Nach zweieinhalb Jahren Motorsport-Pause ist Cedric Piro aus Heusweiler mit seinem Familienteam Piro Sports wiedereingestiegen. Im „Polo Cup“ mischt er von Anfang an ganz vorne mit.
Es gibt Pausen, und es gibt produktive Pausen. Die von Cedric Piro und seinem Team fällt eindeutig in die zweite Kategorie. Während der Heusweiler Rennfahrer zwischen Ende 2023 und Frühjahr 2026 keine Rennen bestritt, baute die Familie Piro eine neue Werkstatthalle – ausschließlich für den Rennsport, ausgestattet für fünf oder sechs Fahrzeuge und, wie Piro selbst sagt, „eher mit Wohnzimmer- als mit Werkstatt-Flair.“ Dazu kam ein neuer Sattelzug. Ein Neustart, in Ruhe vorbereitet, mit klarem Ziel. Als dann der „Polo Cup“ das Licht der Welt erblickte, mussten die Piros nicht lange überlegen.
Doppelrolle als Fahrer und Manager
Der Polo Cup ist eine dieser Serien, bei denen das Fahrzeug für alle Teilnehmer identisch ist: ein VW Polo GTI mit rund 300 PS, ohne ABS, ohne Traktionskontrolle, ohne ESP. Die Karosserie ist die eines Polo, darunter steckt allerdings ein Golf-Motor samt Golf-Achse und entsprechend größeren Bremsen. Mit dem Serienstraßen-Polo hat das Fahrzeug optisch mehr gemein als technisch. Und genau das ist der Punkt. „Mit dem Polo von der Straße hat es wirklich nicht mehr viel zu tun“, sagt Piro. Wer gewinnen will, kann demnach nicht mit einem überlegenen Fahrzeug auftrumpfen. Erlaubt sind lediglich Anpassungen bei Spur, Sturz und Fahrzeughöhe. Den Unterschied machen Fahrer und Teamarbeit – und das Gespür dafür, aus wenigen Stellschrauben das Maximum herauszuholen. „Das hört sich einfach an, macht es aber gerade dadurch wieder schwer“, erklärt Cedric Piro, der nicht nur Fahrer, sondern auch Teammanager ist. Sein Vater Erwin, der den Familien-Rennstall einst gegründet hatte, ist weiterhin Teamchef. Die Entstehungsgeschichte und Konzeption der Serie für den Wiedereinstieg hat die beiden begeistert: „Wir hätten uns nicht für irgendwas entscheiden müssen, aber dass der Polo Cup neu auf den Markt gekommen ist, war quasi der Grund, warum wir wieder zurückgekommen sind“, sagt Cedric.
Vor der Pause war das saarländische Familienteam fünf Jahre lang in der ADAC GT4 Germany am Start – mit Höhen und Tiefen. 2022 lieferten Cedric Piro und sein damaliger Teamkollege Marcel Lenerz im Toyota GR Supra GT4 starke Ergebnisse, darunter einen Podiumsplatz zum Saisonauftakt in Oschersleben. 2023 lief es mit neuem Teamkollegen und zunächst schwächerem Material schwieriger, und der Frust über die Rahmenbedingungen wuchs. Piro spricht offen darüber: „Die GT4 ist extrem teuer. Aber was mich noch mehr geärgert hat, war die ganze Politik rund um die ‚Balance of Performance‘. Du musstest am Anfang der Saison Glück haben, wie dein Fahrzeug eingestuft wird – und dann haben sie während der Veranstaltungen noch angefangen, das zu verändern. Das alles hat mich total genervt.“ Der Polo Cup sei dagegen „alte Schule“ –
ein Format, in dem jeder das gleiche Auto hat, ein bisschen was einstellen kann und sich der Sport auf den Fahrer konzentriert. „Wir wollten einfach wieder richtig starken Sport“, betont Piro.
