Der Schmerz bei vielen Gästen war groß, als das „Café Kostbar“ im Nauwieser Viertel in Saarbrücken schloss. Viele Gäste hatten diese Adresse in ihr Herz geschlossen. Was wird es in Zukunft hier geben, fragten sich viele? Die Antwort: „Musaiq“.
An einem schönen Dienstagabend besuchte ich das neue Restaurant „Musaiq“ im Nauwieser Viertel und war von der Vielfältigkeit der Küche hier begeistert. Die Gastgeber, Chefkoch Simo El Adraoui, geboren in Marokko, und seine Stellvertreterin Susanne Ehrhardt, begrüßten mich und erklärten mir ihr Konzept. Simo El Adraoui erzählte: „Ich kam 2014 mit 19 Jahren als Student nach Deutschland. Ich studierte in Marokko Informatik. In Saarbrücken dann Medieninformatik. Meine erste Arbeitsstelle als Student war im ‚Café Kostbar‘. Es machte mir viel Spaß, und ich ging ganz in die Gastronomie. Ich liebe es. Meine Eltern verstanden es damals nicht, heute verstehen sie mich.“ Später machte er extern die Ausbildungsprüfung als Koch, so ernst nahm er das.
Der Name „Musaiq“ spielt sehr wahrscheinlich auf das Wort „Mosaik“ an – also ein Kunstwerk, das aus vielen einzelnen Steinen zu einem harmonischen Ganzen zusammengesetzt wird. Das Konzept des Hauses passt sehr gut zu dieser Symbolik. Im Fall des Restaurants in der Nauwieserstraße 19 bedeutet „Musaiq“ sinnbildlich: Verschiedene Kulturen begegnen sich, orientalische und europäische Küchen verschmelzen, Menschen unterschiedlicher Herkunft kommen an einem Tisch zusammen, traditionelle Rezepte werden mit modernen Ideen kombiniert.
Gerade das entspricht dem, was ich bereits an der Küche beschrieben habe: marokkanische Klassiker, europäische Einflüsse, vegane Gerichte und sogar eine Paella als Tagesgericht – ein kulinarisches Mosaik aus vielen Regionen.
Ich finde deshalb, der Name ist sehr gelungen. Er vermittelt Offenheit, Vielfalt und Gastfreundschaft – Eigenschaften, die gut zum Kultur- und Werkhof in der Nauwieserstraße 19 mit all seinen vielen Nachbarorganisationen und Verbänden zum Gedanken des Miteinanders passen. Genau dieses „Mosaik der Aromen und Kulturen“ macht den Reiz des Restaurants aus. Das „Musaiq“ verfolgt einen spannenden Ansatz: Es verbindet die Aromen Marokkos mit modernen europäischen Kochtechniken und einer zeitgemäßen Präsentation. Das Restaurant wird deshalb häufig als Fusions- oder Crossover-Küche beschrieben.
Die marokkanische Küche lebt vor allem von ihrer Gewürzharmonie, nicht von Schärfe. Kreuzkümmel, Koriander, Zimt, Kurkuma, Ingwer, Safran und Ras el-Hanout verleihen den Speisen Tiefe und Wärme. Im „Musaiq“ werden diese Gewürze meist zurückhaltend eingesetzt, sodass sie europäische Gäste nicht überfordern, sondern den Eigengeschmack der Zutaten unterstreichen.
Typisch sind Vorspeisen wie Hummus, verschiedene Mezze oder Salate mit frischen Kräutern und hochwertigem Olivenöl. Dazu kommen oft knuspriges, selbst gebackenes Brot oder hausgemachte Dips – ideal zum Teilen, wie es in Nordafrika und im Mittelmeerraum Tradition hat.
Bei den Hauptgerichten trifft man auf Klassiker wie Merguez oder langsam geschmortes Fleisch, das jedoch mit europäischen Beilagen kombiniert wird. So werden etwa hausgemachte Pommes, frische Salate oder eine feine Safran-Mayonnaise neben einer würzigen Harissa serviert. Das verbindet marokkanische Würze mit französisch-europäischer Küchenkultur.
Mango-Apfel-Tomaten-Rote-Bete-Salat mit drei verschiedenen Dips - Foto: Astrid Karger
Ein weiterer feiner Unterschied liegt in der Zubereitung: Während in Marokko viele Gerichte traditionell im Schmorgefäß Tajine langsam garen, setzt die europäische Küche stärker auf präzise Garzeiten und ein elegantes Anrichten. Das Ergebnis überzeugte mich und wirkt leichter und moderner. Auch die Desserts schlagen diese Brücke. Neben orientalischen Aromen wie Orangenblüte oder Zimt finden sich europäische Klassiker – etwa eine vegane Mousse au Chocolat –, die mit nordafrikanischen Gewürznoten verfeinert werden.
