer, Fußgänger und E-Scooter-Nutzer gleichermaßen. Verkehrssicherheit ist eine gemeinsame Aufgabe – von Ausbildung, Infrastruktur, Kontrollen, Prävention und persönlicher Verantwortung.
Kommen wir zu einem anderen wichtigen Thema: zur Wohngebäudeversicherung inklusive der Elementarversicherung.
Wie sieht die aktuelle Gesetzeslage aus?
Aktuell gibt es in Deutschland keine allgemeine gesetzliche Pflicht zur Elementarschadenversicherung. Schutz gegen Starkregen, Überschwemmung, Rückstau, Erdrutsch oder Schneedruck muss in der Regel zusätzlich zur Wohngebäude- oder Hausratversicherung vereinbart werden. Die politische Debatte läuft. Aus unserer Sicht ist wichtig: Wir brauchen mehr Versicherungsschutz, aber auch mehr Prävention. Eine Versicherungspflicht allein verhindert keinen Schaden. Entscheidend sind außerdem bessere Bauvorsorge, weniger Versiegelung, kommunale Schutzkonzepte und klare Regeln in Risikogebieten.
Was ist der Stand bei der Elementarversicherung im Saarland?
Die Entwicklung im Saarland ist deutlich. 2012 waren nur rund zwölf Prozent der Gebäude gegen Elementargefahren versichert. Heute liegen wir bei rund 50 Prozent. Das ist ein großer Fortschritt, aber aus unserer Sicht noch nicht ausreichend. Denn Starkregen, Überschwemmung und Rückstau sind keine theoretischen Risiken mehr. Das Problem ist: Starkregen kann fast jeden treffen. Es muss nicht nur das Haus direkt am Fluss sein. Auch Hanglagen, versiegelte Flächen, überlastete Kanäle oder ungünstige Grundstückssituationen können zu massiven Schäden führen. Wir haben in den vergangenen Jahren gesehen, dass solche Ereignisse auch bei uns im Saarland erhebliche Schäden verursachen können. Deshalb setzen wir stark auf Beratung und Aufklärung.
Sind steigende Prämien die größte Hürde?
Die Prämie ist natürlich ein sensibles Thema. Wohnen, Energie, Sanierung und Lebenshaltung sind teurer geworden. Aber das eigene Haus ist für viele Menschen die größte Investition ihres Lebens. Genau diese Investition gilt es zu schützen. Als Saarland-Versicherungen versichern wir jedes fünfte Haus im Saarland. Das ist für uns nicht nur eine Marktposition, sondern auch Verantwortung in der Region.
Ein vollgelaufener Keller, zerstörte Haustechnik oder schwere Gebäudeschäden können schnell fünf- oder sechsstellige Beträge auslösen. Die Frage ist also nicht nur: Was kostet der Schutz? Sondern auch: Was kostet es, keinen Schutz zu haben?
Wäre eine Pflichtversicherung nach französischem Vorbild sinnvoll?
Frankreich wird oft genannt, weil Elementarschutz dort stärker systematisch eingebunden ist. Daraus kann man lernen. Aber man kann das Modell nicht eins zu eins auf Deutschland übertragen. Ein sinnvoller Ansatz wäre aus meiner Sicht ein Opt-out-Modell: Elementarschutz wird grundsätzlich mit angeboten oder einbezogen, Kundinnen und Kunden können aber bewusst widersprechen. So würde die Versicherungsdichte steigen, ohne Eigenverantwortung vollständig aufzugeben.
Was ist mit Gebäuden, die wegen ihrer Lage schwer oder gar nicht versicherbar sind?
Der überwiegende Teil der Gebäude ist gegen Elementarschäden versicherbar. Nach den vorliegenden Einschätzungen sprechen wir nur über einen sehr kleinen Anteil von rund 0,07 Prozent, bei dem eine Absicherung besonders schwierig sein kann. Umgekehrt heißt das: Über 99 Prozent der Gebäude sind grundsätzlich versicherbar. Trotzdem muss man individuell prüfen. Es gibt Lagen, die anspruchsvoller sind, etwa direkt an Gewässern, in bekannten Überschwemmungsgebieten oder bei wiederholten Schäden. Aber auch dort heißt schwierig nicht automatisch unmöglich.