Wer Vielfahrer mit E-Autos begeistern will, muss ordentlich Leistung und Reichweite bieten. Der neue Zeekr 7X liefert da einiges. Doch reicht die Performance gegen die starke Konkurrenz?
Zur Premiere darf man sich ruhig mal schick machen. Stylisch sieht der Zeekr 7X aus, der Farblook in „Forest Green“ steht ihm gut. Der Auftritt des China-SUV ist sportlich und elegant zugleich, dabei wirkt manches vom Design bekannt – etwa die breiten Leuchtbänder an Front und Heck und die geschmeidige Coupé-Silhouette. Hat da etwa jemand etwas bei Tesla abgeschaut? Oder gar bei Porsche?
Fahrer von Dienstwagen stehen im Fokus
Zeekr (für das englische „Seeker“) heißt so viel wie Suchender. Der kryptische Name löst bei den meisten Menschen wohl noch Stirnrunzeln aus. Zeekr, was? Doch der Hersteller, der wie Volvo, Polestar oder auch Smart zum chinesischen Geely-Konzern gehört, will hierzulande bald so bekannt und selbstverständlich sein wie ein Smartphone aus Fernost. Dabei möchte Zeekr keineswegs den Eindruck erwecken, dass die Autos nur gut kopierte Billigware seien. Vielmehr wolle man der Kundschaft „Premium-Elektromobilität“ bieten, erklärt der Hersteller selbstbewusst: mit leistungs- und reichweitenstarken Autos, die auch für längere Autobahnstrecken taugen.
Im besonderen Fokus von Zeekr stehen dabei die deutschen Dienstwagen-Fahrer, deren Ansprüche hoch sind, da sie viel Zeit im Auto verbringen. Deutschland ist Europas größter Firmenwagenmarkt. Fast zwei Drittel aller Neuzulassungen entfallen auf gewerbliche Kunden, und der Anteil batterieelektrischer Dienstwagen nimmt weiter zu. „Für Zeekr ist dies ein strategisch optimaler Zeitpunkt, ein Angebot zu platzieren, das Reichweite, Ladeleistung, wirtschaftliche Planbarkeit und Alltagstauglichkeit für Flotten in den Mittelpunkt stellt“, erklärt das Unternehmen.
Gut auszusehen allein reicht in diesem hart umkämpften Segment also nicht aus. Das ehrgeizige Ziel der Chinesen: Mit dem Zeekr soll das Laden (fast) so schnell wie das Betanken werden. Im Idealfall zapft der 7X mit bis zu 480 Kilowatt Leistung Strom. Dann dauert es nur 13 bis 16 Minuten, bis der Akku wieder von zehn auf 80 Prozent aufgefüllt ist. So schnell ist man an der Raststätte kaum von Toilette und Kaffeeholen zurück.
Doch dafür müssen die Ladesäulen technisch entsprechend ausgerüstet sein, die meisten in Deutschland bieten derzeit maximal 350 Kilowatt. Zum Test fahren wir eine Station in Berlin-Mitte unweit des Hauptbahnhofs an. Der neue Flagship-Store von Total Energies bietet 18 Ladeplätze, an denen Elektroautos mit einer Leistung von jeweils bis zu 400 Kilowatt aufladen können. Doch bei der Stippvisite enttäuscht der Zeekr 7X. Mit maximal 180 Kilowatt saugt er frische Energie. Vielleicht liegt es daran, dass der Akku beim Anstöpseln noch mit 39 Prozent gefüllt ist. Oder die Batterie war nicht optimal vorgewärmt fürs Laden.
Dafür bietet der Zeekr 7X Fahrleistung bis zum Abwinken. Schon die Basisvariante „Core“ ist mit 421 PS nicht langsam. In der getesteten Top-Version „Privilege“ mit zwei E-Motoren und Allradantrieb sind es satte 646 PS. Wer als Vielfahrer bislang Turbodiesel gewöhnt war, dürfte die Beschleunigung in diesem High-End-Stromer als rasant bis wahnwitzig empfinden: In 3,8 Sekunden treibt es den Wagen von 0 auf 100 Kilometer pro Stunde.
Von 0 auf 100 in nicht mal vier Sekunden
Auf solche Beschleunigungswerte kamen früher nur Supersportwagen wie ein Ferrari F50 oder Porsche 959. Heute schaffen das Mittelklasse-Elektroautos wie der Zeekr 7X. Dabei hält sich der Stromverbrauch durchaus in Grenzen. 21,6 Kilowattstunden zeigt der Bordcomputer nach 100 Kilometern an. Das ist kaum mehr als die offiziell angegebenen 19,9 Kilowattstunden und recht wenig für ein Auto mit dieser Performance.
