Deutschlands bekanntester Elektroauto-Vermieter ist insolvent. „Nextmove“ schreibt trotz des aktuellen E-Auto-Booms rote Zahlen. Das sind die Ursachen für die für viele überraschende Schieflage.
Um den heißen Brei herumzureden, war noch nie Stefan Moellers Sache: „Für viele von euch kommt diese Nachricht sicher wie der Blitz aus heiterem Himmel“, sagt der bekannte E-Auto-Experte in einem seiner Youtube-Videos. Und ergänzt: „Die Nextmove GmbH hat am 7. April beim Amtsgericht Erfurt einen Insolvenzantrag gestellt.“ Die Nextmove GmbH ist eine bundesweit aktive Autovermietung, die ausschließlich E-Fahrzeuge im Bestand hat. Moeller, der langjährige Geschäftsführer, ist ihr Gesicht. Auf Youtube präsentiert er regelmäßig die „nextnews“, eine Nachrichtensendung für alle, die sich für die Elektromobilität interessieren.
Das Unternehmen soll erhalten bleiben
In der Sendung vom 5. Juni machte er nun die eigene Firma zum Thema. „Ziel ist es, Nextmove neu aufzustellen und dauerhaft zu erhalten“, sagte Moeller. Gemeint ist eine Insolvenz in Eigenverwaltung, der das Amtsgericht zugestimmt hat. Trotz der Zahlungsschwierigkeiten kann sich die Firma also selbst aus ihren Schwierigkeiten befreien. „Das Unternehmen bleibt handlungsfähig und führt den Geschäftsbetrieb unter Aufsicht des Sachwalters fort“, betont Moeller. Weitere Details nannte er nicht – als Mitarbeiter sei er zur Verschwiegenheit verpflichtet.
Diese Aussage dürfte Moellers 180.000 Abonnentinnen und Abonnenten fast genauso sehr überrascht haben wie die Insolvenz: Immerhin hat Moeller 2016 selbst die Firma Strominator gegründet, die später mit dem thüringischen Vermieter „CYX mobile KG“ zu Nextmove fusionierte. Ein Chef also, der sich selbst als Mitarbeiter bezeichnet? Nicht ganz, denn Moeller hat die Geschäftsführung bereits im Januar 2026 abgegeben, wie seine Nachfolgerin Silvia Berger auf Anfrage bestätigt. Auf die Frage, ob das Unternehmen zu diesem Zeitpunkt in wirtschaftlichen Schwierigkeiten war, antwortet sie per E-Mail: „Ja, bereits seit Jahresbeginn.“
Die aktuellen Probleme bei Nextmove haben laut Berger mehrere Ursachen. Sie nennt hohe Verwaltungs- und Personalkosten, ausgebliebene Kapitalflüsse sowie teure Versicherungsprämien wegen „überdurchschnittlicher Schadensquoten“ bei Elektro-Transportern. Letztere seien zudem „überdurchschnittlich reparaturanfällig, verbunden mit hohen Wartungs-, Verschleiß- und Standkosten.“
Die finanziellen Schwierigkeiten kommen zu einer Zeit, in der die Elektromobilität boomt. Im Mai 2026 hatte jedes vierte neu zugelassene Auto in Deutschland einen Elektromotor. Dass es trotz dieser guten Vorzeichen schlecht bei Nextmove läuft, hat offenbar auch hausgemachte Gründe. Wie das Branchenmedium electrive.net berichtet, hat sich der Vermieter übermäßig stark auf das (defizitäre) Transporter-Geschäft spezialisiert – eine Vermutung, die Geschäftsführerin Berger bestätigt. Um wieder auf die Beine zu kommen, reagiert das Unternehmen mit Personalabbau und möglichen Standortschließungen. Auch der Fuhrpark wurde offenbar stark reduziert. Laut Berger vermietet Nextmove aktuell 182 Fahrzeuge – bei einem Interview mit ihrem Vorgänger Stefan Moeller im Jahr 2023 hatte die Firma noch mehr als 500 E-Autos im Bestand.
Gründe offenbar hausgemacht
Betrachtet man die Branche insgesamt, bilden elektrische Leihautos nach wie vor eine Nische. „Derzeit sind die Angebote der Autovermieter zur Nutzung von Elektrofahrzeugen noch immer sehr begrenzt“, sagt Michael Brabec, Geschäftsführer des Bundesverbands der Autovermieter Deutschlands (BAV). Dies liege vor allem an hohen Restwertverlusten. Dabei gibt es laut BAV durchaus Vermieter, die den Wandel zur Elektromobilität unterstützen. Damit sich das Geschäft aber rentiert, sagt Brabec, „müsste man die Vermieter finanziell mit Steuermitteln unterstützen, um die Nachteile bei höheren Anschaffungskosten, Ausbaukosten der internen Ladeinfrastruktur […] und des zögerlichen Zuspruchs der Kunden so auszugleichen.“
Auch Brabec bestätigt, dass die Vermietung von E-Transportern eine besondere Herausforderung darstellt. „Bei hoher Reichweite ist wegen des größeren Akkus das Gewicht für Transportleistungen nicht optimal und umgekehrt“, sagt der Branchenvertreter. Autovermietern, die solche Fahrzeuge in ihre Flotte aufnehmen, könne dies die Existenz kosten – so wie bei Nextmove. Für Kundinnen und Kunden hat die Insolvenz der Firma derweil keine unmittelbaren Folgen. Die Geschäfte laufen normal weiter. Auch die Treibhausminderungsquote für E-Autos, die man über Nextmove beantragen kann, werde weiter ausgezahlt, versichert Moeller in seinem Youtube-Beitrag.
Und die bekannte Nachrichtensendung, die „nextnews“? Auch die wird bis auf Weiteres fortgesetzt. Folker Hochmuth, verfahrensbemächtigter Anwalt in der Nextmove-Insolvenz, lässt sich mit folgendem Satz zitieren: „Der Kanal ist ein wichtiger Bestandteil, der weiter erhalten werden und dem Publikum fachkundige Informationen liefern soll.“