Hitzewellen belasten alle. Für vulnerable Gruppen können sie lebensgefährlich sein. Kliniken und Pflegeeinrichtungen stellen sich zunehmend auf die Folgen des Klimawandels ein. Für Pflegebedürftige zu Hause kann es richtig problematisch werden.
Die Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) sprechen eine eindeutige Sprache. Demnach hat die Hitzewelle Ende Juni in Deutschland geschätzt 4.000 hitzebedingte Todesfälle verursacht, so die Modellrechnung des RKI zur sogenannten Hitzemortalität. Nach einer ähnlichen Rechnung des Statistischen Bundesamts könnte die tatsächliche Zahl der Todesfälle bei fast 7.000 Fällen von Übersterblichkeit innerhalb von zwei Wochen liegen. In der Hauptsache waren es ältere Menschen mit diversen Vorerkrankungen, die der Hitze zum Opfer fielen. Was die Zahlen nicht aufschlüsseln, ist, inwieweit dieser Personenkreis in Krankenhäusern, Pflegeheimen oder zu Hause während der Hitze kollabiert ist und jede Hilfe zu spät kam.
In den Krankenhäusern, zumindest in Berlin, gibt es überwiegend keine zentralen Klimaanlagen in allen Räumen, sondern nur in bestimmten Bereichen. Doch besonders hitzeempfindliche Patienten konnten wenigstens zum Teil in andere Räume verlegt werden, was auch dem Personal, das schließlich rund um die Uhr für die Patienten da ist, zugutekam.
Vom Bundesgesundheitsministerium gibt es einen Musterhitzeschutzplan für Krankenhäuser, der sofort greift, wenn der Deutsche Wetterdienst eine entsprechende Hitzewarnung ausgibt. Dazu gehören Hitzebeauftragte, also Verantwortliche, die bei Hitzewarnung die festgelegten Notfallpläne aktivieren, wonach unter anderem die Arbeitsabläufe angepasst werden. Schwere körperliche Arbeiten oder Transporte zum Beispiel werden in die kühleren Morgen- oder Abendstunden verlegt. Das Personal erhält zusätzliche Pausen zum Abkühlen, die Bekleidungsvorschriften werden gelockert.
Für die Patienten gilt ebenfalls eine Warnstufe. Dann wird verstärkt darauf geachtet, dass mehr getrunken wird, bei Überhitzungsanzeichen werden sie sofort in andere Räume umgebettet. Ähnliches gilt auch für die stationären Pflegeunterkünfte, auch dort sind Klimaanlagen eher die Ausnahme.
Doch bei Außentemperaturen um die 40 Grad reichen die üblichen Maßnahmen nach spätestens drei, vier Tagen nicht mehr aus. Den Betreibern von Kliniken und Heimen ist bewusst, dass für den Hitzeschutz der Zukunft mehr getan werden müsste, was massive bauliche Veränderungen zur Folge hätte, wenn etwa nachträglich zentrale Klimaanlagen eingebaut würden. Wenn das nicht möglich ist, müssten mobile Klimageräte angeschafft oder Kälteinseln in den Häusern geschaffen werden. Außerdem müsste mit Verschattung von außen, zum Beispiel durch Außenjalousien, mit speziellen Hitzevorhängen, oder, wenn es gar nicht anders geht, mit Hitzefolien an den Fenstern Vorsorge getroffen werden.
Bauliche Maßnahmen, die viel Geld kosten – und das ist bekanntermaßen bei den Kliniken und Pflegeinrichtungen knapp. Wie knapp, das haben noch einmal die jüngsten Diskussionen um Krankenhaus- und Pflegereform deutlich gezeigt. Fast noch schwieriger stellt sich die Situation in der ambulanten Pflege, also meist Pflege zu Hause, dar. Dieses Modell wird seit Jahren von den Gesundheitspolitikern favorisiert, da die stationären Pflegeplätze knapp und teuer sind. Doch in den letzten Hitzewochen kamen nicht nur die Pflegebediensteten, die von Haus zu Haus unterwegs sein müssen, an ihre Grenzen. Sie treffen oft auf Pflegebedürftige in Wohnungen, die auf solche Temperaturen überhaupt nicht vorbereitet sind.
„Kühle Räume“ oft kaum erreichbar
Und wenn dann Pflegedienste in weiser Voraussicht kleine, mobile Klimageräte, die man einfach in die Steckdose steckt, anschaffen wollten, waren diese bereits eine Woche vor der Hitzewelle in den Baumärkten ausverkauft, berichtet die Leiterin eines Steglitzer Pflegedienstes in Berlin. „Und wir hatten Personen in Dachgeschosswohnungen, die wir dann buchstäblich an den beiden heißesten Tagen wegen akuter Lebensgefahr mit Hilfe der Feuerwehr evakuieren und ins Krankenhaus bringen mussten.“ Die Pflegedienstleiterin erzählt, selbst wenn es tatsächlich genügend Kälteräume geben würde, um die gefährdeten Personen zumindest für ein paar Stunden dort unterzubringen, bekommt man derzeit so eine Hitzelage nicht in den Griff. Wie man den Hitzeherausforderungen in Zukunft begegnen will, ist auch ihr ein Rätsel.
Am Ende stoßen dann auch Ideen, die auf den ersten Blick vielleicht einleuchten, auf kaum überwindbare Hürden. Zum Beispiel die Idee, Menschen zumindest vorübergehend aus ihren überhitzten Wohnungen in kühle U-Bahnhöfe, in Kirchen oder klimatisierte Shoppingcenter zu bringen. Pflegebedürftige sind in aller Regel auch in ihrer Mobilität eingeschränkt, sie wären auf Fahrdienste angewiesen, die dann erwartungsgemäß hoffnungslos überfordert wären. Und wer sollte dann die Versorgung und Betreuung vor Ort übernehmen? Pflegedienste dürften das zusätzlich schon rein personell kaum schaffen können. Und wenn sie es mit größtem Bemühen doch hinbekämen: So etwas ist im Leistungskatalog der Pflegeversicherung nicht vorgesehen.