Erstaunlich. Die Bundesregierung hat Reformpakete verabschiedet – und dafür sogar erst einmal Lob geerntet. Geht doch, schreiben selbst sonst besonders kritische Kommentatoren.
Wir könnten also in Ruhe die Ferien genießen. Die Debatten um die Einzelheiten werden uns ohnehin noch den ganzen Herbst beschäftigen.
Außerdem gibt es größere Aufreger. Etwa Rote Karten.
Mich wundert, dass sich immer noch Menschen über derart offene Dreistigkeiten wundern. Vielleicht ist die Lektüre von „Biedermann und die Brandstifter“ schon zu lange her. Das Lehrstück über Brandstifter, die keinen Hehl aus ihren Absichten machen, ist auch ein Lehrstück über Ignoranz. Schließlich kann nicht sein, was nicht sein darf.
Und am Ende steht das Haus in Flammen.
Von wegen Flammen und Ignoranz:
Die ersten großen Brände wüten mal wieder nach großer Hitze und Trockenheit. Hierzulande häufen sich Meldungen über Hitzetote.
Aber war es nicht früher auch schon mal heiß? Kein Grund zur Panikmache wegen Klima.
In Sache Klimaschutz gibt es übrigens ein spannendes Phänomen, nicht neu, aber jetzt noch einmal eindrucksvoll nachgewiesen:
Schätzen Sie mal, wie viele Menschen bereit wären, ein Prozent ihres Einkommens für effektiven Klimaschutz zur Verfügung zu stellen.
Hätten Sie auf 50 Prozent getippt?
Politikerinnen und Politiker jedenfalls unterschätzen das hoffnungslos. Nach einer Studie von Wissenschaftlern der Universitäten Bochum und Lüneburg tippen sie auf höchstens um die 20 Prozent.
Und wie viele Menschen lehnen Klimaschutzmaßnahmen grundsätzlich ab?
Die Studie sagt: Weniger als zehn Prozent. Aber diese Minderheit ist laut, sehr laut.
Dass es zu eklatanten Fehleinschätzungen darüber kommt, was andere wohl denken, ist bekannt und heißt in der Sozialpsychologie „pluralistische Ignoranz“.
Und die ist erstaunlich weit verbreitet.
Und die Lücke zwischen vermuteten und tatsächlichen Einstellungen klafft weiter auseinander, als die Forschenden selbst vermutet hätten.
Damit ist eine Aufgabe für den Herbst beschrieben.
Bis dahin: Schöne Ferien.