Ausstellung
Journalismus, Fotografie, urbanes Leben
Berlin pulsiert – gestern wie heute. Seit über einem Jahrhundert spiegelt die Presse den Takt der Metropole wider: ihre Dynamik, ihre Widersprüche, ihren unstillbaren Hunger nach Geschichten – und nach Bildern. Die Fotografie verändert den Journalismus.
Die Ausstellung „Im Rhythmus der Großstadt – 100 Jahre Fotografie und Presse in Berlin“ im Kulturwerk der Staatsbibliothek zu Berlin (Unter den Linden 8, 10117 Berlin) führt mitten in das Wechselspiel von Journalismus, Fotografie und urbanem Leben. Von den bewegten 1920er-Jahren bis zur Gegenwart zeichnet die Ausstellung nach, wie Fotografien die Presselandschaft verändert haben: Sie prägen die Wahrnehmung Berlins und den Rhythmus der Nachrichten. In den Hochzeiten des historischen Zeitungsviertels erschienen damals bis zu 147 Tageszeitungen – manche zweimal täglich. Handliche Kameras und schnellere Druckverfahren revolutionierten die Pressearbeit und prägten die Anfänge des illustrierten Journalismus. Mit ihnen entstand ein neues Berufsbild: die Pressefotografie. „Wer sind die Menschen hinter der Kamera? Welche Verantwortung bedeutet das Fotografieren im redaktionellen Auftrag?“ Diesen Fragen geht die Ausstellung nach. Sie zeigt, wie eng Bild und Bericht miteinander verwoben sind – vom Grundrecht auf freie Meinungsäußerung in der Weimarer Republik, über Zensur und Propaganda im Nationalsozialismus bis hin zur geteilten Stadt und den unterschiedlichen Presselandschaften Ost- und West-Berlins. Themen wie Politik, Sport, Stadtleben oder Kriminalität spiegeln dabei nicht nur journalistische Interessen, sondern auch gesellschaftliche Werte und Konflikte ihrer Zeit.
Kulturverführung vom 7. August 2026
Konzert: „Biermann ohne Biermann“ nennt Ekkehard Maaß sein aktuelles Konzertprogramm. Als Zeitzeuge, langjähriger Freund und Wegbegleiter von Wolf Biermann erzählt er am 15. August, 18 Uhr, aus dessen Leben und singt seine Lieder – begleitet sich dabei selbst am Harmonium und auf der Gitarre. Neben bekannten Biermann-Liedern sind auch weniger bekannte Werke aus seinen frühen Jahren zu hören. Die Ausbürgerung von Wolf Biermann erlebte Ekkehard Maaß aus nächster Nähe. Weil er Unterschriften gegen dessen Ausbürgerung sammelte, wurde er der Humboldt-Universität verwiesen. Inspiriert von Biermanns Wohnung in der Chausseestraße gründete er anschließend einen literarischen Salon, der bis heute besteht. Dort hat er bereits mehr als 150 Veranstaltungen organisiert. Gedenkstätte Berliner Mauer, Kapelle der Versöhnung, Bernauer Straße 4, 10115 Berlin, Informationen: www.mauerbau65.berlin
Poetry Slam: Felix Römer (46) war Poetry Slammer der ersten Stunde. Er ist kreuz und quer durch die gesamte Republik gefahren, um bei Slams aufzutreten, er kennt die Szene von Beginn an und hat sie mitgeprägt. Er ist aber auch Autor, Träger des Deutschen Kleinkunstpreises, Moderator, Veranstalter, Musiker und einer, der Menschen zusammenbringt. Das tut er in besonderer Weise beim Berliner Crossover-Slam. Das Publikum darf dabei nicht nur klassisch mit mehr oder weniger Applaus über die dargebotene Poesie abstimmen, sondern auch Musik und eine dritte, freie Disziplin (zum Beispiel Artistik, Malerei, Yoga, Schauspiel, Origami, Zauberei, Comedy, Karate und mehr) bewundern und bewerten. Dabei geht es weniger um Wettbewerb als vielmehr um den Spaß, sich und seine Kunst zu präsentieren, den anderen zuzuschauen und gemeinsam einen großartigen Abend zu haben. Der nächste Slam ist am 17. August, weitere folgen am 17. September und 19. November. ufaFabrik, Viktoriastraße 10-18, 12105 Berlin, Karten: www.ufafabrik.de
Theater: Erich Kästner nannte ihn einen „kleinen dicken Berliner, der mit seiner Schreibmaschine eine Katastrophe aufhalten wollte“: Kurt Tucholsky. Er war ein Gesellschaftskritiker und Frauenheld, Satiriker und Idealist, konnte mit Worten umgehen wie kaum ein anderer. Außerdem hatte er ein Gespür für gesellschaftliche Entwicklungen. Mit fast hellseherischem Scharfsinn sah er Deutschland in die Katastrophe schlittern und warnte bereits Jahre vor Hitlers Machtübernahme vor den heraufziehenden Gefahren. Mit Tucholskys Texten und Musik seiner Epoche zeichnen Alina Lieske (Regie), Ildiko Bognar (Autorin) sowie auf der Bühne Stefanie Dietrich, Carl Martin Spengler und Jürgen Beyer am 19. August das Bild eines Berliners, der sich mit der gleichen Leidenschaft in politische Debatten wie in das wilde Leben stürzte. Theater im Palais, Am Festungsgraben 1, 10117 Berlin, Karten: www.theater-im-palais.de Martin Rolshausen