Der richtige Impfschutz ist auch für Hunde essenziell. Doch welche Impfungen brauchen sie wirklich, was kosten sie und welche Nebenwirkungen sind möglich? Ein Tiermedizin-Professor klärt auf.
Impfen oder nicht – und wogegen genau? Eine Frage, die Menschen auch im Umgang mit ihren Haustieren umtreibt. Eine Studie der Boston University aus dem Jahr 2019 kommt zu dem Ergebnis, dass fast die Hälfte aller Hundehalter Impfungen für unnötig oder unsicher hält. Für Deutschland gibt es keine repräsentativen Daten. Online-Umfragen gehen jedoch in eine ähnliche Richtung.
Dabei ist die Sache eindeutig: „Indem Sie Ihren Hund impfen, können Sie ihn vor einigen schwerwiegenden Infektionskrankheiten schützen“, schreibt der Verband für das Deutsche Hundewesen auf seiner Website. Nur durch weitreichende Impfprogramme habe sich das Vorkommen schwerer Erkrankungen zurückdrängen lassen – so wie bei der Tollwut. Es ist eine Sichtweise, die Tierarztverbände und Fachleute teilen.
Andreas Moritz ist einer von ihnen. Der Tiermedizin-Professor leitet die Kleintierklinik an der Universität Gießen. Als Mitglied der Ständigen Impfkommission Veterinärmedizin (Stiko Vet) erarbeitet er die Richtlinien, nach denen sich Tierärztinnen und Tierärzte richten. „Es gibt insgesamt viele tolle, sehr gut verträgliche Impfungen für Hunde“, sagt Moritz. Doch nicht jeden Hund müsse man zwangsläufig gegen alles immunisieren: „Unser Leitsatz lautet: ,So viel wie nötig, so wenig wie möglich.‘“
Die Stiko Vet beurteilt in einem Ampelsystem, welche Impfungen sie unter welchen Umständen empfiehlt. Immer ratsam ist demnach ein Schutz gegen Staupe, Parvovirose und Leptospirose – gefährliche Krankheiten, die im schlimmsten Fall tödlich verlaufen oder auf den Menschen übertragen werden können (Leptospirose).
Gegen diese Krankheiten sollten Hunde möglichst früh, ab der 8. Lebenswoche, immunisiert werden. „Der Anfangs-Impfschutz im Welpenalter ist am wichtigsten“, sagt Andreas Moritz. „Aber man kann Impfungen selbstverständlich auch später noch nachholen, zum Beispiel wenn man die Vergangenheit seines Hundes nicht kennt.“
Nach erfolgreicher Grundimmunisierung empfehlen die Herstellerfirmen (je nach Wirkstoff) Auffrischungen alle ein bis drei Jahre. Gegen Leptospirose ist eine jährliche Impfung erforderlich, da laut Richtlinie „der Schutz […] wesentlich kürzer anhält als der Schutz gegen Virusinfektionen.“
Zusätzlich empfiehlt das Fachgremium, Hunde gegen Tollwut, Hepatitis contagiosa canis (HCC), Parainfluenza (Zwingerhusten) und Bordetella (einen Erreger von Atemwegsinfektionen) impfen zu lassen. Wie nötig diese Impfungen sind, hängt von Haltungsbedingungen, Alter des Tieres und anderen Faktoren ab: Ist es nur zu Hause im gewohnten Umfeld unterwegs? Oder trifft es oft auf viele fremde Artgenossen, zum Beispiel in Tierpensionen, Hundetagesstätten oder auf Zuchtausstellungen?
