Der noch recht junge Verein „Kulturhaus am brennenden Berg“ bringt die Bühnenfassung von „Die Therapie“ von Bestseller-Autor Sebastian Fitzek auf die Bühne. Ein Probenbesuch.
Vor dem Start der Probe im „Kulturhaus am brennenden Berg“ (KhabB) im Saarbrücker Stadtteil Dudweiler versammeln sich die Schauspieler des Kulturvereins Sulzbach am Küchentisch. Einige stärken sich mit einem Stück Butterkuchen, andere greifen zur Tasse Kaffee. Man plaudert entspannt oder schaut schnell noch mal in das Skript. Einige Minuten später wird es ernst. Nachdem bisher nur einzelne Szenen einstudiert wurden, steht nun die erste Durchlaufprobe auf dem Programm. Schon das Licht, das die Bühne in ein kühles Blau taucht, lässt vermuten, dass hier keine Komödie gespielt wird. Stattdessen geht es um die Abgründe der menschlichen Seele, um das Unbewusste und um psychische Qualen. Und weil eine Reise in die innere Gefühlswelt allein mit Worten schwer zu beschreiben ist, lassen die Darsteller auch ihren Körper sprechen. Die ausdrucksstarke Gestik und Mimik wird durch eine aufwendige Technik unterstützt. Scheinwerfer sind im Einsatz, Geräusche und Videoclips werden eingespielt. „Der erste Regler ist der Nebel“, ruft Projektleiter Florian Kern seinem Kollegen Stefan Bohlander am Technikpult zu. Als sich der Vorhang öffnet, legt sich der Dunstschleier auf der Bühne schnell. Bis die Wahrheit ans Licht kommt, wird es allerdings noch lange dauern.
Weder Spuren noch eine Leiche
„Die Besucher erwartet ein spannender Psychothriller“, verspricht Regisseur Stefan Bohlander. Das Bühnenstück „Die Therapie“ basiert auf dem gleichnamigen Roman von Sebastian Fitzek. Josy, die zwölfjährige Tochter des bekannten Psychiaters Viktor Larenz, verschwindet unter mysteriösen Umständen. Es gibt weder Spuren noch Zeugen, eine Leiche wurde nie gefunden. Der Psychiater zieht sich auf eine einsame Insel zurück, in der Hoffnung, dort endlich wieder zu sich zu finden. Unerwartet bekommt er Besuch von der jungen Autorin Anna Spiegel, die unter Wahnvorstellungen leidet und ihn bittet, sie zu therapieren. Sie behauptet, Visionen von einem Mädchen zu haben, das spurlos verschwunden ist. Ihre Schilderungen erinnern Dr. Larenz an Josy. Haben die Halluzinationen der Autorin etwas mit dem Verschwinden des Mädchens zu tun? Nach langem Zögern beginnt der Psychiater die Therapie mit Anna Spiegel.
Die Darsteller Florian Kern, Cindy Groß, Jeanette Gusenburger und Claude Villard stellen sich gerne den Herausforderungen des anspruchsvollen Inhalts, von Beginn an gehen sie konzentriert zu Werke. Jeanette Gusenburger liebt es, in eine andere Welt einzutauchen und den Alltag zu vergessen: „Man kann so sein, wie man sonst im Leben nie ist“, sagt das Ensemblemitglied, das in dem Stück eine Bürgermeisterin spielt. „Ich genieße es, das Publikum zu beobachten“, erzählt Vereinschef Florian Kern. Wenn er sieht, dass die Besucher nach der Vorstellung mit freudigen Gesichtern nach Hause gehen, dann ist er glücklich. In dem kleinen Theater mit Wohnzimmercharakter suchen die Akteure ganz bewusst die Nähe der Zuschauer. „Der ganze Raum wird bespielt“, betont Kern. An ihrer neuen Spielstätte haben sich die Sulzbacher Theaterfreunde schnell eingelebt, alle fühlen sich wohl. „Als wären wir schon immer hier gewesen“, sagt Claude Villard. Vor und hinter der Bühne werden die Schauspieler beim aktuellen Stück von Regisseur Stefan Bohlander, Souffleuse Iris Cygan und Helfer Stefan Schmeer unterstützt.
Als die Proben zu der Produktion im November 2025 starteten, präsentierte sich das Gebäude, das früher das Statt-Theater beheimatete, noch als große Baustelle. Die Mitglieder des Kulturvereins Sulzbach haben kräftig in die Hände gespuckt und weit über 1.500 Arbeitsstunden investiert, um ihr neues Domizil, in dem sich zuletzt ein Antiquariatshandel befand, zu renovieren und zu einer schmucken Spielstätte umzubauen. Unter anderem wurden neue Sanitäranlagen und eine moderne Theatertechnik installiert. Bis zur Eröffnung im März 2026 investierte man nicht nur viel Muskelkraft, sondern auch eine Menge Geld. Mit 21.000 Euro beteiligte sich der Verein als neuer Mieter an den Kosten, der Hauseigentümer steuerte 31.000 Euro bei.
Altersspanne zwischen 20 und Mitte 70
Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Neben dem großen Veranstaltungsraum gibt es eine Küche und eine gesonderte Bar-Theke. Der Eingang ist barrierefrei, die Toiletten sind behindertengerecht. Bis zum Jahr 2025 hatten die neuen Hausherren ihre Stücke in den Kulturstätten der Stadt Sulzbach aufgeführt – in der Aula und im Salzbrunnenhaus. Der Kulturverein Sulzbach ist noch recht jung, im November 2023 wurde er von 13 Kulturbegeisterten gegründet. Mittlerweile hat sich die Mitgliederzahl verdoppelt. Die Altersspanne liegt zwischen Anfang 20 und Mitte 70. Je nach Stärken, Interessen und zeitlichen Möglichkeiten bringen sich die Akteure ein. „Unsere Devise lautet: Jeder kann, niemand muss“, sagt Kassiererin Iris Cygan. Und sie betont: „Der Zusammenhalt ist toll.“ Die Betreiber des Kulturhauses sind voller Tatendrang, allein in diesem Jahr haben sie rund 40 Veranstaltungen geplant. Die Palette ist breit gefächert: Theateraufführungen, Lesungen, Konzerte, Ausstellungen und Kabarett werden geboten. Der Rahmenterminkalender steht bereits bis Oktober 2027. Nicht nur eigene Veranstaltungen wie Krimidinner und Theateraufführungen werden darin aufgenommen. „Unsere Bühne ist für alle offen“, erklärt Florian Kern. Zum Beispiel für andere Theatervereine. Oder für Musikgruppen. „Die Bands rennen mir die Tür ein“, berichtet der Vereinsvorsitzende. Täglich bekomme er mehrere Anfragen von Musikern. Das Publikum kommt ebenfalls gerne ins KhabB, die beliebten Krimidinner sind regelmäßig ausgebucht. Auch für die Premiere des neuen Theaterstücks am 22. August um 19.30 Uhr gibt es keine Karten mehr.