Reden wir mal nicht über Hitzewellen. Darüber reden schließlich derzeit alle – wenn sie nicht hitzegeplagt schlicht zu platt sind.
Es gibt andere Themen, die ebenso hitzige Debatten versprechen. Verbotsdebatten zum Beispiel.
Verbote rufen regelmäßig allergische Reaktionen hervor. Zu Recht. Wir leben schließlich in einem freien Land. Da lassen wir uns ungern irgendwas verbieten oder vorschreiben. Wir sind ja auch nicht umsonst die letzte Zuflucht fürs Rasen auf Autobahnen (wenn uns nicht Baustellen ausbremsen).
EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen dachte an Sicherheitsgurte und Airbags, als Experten ihre Empfehlungen zu Umgang mit Social Media vorstellten. Die haben zwar keine Airbags gefordert, dafür Zugangsbeschränkungen für junge Menschen.
Vier bis sechs Stunden täglich verbringen junge Menschen in Europa im Durchschnitt auf Social Media. Die Folgen sind zu besichtigen. Auswirkungen auf Gehirn – und Persönlichkeitsentwicklung sind hinreichend belegt – übrigens weltweit.
Hätte von der Leyen den Vergleich mit Alkohol gewählt, es wäre plausibler gewesen. Dass die Gestaltung der Algorithmen abhängig macht, ist in den USA sogar richterlich festgestellt.
Aber das ist eben nur ein Teil der Wahrheit.
Der Deutsche Ethikrat ist schon vor Wochen sehr viel weiter gegangen.
Er empfiehlt zwar auch Schutzkonzepte mit Altersbestimmungstechnologien, die greifen, im Gegensatz zu den derzeit teils lustigen Altersabfragen.
Aber er empfiehlt auch – Überraschung! – Kinder und Jugendliche bei Entscheidungen über digitale Aktivitäten einzubeziehen.
Politik hätte demnach eine andere Aufgabe: „Anbieter stärker in die Pflicht nehmen“, auch „gegen alle Widerstände“.
Algorithmen sind schließlich keine unveränderlichen Naturkonstanten. Junge Menschen sind nicht Schuld an raffinierten Gewinnmaximierungsprogrammierungen. Sie wissen aber sehr gut, auch die vielen positiven Möglichkeiten kreativ zu nutzen. Und sind im Zweifel raffiniert genug, Verbote zu umgehen – siehe Australien.
Geschützt werden müssen sie vor suchtfördernden Algorithmen, Manipulation, Gewalt, Pornografie, Extremismus. Da muss sich Politik mit den Anbietern anlegen. Nicht leicht, zugegeben. Alles andere sieht sehr nach Symptombehandlung aus.