Das neue Abenteuer begann Ende April beim Saisonauftakt in Oschersleben. Für Piro Sports war es von Beginn an eine Fahrt auf unbekanntem Terrain – nicht nur wegen der neuen Serie, sondern auch, weil Piro nach eigenen Angaben Respekt vor dem Frontantrieb hatte. In seiner früheren Karriere war er überwiegend heckgetriebene Fahrzeuge gewohnt. Der erste Test verlief entsprechend holprig. „Deswegen bin ich erst mal sehr gemäßigt in die erste Veranstaltung gegangen“, sagt er rückblickend. Was dann folgte, war alles andere als verhalten: Im ersten Qualifying unter schwierigen Bedingungen – niedrige Temperaturen, Wind, mehrere Unterbrechungen – sicherte sich Piro die erste Poleposition der noch jungen Serie. Im ersten Rennen gab er die Führung zwar am Start ab, verteidigte aber souverän Rang zwei bis ins Ziel. Am Sonntag verbesserte er sich schon in der ersten Kurve auf Platz zwei, hielt trotz Balanceproblemen an der Vorderachse dem Druck stand und fuhr erneut als Zweiter über die Ziellinie. Zweimal Zweiter, Poleposition zum Einstand: nach zweieinhalb Jahren Pause kein schlechter Einstieg.
„Es geht immer noch ein Stückchen schneller“
„Ehrlich gesagt war der Neustart eine große Unbekannte für uns. Wir wussten nicht genau, wo wir stehen“, gab Piro nach dem Wochenende zu: „Dass wir direkt am Freitag ein gutes Gefühl hatten und dann im Qualifying die Pole holen konnten, war ein super Start. In den Rennen war das richtig hartes Cup-Racing, man durfte sich keinen Fehler erlauben. Zweimal Platz zwei – damit sind wir sehr zufrieden.“ Nach Oschersleben führte Julian Konrad (Konrad Motorsport) die Gesamtwertung vor Piro an. Die Vorzeichen fürs zweite Saisonwochenende Ende Mai auf dem Nürburgring schienen günstig: Im freien Training am Freitag setzte Piro bei sonnigen Bedingungen die Bestzeit. Doch dann übernahm das Wetter die Regie. Im nassen Samstags-Qualifying kämpfte sich Piro auf Rang vier. Im ersten Rennen drehte er sich nach einer Berührung einmal um die eigene Achse, konnte aber weiterfahren und rettete mit eingeschränkter Sicht noch Platz sechs. Am Sonntag versuchte Piro im Qualifying auf einer nass-abtrocknenden Strecke den Reifenpoker mit Slicks – der ging nicht auf. Nach einem Ausrutscher musste er die Session vorzeitig beenden und aus der vorletzten Startreihe ins Rennen gehen. Was folgte, war das Highlight des Wochenendes: Von Platz 18 kämpfte er sich bis auf Rang sechs vor. „Mehr war nach dem Qualifying leider nicht mehr möglich. Trotzdem nehmen wir wichtige Punkte mit und wissen, dass die Pace da ist“, fasste Piro das Wochenende zusammen. Auf dem Nürburgring war Cedric übrigens nicht allein: Auch Sophie Hoffmann trat für das Team Piro Sports an und sicherte sich am Samstag mit Platz elf und dem Sieg in der Ladies Trophy ein beachtliches Ergebnis.
Das Wesen der neuen Serie haben die Piros also schon kennengelernt: „Selbst wenn wir schnell sind, werden die anderen nächstes Mal noch schneller sein, weil jeder sich mehr ans Auto gewöhnt und vielleicht das bessere Setup gefunden hat“, sagt Cedric und ergänzt: „Deswegen ist mein Ziel immer, nie satt zu sein, sondern zu gucken, dass es noch schneller geht. Es geht immer noch ein Stückchen schneller.“ Für die restlichen sieben Rennen der Saison – im Juli auf dem belgischen Circuit Zolder, im September auf dem Lausitzring und abschließend im Oktober auf dem Hockenheimring – hat Cedric Piro klare Ambitionen: ganz vorne mitfahren. Das Familienteam denkt aber schon weiter. „Wir wollen das Team vergrößern und nächstes Jahr eines der größten Teams im Polo Cup werden“, kündigt der 28-Jährige an.
Übrigens hat der Wiedereinstieg in den aktiven Motorsport nichts an seinem eigentlichen Hauptberuf geändert: Der studierte Maschinenbauer arbeitet als Sachverständiger und Prüfingenieur beim TÜV. Wo für ihn die Arbeit endet und das Hobby anfängt, ist unklar. Darüber müsste er erst einmal zusammen mit der Familie im neuen „Wohnzimmer“ nachdenken. Zwischen Schraubenschlüsseln und Motoröl.