Die Füchse Berlin gelten als das Nonplusultra in der deutschen Nachwuchsarbeit. Davon profitieren die Talente, der Club – aber auch der deutsche Handball. Ein Mann ist hauptverantwortlich für den starken Fokus auf die Talente.
Schon der Name der Auszeichnung ist Programm: Excellence Award. Mit dieser Ehrung des europäischen Handball-Verbandes EHF werden jene Spieler bedacht, die in einer Saison exzellente Leistungen im europäischen Handball gezeigt haben, ja gar die besten auf ihren Positionen waren. Dass der Berliner Profi Mathias Gidsel (rechter Rückraum) und Lasse Andersson (linker Rückraum), der nach der abgelaufenen Saison von den Füchsen zurück in die Heimat gekehrt ist, mit dem Excellence Award ausgezeichnet wurden, war keine Überraschung. Doch der Hauptstadtclub hatte auch noch einen dritten Profi in der Mannschaft der Saison platziert: Tim Freihöfer. Der 23-Jährige erhielt erstmals diese prestigeträchtige Auszeichnung und darf sich als bester Linksaußen Europas fühlen. Der Nationalspieler hat also Topstars wie Hugo Descat oder Orri Freyr Thorkelsson ausgestochen. Das sei „doch etwas sehr Großes“, meinte Freihöfer, „am Ende einer Saison als bester auf seiner Position in ganz Europa gewählt zu werden. Als ich die Nachricht bekommen habe, bin ich zu meiner Freundin ins Nebenzimmer. Sie hat sich auch riesig darüber gefreut für mich.“
Drei Profis in der Mannschaft des Jahres
Auch innerhalb des Clubs war die Freude riesengroß. Denn es ist ein weiterer Beleg dafür, dass die Strategie, die Stars von morgen im eigenen Club zu formen, die richtige ist. Für Freihöfer war es auf jeden Fall so. „Mit diesem Weg aus Füchse-Town auf die riesigen Bühnen wie in der Lanxess-Arena möchte ich ein Vorbild sein für jüngere Spieler. Es lohnt sich, an Träume zu glauben!“, sagte er. Bei den Füchsen habe er sich nach seinem Wechsel 2018 von der JSG Echaz-Erms nach Berlin Schritt für Schritt weiterentwickelt und von den höchst professionellen Strukturen im Nachwuchsleistungsbereich profitiert. Und natürlich auch von den Perspektiven, die einem dort geboten werden. „Erst will man zu den Profis, dann vielleicht mal Champions League spielen“, erzählte Freihöfer. Diese Träume hat er sich erfüllt, und im Vorjahr wurde er auch noch erstmals deutscher Meister mit dem Verein. Und nun für „so eine prestigeträchtige Wahl nominiert zu werden, gehört ebenfalls zu diesen Meilensteinen“, sagte er.
Im Moment des Triumphs vergaß er aber nicht, wer ihm dabei geholfen hatte. „Jeder Trainer in Berlin und in der Heimat und meine Eltern haben mich immer gefördert“, sagte er. Eine besondere Bezugsperson war von Anfang an Bob Hanning, Geschäftsführer der Füchse Berlin. „Er ist mir all die Jahre zur Seite gestanden und hat mich zu dem gemacht, der ich heute bin“, meinte Freihöfer. Hanning ist hauptverantwortlich für das Jugendsystem der Füchse mit dem Internat, dem professionellen Trainingszentrum, der Kooperation mit dem 1. VfL Potsdam und der Durchlässigkeit zum Profiteam. Es war seine Vision von Beginn seiner Tätigkeit an, dass hier in Berlin möglichst viele Talente den Sprung nach oben schaffen sollen. Sein Motto lautet dabei: „Von der Breite in die Spitze.“ Das alles fördert die Identifikation der Fans mit den Spielern, aber auch der Spieler mit dem Club. Und es ist auf Sicht auch günstiger, als nur Stars einzukaufen. Außerdem erhöht es auch die Qualität im Kader. „Wenn man die Jugendakademie durchlaufen hat“, sagte Freihöfer, „weiß man, dass man gut gerüstet ist für die Handball-Welt.“
Hanning selbst trainiert Jungfüchse
Es ist kein Zufall, dass die Füchse Berlin die wichtigsten Spieler des U21-Weltmeisterteams von 2023 stellen. Und dass neben Freihöfer auch Nils Lichtlein, Lasse Ludwig und Matthes Langhoff den Sprung zu den Profis geschafft haben. Der ebenfalls hochtalentierte Max Beneke spielt inzwischen für Frisch Auf Göppingen. Und die nächsten Supertalente stehen schon in den Startlöchern: Die Jungfüchse schafften in der abgelaufenen Saison den Sprung ins Finale der EHF Youth Club Trophy, wo sich die in der Regel 17-Jährigen dem Titelverteidiger und Favoriten GOG aus Dänemark geschlagen geben mussten. Bei dem Wettbewerb treten die Jugendteams der Champions-League-Teilnehmer gegeneinander an.
