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WAS MACHT EIGENTLICH...

Durch seine Rolle als Jean-Luc Picard in der Serie „Star Trek“ (1987-94) erlangte Stewart weltweite Bekanntheit
Foto: picture alliance / Everett Collection

Patrick Stewart?

Nach über 60 Jahren im Rampenlicht hat der charismatische Star der Royal Shakespeare Company jetzt seinen Abschied von der Schauspielerei angekündigt. In dem Marvel-Blockbuster „Avengers: Doomsday“ hat der 86-Jährige seinen letzten großen Auftritt.

Wie kommt ein ausgewiesener Shakespeare-Darsteller eigentlich dazu, der Anführer einer Horde von Mutanten zu werden? Oder als Captain Jean-Luc Picard auf der Kommandobrücke des Raumschiffs Enterprise zu stehen? Auf diese Frage gibt Patrick Stewart sehr gerne und ausführlich Auskunft: „Die TV-Serie ‚Raumschiff Enterprise‘ war ein Zufall. Ich habe damals an einer Dramatik-Vorlesung der UCLA in Los Angeles teilgenommen, zu der mich ein Freund und Universitätsprofessor eingeladen hatte. Ich las ein paar Passagen aus diversen Shakespeare-Stücken vor und holte mir die 100 US-Dollar Gage ab, die ich gleich anschließend mit meinem Freund auf den Kopf haute – für ein Abendessen in Beverly Hills. Am nächsten Tag bekam ich einen Anruf mit der Anfrage, ob ich mich vielleicht mit dem ‚Raumschiff Enterprise‘-Erfinder Gene Roddenberry zum Lunch treffen wollte. Ich hatte absolut keine Ahnung, wer das war, bin aber aus reiner Neugier hingegangen. Kurze Zeit später hielt mir mein amerikanischer Agent einen Vertrag unter die Nase – mit einer exorbitanten Gage pro Episode. Das konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen.“

Macbeth, Othello oder Heinrich IV.

Sir Patrick Stewart im Februar 2023 bei der Premiere der dritten und letzten Staffel der Paramount+-Originalserie „Star Trek: Picard“ in Hollywood
Sir Patrick Stewart im Februar 2023 bei der Premiere der dritten und letzten Staffel der Paramount+-Originalserie „Star Trek: Picard“ in Hollywood - Foto: picture alliance / Photoshot

Der riesige Erfolg der TV-Serie sowie der vier „Raumschiff Enterprise“-Kinofilme, die darauf folgten, bescherte Patrick Stewart zudem eine weitere sehr lukrative Rolle, nämlich die des Charles Xavier alias Professor X. Diesen Super-Telepathen im Rollstuhl verkörperte er in insgesamt sieben „X-Men“-Filmen und Spin-offs bis ins Jahr 2017. Der Ruhm, ein Hollywoodstar zu sein, kam für ihn relativ spät, nämlich erst mit 44 Jahren. Vorher hatte er zwar auch schon in einigen TV- und Kinofilmen mitgespielt, allerdings mit eher überschaubarem Erfolg. So war er unter anderem in der König-Artus-Verfilmung „Excalibur“ (1991) und in David Lynchs Film „Der Wüstenplanet“ (1984) zu sehen. Was allerdings kein großes Echo hervorrief. Doch das nahm er damals ziemlich locker. Denn sein Schwerpunkt als Schauspieler lag seit seinem 26. Lebensjahr ganz eindeutig auf der Theaterbühne. Von 1966 bis 1982 gehörte er zur Stammbesetzung der renommierten Royal Shakespeare Company und wurde dort mit klassischen Titelrollen wie Macbeth, Othello, Prospero und Heinrich IV. zum Star. Außerdem feierte er im Laufe der Jahre auch am Broadway und am Londoner West End wahre Triumphe, so zum Beispiel 2009 in dem bekannten Stück „Warten auf Godot“, in dem er an der Seite seines Freundes Ian McKellen spielte. Vom erklärten Atheist Ian McKellen wurde Patrick Stewart 2013 sogar höchstpersönlich getraut – in dritter Ehe, mit der Jazz-Sängerin Sunny Ozell.  Aus der ersten Ehe, mit der Choreographin Sheila Falconer, mit der Patrick Stewart von 1966 bis 1990 verheiratet war, stammen ein Sohn und eine Tochter. 

Für Patrick Stewart ist es noch heute ein Wunder, dass er Schauspieler geworden ist. Denn als Kind hat er viel häusliche Gewalt erlebt. Sein Vater, ein Kriegsveteran, der mit einer Kriegsneurose aus dem Zweiten Weltkrieg zurückkam, hat Patrick und seiner Mutter das Leben zur Hölle gemacht. Die sinnlosen Aggressionen seines Vaters haben ihn noch lange belastet. Erst viel später hat er verstanden, dass der Grund dafür das Kriegstrauma gewesen war. Doch diese Erfahrungen haben ihn, wie er sagt, dafür sensibilisiert, dass er sich auch öffentlich für eine fairere, tolerantere und gewaltlose Gesellschaft stark machte. Er unterstützt seit Jahren Amnesty International und ist Schirmherr einer Organisation gegen häusliche Gewalt.

Chronische Schwindelanfälle

Patrick Stewart hat in seinem Leben viele Auszeichnungen bekommen. Seit ihn die Queen 2010 zum Ritter geschlagen hat, darf er sich sogar Sir Patrick Stewart nennen. Bei besagtem Anlass verwies Stewart in seiner Dankesrede auf seine großen Schauspiel-Vorbilder, Sir Laurence Olivier, Sir John Gielgud und Sir Alec Guinness, und betonte, dies sei „das Großartigste, das mir beruflich je passiert ist, dass ich durch den Ritterschlag mit ihnen in einer Reihe stehen darf“. 

Aber Eitelkeiten oder gar Dünkel sind ihm völlig fremd. Im persönlichen Gespräch ist er der vollendete Gentleman, der für sein Gegenüber stets lebhaftes Interesse zeigt und auch selbst sehr gerne Auskunft über sein bewegtes Leben gibt. Im Jahr 2023 hat er mit „Making it So – A Memoir“ seine berührende Autobiographie veröffentlicht. Auch seinen Humor hat er sich zweifellos bis ins hohe Alter bewahrt. Auf die Frage „Wie würden Sie wohl Ihre gegenwärtige Geistesverfassung beschreiben?“ antwortete er im Gespräch mit einem milden Lächeln: „Freischwebend zwischen jugendlicher Hoffnung und echter Verzweiflung.“

Seit einiger Zeit leidet der 86-Jährige nun an chronischen Schwindelanfällen, die ihn, wie er bekannt gab, im Alltag dauerhaft begleiten. Er lebt mit seiner Frau Sunny schon seit vielen Jahren in New York City und nimmt dort, wann immer es seine Gesundheit erlaubt, am regen kulturellen Leben teil. Außerdem hat er es sich nicht nehmen lassen, als krönenden Schlusspunkt seiner erfolgreichen Schauspielerkarriere nun seine ikonische Mutanten-Rolle als Professor X noch ein allerletztes Mal zu spielen. Und zwar in der mit viel Spannung erwarteten Marvel-Comic-Verfilmung „Avengers: Doomsday“, die dieses Jahr im Dezember in die Kinos kommt. 

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