Wie entsteht eigentlich ein Parfüm? Was zeichnet Nischendüfte aus? Welche Duftnoten liegen diesen Sommer im Trend? Duftexpertin Claudia Krieg, Director Group Category Management Fragrance, „Douglas DACH“, gibt Aufschluss über Mythen rund um das Parfüm und aktuelle Sommerdüfte.
Frau Krieg, für welche Bereiche und Aufgaben sind Sie bei Douglas zuständig und wie sieht Ihr Berufsalltag aus?
Ich bin für die strategische Sortimentsgestaltung im Duftbereich verantwortlich und beobachte Markttrends, wobei ich stets das bestmögliche Einkaufserlebnis für unsere Kundinnen und Kunden im Blick habe. Mein Arbeitsalltag verbindet analytische Planung, kreative Arbeit und engen Austausch mit den Lieferanten und internen Schnittstellen wie Vertrieb, Marketing und die internationalen Teams.
Wie entsteht eigentlich ein Parfüm? Wie kann man sich das vorstellen?
Die Entwicklung eines Parfüms ist ein kreativer und zugleich hochpräziser Prozess. Parfümeurinnen und Parfümeure arbeiten mit einer Vielzahl von Duftrohstoffen und komponieren daraus eine unverwechselbare olfaktorische Signatur. Ausgangspunkt ist meist eine Idee, Emotion oder Geschichte. Bis ein Duft marktreif ist, durchläuft er zahlreiche Entwicklungsrunden – oft über Monate oder sogar Jahre hinweg.
Was ist bei der Duftentwicklung wichtig?
Ein Duft braucht eine klare Identität und Wiedererkennbarkeit. Entscheidend ist die Balance von Kopf-, Herz- und Basisnote. Neben Trends zählen vor allem Emotionalität, Qualität der Rohstoffe und Alltagstauglichkeit. Bereits kleinste Veränderungen in der Dosierung können die gesamte Duftwirkung beeinflussen.
Wie entdeckt man das optimale Parfüm für sich selbst?
Wichtig ist die Frage: Wie möchte ich mich fühlen oder wirken? Ein Duft sollte zur Persönlichkeit und zum Anlass passen. Auch Jahreszeit und individuelle Vorlieben spielen eine Rolle. Besonders entscheidend: Düfte immer auch auf der eigenen Haut testen, da sie sich dort anders entwickeln als auf Teststreifen.
Stimmt der Mythos, dass Parfüms an unterschiedlichen Menschen anders riechen? Wenn ja: Woran liegt dies?
Ja, absolut. Individuelle Hautchemie, pH-Wert, Temperatur oder auch Ernährung und Pflegeprodukte beeinflussen die Duftentwicklung. Deshalb wirkt ein Duft auf jeder Person individuell anders.
Welche Parfüms befinden sich am längsten in Ihrem Sortiment?
Zeitlose Klassiker prägen unser Sortiment seit Jahrzehnten. Dazu zählen ikonische Düfte wie Chanel N°5, Shalimar von Guerlain oder Eau Sauvage von Dior. Auch moderne Klassiker wie Trésor oder Jean Paul Gaultier sind seit über 30 Jahren gefragt.
Welche Parfüms sind über Jahrzehnte Ihre Dauer-Bestseller?
Dauerbestseller sind unter anderem Miss Dior, YSL Opium, Chanel Coco Mademoiselle oder Mugler Angel – häufig ergänzt durch moderne Neuinterpretationen.
Gibt es in den letzten Jahren einen Wandel? Greifen die Kunden zum Beispiel eher zu günstigeren Düften oder wird weniger Geld für Parfüm ausgegeben?
Wir beobachten ein sehr bewusstes Kaufverhalten. Gleichzeitig bleibt Parfüm ein emotionaler „leistbarer Luxus“. Es gibt sowohl starke Nachfrage im Einstiegssegment als auch im Premium- und Luxusbereich.
Hat sich die Parfümbranche in den letzten Jahren verändert?
Ja, deutlich. Individualität steht stärker im Fokus. Nischendüfte, Nachhaltigkeit und Transparenz gewinnen an Bedeutung. Zudem beeinflusst Social Media heute schneller als früher Trends und Kaufentscheidungen. Viele Kundinnen und Kunden besitzen heute mehrere Düfte für unterschiedliche Stimmungen und Anlässe – statt nur den einen persönlichen Duft.
behaupten seit Jahrzehnten ihren festen Platz in den Regalen - Foto: Getty Images / PLAINVIEW
Bei Douglas finden sich neben Dior, Chanel oder Thierry Mugler auch günstigere Parfüms im Sortiment wie etwa Düfte von Christina Aguilera oder Guess. Inwiefern unterscheiden sich teure von günstigen Düften beziehungsweise gibt es wirklich große Unterschiede oder bezahlt man hier vor allem für Markennamen und Image?
Preisunterschiede ergeben sich aus verschiedenen Faktoren, darunter Rohstoffe, Komplexität und Konzentration. Auch Marke und Design spielen eine Rolle. Wichtig ist: Ein höherer Preis bedeutet nicht automatisch mehr Gefallen, denn Duft ist immer eine sehr persönliche Entscheidung.
Für Menschen, die auf der Suche nach etwas ganz Besonderem sind, sind oft Nischendüfte interessant. Was macht diese so besonders und oft auch so besonders teuer?
Nischendüfte stehen für Individualität und außergewöhnliche Kompositionen. Sie arbeiten oft mit besonderen Inhaltsstoffen und erzählen starke Markenstorys. Kleinere Produktionsmengen und Exklusivität spiegeln sich im Preis wider. Vor allem jüngere Zielgruppen entdecken diese Düfte zunehmend für sich.
Zu Geburtstagen und Weihnachten wird früher wie heute sehr gern Parfüm verschenkt. Warum sind Düfte als Geschenk so beliebt?
Parfüm ist ein emotionales und zugleich wertiges Geschenk. Es vermittelt Wertschätzung, schafft Erinnerungen und begleitet den Alltag – ein Stück Luxus im Kleinen.
Einige Duftnoten, die manche Menschen begeistern, finden andere wiederum abstoßend. Ist es reine Geschmackssache, welche Duftnoten das sind, oder spielen auch andere Faktoren eine Rolle bei dem, was ge- oder missfällt?
Neben persönlichem Geschmack spielen Emotionen, Erinnerungen und kulturelle Prägung eine große Rolle. Düfte sind sehr eng mit individuellen Erlebnissen verknüpft.
Welche Duftnoten oder Kombinationen liegen diesen Sommer im Trend?
Aktuell dominieren Gourmand-Düfte mit fruchtigen Noten wie Kirsche oder Erdbeere. Ebenso gefragt sind cremige Vanille- und Sandelholz-Kompositionen sowie moderne Zitrusdüfte mit mehr Tiefe.
Welche Neuerscheinungen erregen das größte Aufsehen?
Zu den aktuell stark wahrgenommenen Lancierungen zählen unter anderem Narciso Pure Musc Blanc, Kylie Cosmic Intense, Balmain by Estée Lauder, Gisada Gold oder YSL Berry Crush.
Welche sind Ihre persönlichen Lieblingsparfüms und warum?
Ich persönlich bevorzuge Gourmand-Düfte mit Vanille, Tonkabohne und einem Hauch von Oud. Mein aktueller Favorit ist Vanilla Sex von Tom Ford – für mich eine moderne und sehr elegante Interpretation von Vanille. Je nach Stimmung greife ich außerdem gerne zu Düften wie Narciso Musc Noir, YSL Libre Intense oder Rosendo Mateu No. 9 – nur um einige zu nennen.