Klimaschutz wird dort konkret, wo das Leben spielt: in Städten und Gemeinden. Klimaschutzkonzepte sind in Kommunen längst Alltag. Hitzeschutzkonzepte im Grunde auch. Die Umsetzung geht allerdings nicht von heute auf morgen.
Fs ist eines der ältesten und prominentesten Leitmotive, seit es Umwelt- und Klimaschutzbewegungen gibt: „Global denken – lokal handeln“. Es ist die Aufforderung an jeden Einzelnen, im eigenen Nahbereich einen Beitrag zu leisten. Viele kleine Maßnahmen können zusammen auch einen wichtigen Beitrag zum Erreichen großer Ziele sein.
An Mülltrennung im Haushalt haben wir uns nach großen Diskussionen inzwischen routinemäßig gewöhnt – auch wenn es noch nicht immer perfekt läuft. Solarpaneele auf dem Dach, gekoppelt mit einer Wärmepumpe, gehören auch zu den Dingen, die zeigen, wie viel im eigenen privaten Bereich möglich ist als Beitrag zum großen Ziel der Klimaneutralität.
Bei diesem Ziel spielen Kommunen eine wichtige Rolle, eine wichtigere vielleicht, als so manchem bewusst ist. Hier kommen nämlich alle Akteure unmittelbar zusammen und entscheiden über konkrete Projekte, die das Alltagsleben der Bürgerinnen und Bürger prägen. Entsprechend groß ist ihr Einfluss, wenn es darum geht, Klima- und Umweltschutz voranzubringen.
Das ist nicht immer stressfrei, im Gegenteil. Im konkreten Alltag treffen nun mal die unterschiedlichsten Interessen aufeinander. Ob das nun Mobilitäts- oder Wohnraumfragen, wirtschaftliche oder soziale und viele anderen Aspekte mehr sind, die abgewogen werden müssen. Kommunen haben – bei allen bundesgesetzlichen Rahmenbedingungen – einen erheblichen Spielraum, wie sie was gestalten wollen. Und wenn sie dazu noch über die unterschiedlichsten Eigenbetriebe verfügen, ist dieser Spielraum auch größer.
Reaktionen der Kommunen
Beim großen, übergreifenden Klimathema lassen sich unterschiedliche Entwicklungen beobachten. Es gibt die Städte und Gemeinden, die schon früh aus eigener (mehrheitlicher) Überzeugung einigermaßen konsequent Wege in Richtung einer grünen Entwicklung eingeschlagen haben mit Konzepten, die dann schnell Bekanntheit als Vorzeigeprojekte erlangt haben. Das gilt beispielsweise für Mobilitäts- oder Energiekonzepte.
Andere Kommunen haben als Reaktion auf besondere Ereignisse besondere Schutzkonzepte gegen Klimafolgen entwickelt, etwa nachdem sie durch außerordentliche Hochwasserereignisse besonders in Mitleidenschaft gezogen worden waren.
Klimaschutzkonzepte gehören in Kommunen längst zu einer Selbstverständlichkeit. Die meisten großen Themen in diesen Klimaschutzkonzepten sind sehr ähnlich, schließlich stehen Kommunen vor denselben Aufgaben: Mobilität, Bauen, Energie, Ver- und Entsorgung, (energetische) Sanierung. Dazu kommen Schutzmaßnahmen gegen Klimawandelfolgen, wie etwa Hochwasserschutz oder eben der auch immer drängendere Hitzeschutz. Neben den Herausforderungen, die viel mit Grundversorgung zu tun haben, hat jede Kommune auch ihre spezifischen Herausforderungen.
Die nördlichste kreisfreie Stadt Deutschlands, Flensburg, hat beispielsweise ein Klimaschutzkonzept beschlossen, das ausdrücklich die Erfahrungen mit der schweren Ostseesturmflut aus dem Jahr 2017 als Ausgangsbasis hat. Der Klimawandel werde Konsequenzen für Ökologie, Ökonomie und Gesellschaft haben, heißt es in dem Konzept. Gerade das mache Reaktionen so schwer. Doch die Stadt möchte trotzdem handeln. Soweit dies möglich ist, will Flensburg dabei nach dem sogenannten No-Regret-Prinzip (wörtlich übersetzt „kein Bedauern“) vorgehen und die positiven Aspekte der Maßnahmen in den Fokus rücken.