Die Jungfüchse werden trainiert von keinem Geringeren als Hanning. Dabei hat der 58-Jährige schon zwei Jobs, denn neben seiner Geschäftsführerrolle bei den Füchsen trainiert er auch die italienische Nationalmannschaft. Doch die Arbeit im Jugendbereich liegt ihm sehr am Herzen. „Bob ist der Förderer dieses Vereins. Er hilft uns extrem viel. Er unterstützt uns in jeder Situation, sei es handballerisch, aber auch privat“, sagte Torhüter Ludwig. Auch Lichtlein schwärmt: „Bob war und ist für mich immer irgendwo ein Mentor, der über uns Jungen wacht und steht und die schützende Hand über uns hält. Er hat viel für uns getan. Dafür, dass wir in die Profimannschaft aufgenommen worden sind, aber auch sich dafür stark gemacht, dass wir spielen.“ Für Freihöfer ist Hanning so etwas wie ein „Ziehvater, weil die eigenen Eltern so weit weg sind, und daher ist das auf jeden Fall ein sehr gutes freundschaftliches Verhältnis, und wir pflegen regelmäßig Kontakt“. Auch jetzt noch, wo er schon längst den Sprung vom Jungfuchs zum Weltklassespieler geschafft hat.
Hanning ist Feuer und Flamme, wenn es um die Nachwuchsarbeit geht. Vor allem, wenn die Talente so performen wie der aktuelle Jahrgang. „Die Generation erinnert mich ein wenig an Nils Lichtlein, Lasse Ludwig, Tim Freihöfer oder Matthes Langhoff“, sagte Hanning, der vor allem die Torhüter Matteo Agostinelli und Fynn Wiegran lobte: „Der Einzug ins Finale ist eine großartige Leistung.“ Insgesamt mache er sich um den deutschen Handball „keine Sorgen“, auch wenn er kritisch anmerkte, dass deutsche Talente „leider in den Spitzenclubs noch zu wenig zur Geltung“ kommen würden. „Da sind wir in Berlin die Ausnahme.“
Den Beleg dafür gab es kürzlich wieder bei der Ligatagung in Köln, als die Abschlusstabelle des HBL-Ausbildungsbonus präsentiert wurde: Mit klarem Vorsprung Platz eins für die Füchse, wie schon in den zwei Jahren zuvor. Über einen Fonds bekam der Berliner Bundesligist dafür knapp 75.000 Euro als Belohnung ausgeschüttet und darf sich weiter als Ausbildungsmeister der HBL feiern. Das Bewertungssystem für die lokale Ausbildung von Handballspielern ist kompliziert, die Einsatzzeit von Spielern unter 23 Jahren ist dabei ein wichtiges Kriterium. „Dass die Jugendarbeit bei den Füchsen inklusive Übergang zu den Profis herausragend ist, habe ich selbst erfahren dürfen“, sagte Ex-Profi Paul Drux, der zurzeit in der Geschäftsstelle der Füchse seine ersten Schritte als kommender Hanning-Nachfolger geht: „Es ist schön, dass im Konstrukt mit den Potsdamern eine solche Förderung nicht nur möglich ist, sondern auch ihre Früchte trägt.“ Auch Nachwuchskoordinator Anian Eckardt blickte auf eine „sehr erfolgreiche Saison“ zurück, die Highlights waren für ihn die Finalteilnahme der A-Jugend in der EHF Youth Club Trophy und der Gewinn des deutschen Meistertitels mit der B-Jugend. „Das waren zwei sehr prägende und herausragende Ereignisse“, meinte Eckardt.
Bis zu einem möglichen Excellence Award ist es für die Nachwuchsspieler zwar noch ein sehr weiter Weg. Aber das Beispiel Tim Freihöfer zeigt, dass sie ihn bei den Füchsen mit Fleiß, Talent und natürlich auch Glück gehen können.