Im saarländischen Profifußball hat der Transfersommer zwei unterschiedliche Geschichten geschrieben: Der 1. FC Saarbrücken baut seinen Kader nach einer enttäuschenden Saison fast komplett neu, die SV Elversberg ergänzt als Bundesliga-Aufsteiger einen weitgehend intakten Kern.
Beim 1. FC Saarbrücken geht es in diesen Wochen nicht um Feinarbeit, sondern um Neuordnung. Nach einer Saison, in der der FCS weit hinter den eigenen Ansprüchen zurückblieb und den Absturz gerade noch verhinderte, haben die Verantwortlichen den Kader mit hohem Tempo verändert. Trainer Argirios Giannikis brachte die Dimension auf den Punkt: „Mit 13 Neuzugängen und 17 Abgängen haben wir eine Fluktuation von 30 Spielern.“ Durch die späteren Verpflichtungen von Seung-Joon Lee und Gökdeniz Gürpüz ist diese Zahl noch einmal gewachsen.
Der FCS hat damit nicht nur einzelne Positionen ausgetauscht, sondern sein Profil verändert. Der Kader war zuvor einer der ältesten der Liga, nun ist er deutlich jünger. Elf der 15 Neuzugänge sind 23 Jahre oder jünger, nur Christian Kühlwetter und Kevin Broll sind bereits 30. Sportvorstand Markus Thiele erklärte die Richtung mit den Worten: „Der ältere Stamm war da und jetzt ging es darum, junge, hungrige Spieler zu integrieren, die neue Impulse setzen.“
FCS benötigt Zeit für den Umbruch
Zu den neuen Gesichtern gehören Torwart Matteo Bignetti, Innenverteidiger Siemen Voet, die Offensivspieler Abdenego Nankishi, Kelsey Owusu, Seung-Joon Lee und Gökdeniz Gürpüz sowie Kühlwetter, der Erfahrung aus der 2. Bundesliga und der 3. Liga mitbringt. Broll ergänzt als erfahrener Torhüter das Torwartteam, Anton Bäuerle verstärkt die linke Abwehrseite, Nikola Aracic und Mladen Cvjetinović kommen für die Innenverteidigung hinzu, Zac Shuaib und Daniel Gleiber für das zentrale Mittelfeld. Alexander Staff soll im Angriff Entwicklungspotenzial bringen, Nils Krämer rückt aus der eigenen U19 in den Profikader auf.
Auf der anderen Seite ist der Schnitt deutlich. Tim Civeja ging zum Karlsruher SC, Joel Bichsel zum FC Lugano, Sven Sonnenberg zur VSG Altglienicke, Jonas Nickisch zu Hessen Kassel, Tim Paterok nach Rödinghausen und Luca Wollschläger zu Carl Zeiss Jena. Manuel Zeitz hat seine Profikarriere beendet und ist inzwischen Chefscout. Auch Spieler wie Phillip Menzel, Lasse Wilhelm, Elijah Krahn, Robin Bormuth, Kasim Rabihic, Till Schumacher, Amine Naïfi oder Richard Neudecker stehen nicht mehr im Kader. Bei Abdoulaye Kamara, Dominic Baumann und Patrick Schmidt wurden zudem Gespräche über mögliche vorzeitige Abgänge geführt. Saarbrücken will also nicht nur jünger werden, sondern auch eine andere Leistungskultur schaffen. Thiele formulierte es so: „Wir wollen hier die neue DNA mit reinbringen, das Ganze noch mal professioneller aufzuziehen und den nächsten Schritt in der Entwicklung auch gehen.“
An der Kaiserlinde klingt derselbe Sommer ganz anders. Auch die SV Elversberg hat neue Spieler, neue Aufgaben und offene Kaderfragen. Aber der Ausgangspunkt ist ein anderer. Die SVE ist erstmals in die Bundesliga aufgestiegen und steht vor dem größten Jahr ihrer Vereinsgeschichte. Trotzdem wirkt der Kader erstaunlich vertraut. Beim Trainingsauftakt in St. Ingbert standen 25 Profis auf dem Platz, rund 1.000 Zuschauer waren gekommen. Im Vergleich zum Vorjahr, als Elversberg elf Spieler und ein Trainerteam ersetzen musste, ist das fast schon Kontinuität.
Die wichtigste Entscheidung war vielleicht keine klassische Neuverpflichtung, sondern eine Bindung: Lukasz Poreba, in der Aufstiegssaison vom HSV ausgeliehen, wurde fest verpflichtet und bis 2029 gebunden. Auch Lasse Günther verlängerte vorzeitig bis 2030. Elversberg sendet damit ein klares Signal. Der Verein will nach dem Aufstieg nicht alles umwerfen, sondern den Kern halten, der diesen Aufstieg möglich gemacht hat.
SVE kauft Profile statt Prominenz
Die Neuen passen zu dieser Logik. Maurice Krattenmacher kommt vom FC Bayern München, Noah Darvich auf Leihbasis vom VfB Stuttgart, Francis Onyeka per Leihe von Bayer Leverkusen. Alle drei sind junge Offensivspieler mit hoher Begabung, aber noch ohne den Status fertiger Bundesliga-Stammkräfte. Elias Etringer kehrt aus dem Nachwuchs des SC Freiburg zurück und ergänzt das Torwartteam. Verlassen haben den Verein bislang unter anderem Bambasé Conté, Manuel Feil, Daniel Pantschenko und Patryk Dragon. Immanuel Pherai kehrte nach seiner Leihe zum HSV zurück, eine Weiterverpflichtung blieb wirtschaftlich schwierig. Elversberg kauft nicht Prominenz, sondern Profile. Sportdirektor Christian Weber hat früh erklärt, dass gestandene Bundesligaspieler für die SVE wirtschaftlich kaum erreichbar sind. Trainer Vincent Wagner sagte es ähnlich deutlich: „Das sind finanzielle Regale, die wir im Ansatz nicht einmal sehen. Da besteht keine Chance. Aber wir haben Toptalente aus dem oberen Regal, und diese zu entwickeln, ist eine sehr spannende Aufgabe.“
Damit unterscheiden sich die Strategien deutlich. Saarbrücken sucht nach einer missratenen Saison den Bruch, Elversberg nach dem größten Erfolg der Vereinsgeschichte die behutsame Erweiterung. Beim FCS geht es darum, alte Muster loszuwerden und einer neuen Mannschaft möglichst schnell Stabilität zu geben. Bei der SVE geht es darum, eine gewachsene Mannschaft bundesligatauglich zu machen, ohne ihr die Identität zu nehmen. Wagner beschrieb das beim Trainingsauftakt passend: „An unseren Abläufen und Inhalten wird sich auch in der Vorbereitung auf die Bundesliga nichts ändern. Wir wollen jeden Tag etwas besser werden und unsere neuen Spieler so schnell es geht integrieren.“
Der saarländische Profifußball startet also mit vielen neuen Gesichtern in die Saison. In Saarbrücken ist der Sommer eine Antwort auf Enttäuschung. In Elversberg ist er eine Folge des Erfolgs. Der eine Club sucht einen Neustart, der andere versucht, seinen Weg in eine größere Liga mitzunehmen. Beide müssen nun beweisen, dass ihre jeweilige Logik trägt.