Dazu werden vier Schwerpunkte skizziert. Der Schwerpunkt „Flensburg lebt mit Wasser“ umfasst das Konzept der Schwammstadt als Leitmaßnahme. Das bedeutet, dass freie und begrünte Bereiche das Wasser der Niederschläge direkt nutzen und so die Abwassersysteme entlasten sollen. Im Bereich „Flensburg ist Vielfalt“ liegt der Fokus auf der Mobilität. Die Stadt möchte öffentliche, umweltfreundliche Verkehrsmittel fördern und so die Anzahl privater Pkw reduzieren. So könnten Flächen beispielsweise als bepflanzte Entspannungsgebiete für die Menschen, statt als Parkplätze genutzt werden. Der Schwerpunkt „Flensburg sorgt vor“ widmet sich vordergründig dem Schutz vor Extremwetterereignissen. Dabei geht es insbesondere um die Früherkennung. Prozesse sollen optimiert werden, um die Bevölkerung effektiver einbinden zu können. Dazu soll auch die allgemeine Kommunikation überarbeitet werden, sodass die Menschen eine bessere Chance haben, sich zu vernetzen und sich effektiver auf entsprechende Extremwetterereignisse vorzubereiten. Mit „Flensburg wird grüner“ will die Stadt die Natur zweckmäßiger nutzen. Hierbei ist geplant, Fassaden zu begrünen und dafür vordergründig möglichst stressresistente Pflanzenarten zu verwenden, die wenig Pflege und vor allem wenig Wasser benötigen. So soll diese kostbare Ressource gespart werden. Außerdem will man öffentliche Flächen verschatten, um die Anzahl und Wirkung von Wärmeinseln zu reduzieren.
Vielfältiges Engagement
„Klimaschutz bewegt Kommunen – Kommunen bewegen aber auch viel beim Klimaschutz“, stellt das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu) fest. Es ist nach eigenen Angaben das größte Stadtforschungsinstitut im deutschsprachigen Raum mit Sitz in Berlin. Als gemeinnütziges Institut finanziert es sich zu drei Vierteln aus Projekteinnahmen, weitere 15 Prozent kommen von Kommunen, mehr als 100 Kommunen fördern das Institut, das wiederum die Kommunen berät. Unter anderem hat das Difu zusammen mit dem Bundesumwelt- und -klimaschutz-Ministerium den Wettbewerb „Klimaaktive Kommune“ ausgerichtet. Dabei wurden im Rahmen einer kommunalen Klimakonferenz im vergangenen November sechs Kommunen für besonders beispielhafte Projekte ausgezeichnet. Beworben hatten sich insgesamt über 130 Projekte.
Die zeigen auch die große Bandbreite und Vielfalt des Engagements von Kommunen in Sachen Klimaschutz.
In der Kategorie Großstädte wurde unter anderem Stuttgart für die „klimaneutrale Eiswelt“ ausgezeichnet, ein Eisstadion, das CO2-neutral betrieben wird (Eishallen haben einen hohen Energieverbrauch). Bei den Mittelstädten wurde Greven für eine energieautarke Kläranlage prämiert – ein wichtiger Schritt zum selbstgesetzten Ziel einer CO2-neutralen Stadt bis 2040. Der Landkreis Neumarkt (Oberpfalz) wurde für seine Initiative ausgezeichnet, kleine Gemeinden im Land mit der Umsetzung von Wärmenetzen für klimafreundliche Wärmeversorgung zu unterstützen.
Diese Beispiele zeigen, in welch unterschiedlichen Bereichen Kommunen zum Klimaschutz beitragen können. Einen Preis für die besten Hitzeschutzkonzepte und -maßnahmen auf kommunaler Ebene gibt es unseres Wissens noch nicht, aber zahlreiche Leitfäden, was Kommunen tun können (und sollten) und wie sie bei eigenen klammen Kassen an Fördermittel kommen, die es von Ländern, Bund und der EU gibt.