Seit Jahrzehnten beschäftigt sich Sigi Ruby mit Malerei und zeigt ihre Werke in Einzelausstellungen. Derzeit sind ihre Arbeiten im Alten Rathaus in Völklingen zu sehen.
Frau Ruby, Ihre Ausstellung haben Sie mit „Ausdrucksstark – Zeichen & Spuren“ betitelt. Auf welche Zeichen und Spuren verweisen die Werke?
Darüber muss ich jetzt lachen (lacht). Wissen Sie, warum? Weil Herr Obenland (Michael Obenland, Verantwortlicher der Programmbereiche Gesellschaft und Leben, Kultur und Gestalten, Junge VHS sowie Dozenten der VHS Völklingen; Anm. d. Red.) das Ganze organisiert und mir den Vorschlag für den Titel gemacht hat. Ich meinte „Ausdrucksstark“ muss drin sein, denn meine Bilder sagen doch sehr viel mit Farbe und Form aus. Auf die „Zeichen und Spuren“, meinte er, habe ihn das Sand-Bild mit Spuren und Schriftzeichen gebracht. Da waren wir uns dann einig, dass das der Titel für die Ausstellung sein soll.
Wie sind Sie bei der Auswahl Ihrer Arbeiten für die Ausstellung im Alten Rathaus Völklingen vorgegangen?
Ja, ich habe mir die Räumlichkeiten angeschaut und überlegt, dass ich verschiedene Farbmotive bringe. Rot, diese Rost-, Sand-, und Beige-Farbtöne. Ich arbeite mit Rost, selbstgemachtem Rost, und Rostschüttungen auf den Bildern. Da dachte ich an den Bezug zur Völklinger Hütte. Die Räumlichkeiten sind klein, die vier Raum-Seiten wollte ich so bestücken, dass sie unterschiedlich aussehen, und man die Vielseitigkeit erkennt.
Eines der Werke heißt „Paris“, der Titel ist in der Bildmitte zu erkennen. Man nimmt zudem eine Dame mit Pagenkopf sowie die Schriftzüge „Fashion“ und „Shoes“ wahr. Liegt dem eine Begebenheit zugrunde?
Ich war mit meinem Mann vor etlichen Jahren in Paris. Nach einem Streifzug durch die Stadt setzten wir uns am Boulevard Saint-Michel zu zwei hübschen jungen Frauen in einem Café an den Tisch. Da sie hörten, wie wir Deutsch sprachen, unterhielten sie sich weiter. Ich verstehe ein wenig Französisch und habe mitbekommen, dass die eine total traurig war und zu weinen anfing. Ich fragte sie, ob wir irgendwie helfen könnten. Sie verneinte und erzählte, dass sie sich an diesem Tag bei einer Modelagentur bewerben wollte, sie verstauchte sich auf der Straße den Fuß, und konnte mit dem geschwollenen Knöchel kaum laufen. Also: „Adieu Paris“.
Sie haben schon Ihre starken Farben angesprochen, gerne Rot und Blau. Was verbinden Sie mit der Wahl der Farben?
Kann ich Ihnen gar nicht sagen, das kommt aus dem Bauch raus. Ich hatte eine Zeit lang eine blaue Phase – ganz viele blaue Bilder stehen bei mir im Atelier. In dieser Ausstellung habe ich keine gehängt, weil sie schon älter sind. Es kommt auf die Stimmung an. Wenn sie gut ist, sind die Farben hell und kräftig. Die Ahrtal-Katastrophe (Flutkatastrophe vor fünf Jahren, Anm. d. Red.) hat mich sehr belastet. Ich habe über die Zerstörungen im Ahrtal eine Collage hergestellt, so wie mir zumute war. Mir hat das so leidgetan damals, was die Leute alles erleben mussten, und da kam ein Bild heraus, was relativ dunkel war, mit Dunkelblau und Schwarz und Grau – also, es kommt auf die Stimmung an.
Sie gehen also nicht planvoll, sondern improvisierend ans Werk …
Ja, wenn ich vor einer weißen Leinwand stehe, denke ich, ,Wie fang ich denn jetzt an?‘, und dann irgendwie, ,Mach mal so, mach mal so‘, dann entwickelt sich etwas –
das ist ganz spontan. Wenn Sie mir sagen, ,Mal’ das Haus dahinten‘, dann male ich das Haus. Aber von mir aus würde ich es nicht tun. Verstehen Sie, was ich meine? Wenn ich eine Vorgabe habe, gehe ich ran. Aber meist ist es ein Gefühl oder Intuition oder ganz impulsiv.
Entstehen Ihre Arbeiten in Stille oder hören Sie Musik?
Meist in der Stille. Ich gehe oft in den Garten – bei schönem Wetter im Garten, das ist für mich eigentlich das Schönste. Ich bin nicht gern allein im Atelier. Oft kommt eine Freundin dazu oder ich bin eine Woche an der Kunstakademie in Bad Reichenhall. Dort sind Leute drumherum, man inspiriert sich, man unterhält sich, aber ich arbeite beruhigt an der Staffelei, an der Leinwand.
Sie haben sich als Autodidaktin über viele Jahre verschiedene Techniken in Kursen und bei namhaften Künstlern angeeignet. Was, würden Sie sagen, hat sich als Ihre eigene künstlerische Handschrift herausgebildet?
Oh, jetzt stellen Sie mir eine schwierige Frage. In den ersten Kursen, die ich besucht habe, wurde ich sehr vom Dozenten und Lehrmeister gelenkt. Im Laufe der Zeit habe ich versucht, diese Techniken und Informationen zu mischen, um frei improvisatorisch zu arbeiten, um irgendwas hinzukriegen, was sonst keiner macht. Ich habe versucht, alles, alle Informationen und Techniken, die ich vom einzelnen Dozenten mitbekommen habe, zu kombinieren und daraus hat sich mein eigener Stil entwickelt.
Sie sind Gründungsmitglied 1989 der Künstlergruppe Steinberg …
Ja, die Steinberg-Gruppe hat mir sehr viel gebracht, weil ich dort angefangen habe, abstrakt zu malen bei einem sehr guten Dozenten, bei Herrmann Baldenbach, der leider sehr früh verstorben ist. Er hat mich weg vom Gegenständlichen und hin zum Abstrakten gebracht.
In der Ausstellung hängt ein dreiteiliges abstraktes Werk in Weiß-Rot-Schwarz …
Ja, das sollte eigentlich wirklich ein schöner Hingucker sein, das ist es auch, und da sind ja auch Zeichen drauf, so Schriften, wie Stenografie sieht das ja aus.
Ja, das wollte ich genauer wissen: Ist das eine Geheimschrift?
Ich habe mal einen Kurs besucht und mit den Zeichen angefangen, da sagt der Dozent zu mir: ,Was heißt denn das? Der Hund kotzt, oder was?‘ Das kann keiner lesen außer mir (lacht).
Steht bei Ihnen im Atelier eine Arbeit, die auf Sie wartet?
Ja, es wartet eine Arbeit, die noch nicht fertig ist. Eine „Leyla“ oder so ähnlich, die einen Schleier über das Gesicht bekommt. Was mich immer wieder irritiert, sind die vielen verschleierten Frauen bei uns. Dann denke ich immer: ,Mein Gott, es ist so warm, musst du wieder einen Schleier und diese Kopfbedeckung tragen oder diese langen Kleider.‘ Das ist der Ursprung, dass ich gesagt habe: Ich male eine „Leyla“ mit einem halb verschleierten Gesicht.