Auch Weine von Saar und Mosel
Sehr gut passt dazu eine sorgfältig ausgewählte Weinkarte. Gerade französische und mediterrane Weine harmonieren ausgezeichnet mit den aromatischen Speisen. Allerdings legen sie hier Wert auf regionale Produkte und haben auch Weine von Saar und Mosel. Gäste loben außerdem den ruhigen Innenhof, das freundliche Team und die kreative Küche. Der Hof ist einer der schönsten Saarbrückens. Hier wird nicht nur marokkanische Küche gekocht, sondern eine kulinarische Brücke zwischen Marrakesch, Paris und Saarbrücken geschlagen. Die Küche wirkt weltoffen, aromatisch und gleichzeitig angenehm leicht – ein schönes Beispiel dafür, wie Orient und Okzident heute auf einem Teller zusammenfinden.
Dann höre ich: Sie sind gerade dabei, Paella vorzubereiten. Paella stammt zwar ursprünglich aus Valencia in Spanien, fügt sich aber sehr gut in die mediterrane Philosophie dieses Restaurants ein. Schließlich haben sich über Jahrhunderte die Küchen Spaniens, Marokkos und Frankreichs gegenseitig beeinflusst. Gewürze wie Safran, Kreuzkümmel oder Paprika sowie die Vorliebe für Reis, Gemüse und frische Kräuter verbinden diese Regionen.
Es versteht sich nicht nur als marokkanisches Restaurant, sondern bietet auch eine bemerkenswerte Auswahl vegetarischer und veganer Gerichte: „Musaiq“ wird sogar als vegetarisch orientiertes Restaurant geführt.
Auch eine vegane Küche passt hervorragend zur marokkanischen Tradition. Anders als viele vermuten, basiert die Alltagsküche Marokkos seit Jahrhunderten zu einem großen Teil auf Gemüse, Hülsenfrüchten und Getreide. Kichererbsen, Linsen, Auberginen, Zucchini, Paprika, Tomaten und Möhren spielen eine Hauptrolle – Fleisch war früher oft nur an Festtagen auf dem Tisch. Charakteristisch ist auch der Einsatz hochwertiger Olivenöle, Zitronensaft, Granatapfel und Nüsse. Sie verleihen den Speisen Eleganz, ohne dass Butter oder Sahne nötig wären. Dadurch entstehen Gerichte, die aromatisch, aber dennoch leicht sind.
Paella ohne Fleisch passt gut ins Konzept
Im „Musaiq“ sind vegane Gerichte keine Zugeständnisse an einen Ernährungstrend. Sie gehören zum kulinarischen Erbe Nordafrikas. Die moderne europäische Küche verleiht ihnen lediglich eine zeitgemäße Form. So entsteht eine Küche, die leicht, aromatisch und weltoffen ist – und zeigt, dass Genuss auch ohne Fleisch eine große geschmackliche Vielfalt haben kann. Eine Paella im „Musaiq“ ist daher mehr als ein spanischer Klassiker. Sie steht sinnbildlich für die Idee des Hauses: Kulinarische Grenzen spielen keine Rolle – entscheidend sind Qualität, Frische und das harmonische Zusammenspiel der Aromen.
Wenn die Paella zudem mit viel Gemüse zubereitet wird, passt sie ausgezeichnet ins vegetarisch-vegane Konzept des Restaurants. Artischocken, Paprika, grüne Bohnen, Erbsen, Tomaten und Safran ergeben ein farbenfrohes Gericht, das zeigt, wie vielseitig die mediterrane Küche sein kann. Eine vegane Paella ist heute längst keine Ausnahme mehr, sondern eine vollwertige Spezialität.
Die Fotografin und ich bestellten. Wir starteten, liebevoll in kleinen Tajinen serviert, mit Antipasti à la „Musaiq“: mediterranes Grillgemüse, getrocknete Tomaten, Edelpilze, marinierte Oliven, Granatapfelkerne, Dip nach Wahl. Schmeckte uns alles sehr gut. Dann nahm die Fotografin Lachsfilet mit Belugalinsenragout, Drillingen, dazu Rote-Bete-Zitronen-Hollandaise. Sie war begeistert und sagte, dieser Lachs sei ein sehr guter gewesen. Ich nahm Pfifferling-Safran-Risotto: geschmorte Tomaten, Pfifferlinge, Zwiebeln und Basilikum. Hammergut!
Wir waren so satt, dass wir uns das Dessert teilten: Pistazienparfait auf Vanillesauce mit frischen Erdbeeren. Selten ein so gut abgestimmtes Dessert gegessen. Denn: Die Portionen hier schmeckten nicht nur sehr gut, sie kamen auch sehr üppig daher.
Danke auch noch den freundlichen und kompetenten Servicekräften: Sie gestalteten uns einen herrlichen Abend.