„Tollwut-Importe wollen wir verhindern“
Beispiel Tollwut – eine tödliche Krankheit, mit der sich auch Menschen anstecken können. Während das Virus der terrestrischen Tollwut in Deutschland seit 2008 als ausgerottet gilt, ist dies noch nicht in allen Teilen Europas der Fall. Gerade wer einen Hund aus dem Ausland adoptiert, sollte daher auf einen entsprechenden Impfschutz achten. „Tollwut-Importe wollen wir unter allen Umständen verhindern“, sagt Moritz. „Man darf nicht pauschalisieren. Es gibt viele gute Tierschutzorganisationen, aber durch Kofferraum-Verkäufe kommen mitunter Krankheiten ins Land, die wir vorher nicht hatten.“
Nur in Ausnahmefällen rät die Stiko Vet zu Impfungen gegen die Canine-Herpesvirus-Infektion oder Dermatophytosen und Leishmaniose – je nachdem, in welches Land man reist und wie der Hund lebt. Zuchthündinnen oder Arbeitstiere haben andere Lebensumstände als reine Haushunde.
Für einen individuellen Impfplan empfiehlt der Experte grundsätzlich eine Beratung in der Tierarztpraxis.
Die Kosten richten sich in Deutschland nach der „Gebührenordnung für Tierärztinnen und Tierärzte“. Oft werden die Impfungen im Rahmen der jährlichen Untersuchung durchgeführt. Je nach Standort und Aufwand können Tierärztinnen und Tierärzte den ein- bis dreifachen Satz der Gebührenordnung abrechnen. Zudem ist nicht jede Impfung jährlich fällig.
Nimmt man alle Faktoren zusammen, muss man mit Kosten zwischen 50 und 120 Euro im Jahr rechnen. Manche Tierkrankenversicherungen übernehmen diese Kosten als Vorsorgeleistungen, andere tun dies nicht. In jedem Fall lohnt sich ein genauer Blick in die Versicherungsbedingungen, welche Impfungen unter welchen Umständen bezahlt werden.
So wirksam die Spritzen gegen gefährliche Krankheiten sind: „Auch moderne Impfstoffe können im Einzelfall Reaktionen an der Injektionsstelle oder Impfschäden hervorrufen“, erklärt die Bundestierärztekammer in einem Informationsblatt. Ein geschwächtes Immunsystem, falsche Ernährung, Vorerkrankungen, Medikamente oder Stress könnten zudem die Wirksamkeit der Vakzine beeinflussen.
Aber: „Der Nutzen von Impfungen überwiegt insgesamt deutlich die Risiken bekannter Nebenwirkungen“, heißt es weiter im Informationsblatt – ein Argument, das für Tiere und Menschen gleichermaßen gilt. Die gängigen Impfstoffe sind gut erforscht, sicher und verträglich.
„Weil viele Krankheiten seltener geworden sind, denken Tierhalter, sie können auf die Impfung verzichten“, so die Bundestierärztekammer. „Ein gefährlicher Irrtum. Wenn in zu großen Abständen oder gar nicht mehr geimpft wird, kann der Impfschutz der gesamten Tierpopulation zusammenbrechen.“
Auch wenn die Vorsorge dringend empfohlen wird: Eine gesetzliche Impf-Pflicht für Hunde gibt es in Deutschland nicht. „Allerdings schreibt die Tollwut-Verordnung vor, dass Hunde und Katzen, die Kontakt mit einem tollwutkranken Tier hatten, getötet werden müssen, wenn sie keinen wirksamen Impfschutz haben“, erklärt die Bundestierärztekammer.
Zwingend erforderlich ist ein Tollwutschutz auch bei Reisen ins europäische Ausland. Die Impfungen werden über einen Eintrag im EU-Heimtierausweis nachgewiesen. „Für Reisen in Länder außerhalb der EU wird oft verlangt, dass die Tollwutimpfung höchstens zwölf Monate alt sein darf“, erläutert die Bundestierärztekammer. „Auch weitere Impfungen, zum Beispiel gegen Staupe, werden von einigen Ländern gefordert.“ Nicht zuletzt verlangen viele Hundeschulen, Tierpensionen, Hundetagesstätten und ähnliche Einrichtungen einen aktuellen Impfschutz.