Der Zeekr 7X läuft in China vom Band, aber entwickelt und designt wurde er im schwedischen Göteborg – dem Hauptsitz der Traditionsmarke Volvo. In der elektrifizierten Business-Class war Tesla mit effizienten und reichweitenstarken Modellen jahrelang der Maßstab. Auch die deutschen Hersteller werden allmählich konkurrenzfähig. Mercedes brachte mit CLA und GLC seine ersten beiden Stromer mit 800-Volt-Bordnetz auf den Markt, die besonders schnelles Laden mit über 300 Kilowatt Leistung und Reichweiten von 700 Kilometern schaffen. Noch eins drauf setzt BMW mit seiner „Neuen Klasse“: Der iX3 zapft Strom mit bis zu 400 Kilowatt Leistung und soll bis 800 Kilometer weit kommen. Doch das hat seinen Preis: Unter 70.000 Euro sind Mercedes GLC und BMW iX3 in leistungsstarken Varianten nicht zu haben, mit einigen Extras sind auch schnell 85.000 Euro und mehr erreicht.
Der Zeekr 7X ist ab 54.990 Euro erhältlich und bietet in der Long-Range-Version bis zu 615 Kilometer Reichweite. Die Edel-Version Privilege schafft „nur“ 543 Kilometer, hat dafür aber eine Top-Leistung und kostet 64.990 Euro. Allerlei Extras sind dann inklusive, von Nappaledersitzen über 21-Zoll-Leichtmetallräder bis zum Panorama-Glasdach. Wer Highlights wie belüftete Massagesitze oder elektrische Türen haben will, die sich auf Knopfdruck öffnen, muss das Komfort-Paket für 1.900 Euro dazubuchen. Head-up-Display, Soundsystem mit 21 Lautsprechern und ein „Duftsystem“ für bessere Luft im Innenraum gibt es nur mit dem „Advanced Cockpit Paket“ für 1.400 Euro Aufpreis.
China holt auch in Sachen Service auf
Dennoch geht der Zeekr 7X auch dann noch als relativ preiswert durch, denn er bietet viel E-Auto fürs Geld. Ob man im Alltag 645 PS braucht, sei dahingestellt. Bemerkenswert ist, wie souverän das SUV seine extreme Performance auf die Straße bringt. Selbst bei hohen Geschwindigkeiten bleibt der Zweieinhalb-Tonner gut in der Spur, beim Handling zeigt er sich agil. Dazu fühlt er sich ausgesprochen komfortabel an. Während Tesla-Fahrer häufig über polternde Fahrwerke klagen, reist man im Zeekr 7X angenehm gedämpft. Eine aktive Luftfederung ist beim Privilege serienmäßig, sie bügelt unebene Stellen auf der Fahrbahn fein aus. Ein Tesla Model Y bietet nicht so viel Fahrkomfort.
Auch die elektronischen Fahrassistenten des Zeekr 7X geben sich Mühe, die extreme Performance des SUV zu kontrollieren. Bei strömendem Regen auf der Autobahn behält der Bordcomputer den Durchblick. Der Spurhalteassistent lenkt etwas rüde ein. Schwer von Verstand ist indes der „intelligente“ Sprachassistent. Schon bei diktierten Navi-Adressen zeigt sich die KI überfordert, auch auf die meisten anderen Befehle wird mit Fragezeichen reagiert.
Überhaupt wirkt die Bedienungssoftware im Zeekr-Cockpit nicht wie der neueste Schrei. Dabei gelten die China-Stromer doch als die neue Benchmark, was das digitale Fahrerlebnis betrifft. Auch wären ein paar mehr klassische Schalter und Knöpfe schön. Doch beim 7X geht ohne den zentralen Touchscreen nicht viel. Selbst fürs Einstellen der Rekuperationsstufe muss man umständlich ins Untermenü, der Sprachassistent kann auch nicht helfen. Auch die oft falsche Verkehrszeichenerkennung ist beim Zeekr eine nervige Dauerbaustelle.
Da können Zeekr-Fahrer nur auf baldige Over-the-Air-Updates hoffen, die die Fahrzeuge technisch auf dem neuesten Stand halten sollen. Für Wartung und Reparaturen will der Hersteller ein Werkstattnetz aufbauen, das bis Mitte des Jahres bundesweit rund 100 Servicestellen umfassen soll. Dabei kooperiert Zeekr mit Global Automotive Service (G.A.S.), einem Werkstatt- und Ersatzteile-Spezialisten mit Sitz in Essen.
Das dichte Servicenetz war bislang das große Plus von etablierten Marken wie VW, BMW oder Mercedes. Nun holen die China-Wettbewerber auch in diesem Bereich auf. Neben Zeekr bauen auch BYD und Xpeng ihre Werkstattnetze aus. Letztere legen auch beim Laden die Messlatte immer höher. Die neuesten Xpeng-Modelle laden bereits mit über 500 Kilowatt Leistung. BYD stellt das Megawattladen mit über 1.000 Kilowatt in Aussicht. Das könnte bald Reichweiten von 400 Kilometern in nur fünf Minuten Ladezeit ermöglichen. Da wirkt der Zeekr 7X mit seinen 480 Kilowatt schon gar nicht mehr so innovativ. Der Wettbewerb auf dem Elektroauto-Mark ist und bleibt enorm hart. Die Kunden können davon eigentlich nur profitieren.