Die zweite große Hitzewelle ist erst einmal vorbei. Tage und Nächte sind erträglicher. Zeit zum Durchschnaufen?
Von wegen!
Da ist ja noch Jens Spahn, korrekter: war.
Was bleibt, ist die Leihmutter-Diskussion. Und gleich noch ein paar Diskussionen hinterher.
Über Familienglück, das unter bewusster Umgehung von Regeln, an die andere sich gefälligst halten sollen, erkauft wird.
Oder über die, die sich überrascht zeigten ob der heftigen Reaktionen. Der Kanzler etwa, der auch schon mal überrascht war über Reaktionen auf sein Stadtbild.
In der ganzen Affäre kommen so viele Triggerpunkte zusammen, dass sich keiner wundern darf über Langzeitfolgen und Glaubwürdigkeitsverlust.
Auch nicht darüber, dass einige davon profitieren könnten, die selber mehr als nur ein Glaubwürdigkeitsproblem haben. Nur an der Stelle scheint es keinen aufzuregen, vielleicht, weil man dort auch nicht viel anderes erwartet.
Zu all dem schlägt das Desaster zu einer Zeit ins Kontor, in der die Koalition erstmals den Eindruck gemacht hat, als könnte sie ihrem eigenen Anspruch als „Arbeitskoalition“ zumindest in Teilen gerecht werden.
An der Stelle liegt nun wohl auch die einzige Ansatzmöglichkeit zur Schadensbegrenzung. Der Kanzler müsste nur sich selbst beim Wort nehmen bei Personalentscheidungen.
Die letzten Monate haben hinreichend Anhaltspunkte geliefert für eine neue Startelf (die WM hängt noch nach). Kriterien müssen zuvörderst Glaubwürdigkeit, aber auch Zukunftsorientierung sein. Wer für eine rückwärtsgewandte Politik und zudem unter begründbarem Lobbyismusverdacht steht, wird derlei Kriterien kaum erfüllen.
Es war ohnehin ein Problem, ein Thema, das die klare Mehrheit generationenübergreifend und dauerhaft bedrängt, geradezu ignorant zu behandeln: Klimaschutz.
Wenn wir dabei nicht erfolgreich sind, nutzen uns alle jetzt geplanten Reformen auch nicht mehr allzu viel.
Was keine zu weit hergeholte Zuspitzung ist. Und im Übrigen den allermeisten auch ohne extreme Hitzewelle klar ist.
Vielleicht ist alles nicht ganz so schlecht, dass nicht doch etwas Gutes daran wäre. Es gibt eine Chance auf einen Neustart.