KI-Programme übertölpeln die eigenen Erfinder, Atommeiler müssen wegen Niedrigwasser abgeschaltet werden, der Bundeskanzler irritiert mit Personalentscheidungen. Und wir bereiten uns in dieser schönen neuen Welt auf den „Ernst des Lebens“ vor. Start in ein neues Schuljahr.
Verständlich, wenn so manche Eltern sich vor der Einschulung fragen, wie ihr Kind wohl damit klarkommen wird. Aber keine Sorge, Ratgeber gibt’s schließlich zu Hauf, die fast schon putzig alles erklären, etwa: „Warum Schule nicht mit Ernst beginnen muss und wie Du Dein Kind dabei liebevoll unterstützt.“
Schade nur, dass das Leben, auf das Schule vorbereiten soll, so gar nicht liebevoll daherkommt, und sich trefflich darüber streiten lässt, auf was Schule da eigentlich vorbereitet.
Hochschullehrer und Ausbildungsmeister wären schon ganz froh, wenn ihre Studierenden und Auszubildenden ein paar mehr Fertigkeiten über Grundschulniveau hinaus beherrschen würden. Überspitzt ist das nicht, wenn man Brandbriefe diesbezüglich ernst nimmt.
Ein ebenso bekanntes Problem ist der beschämende Befund, dass Bildungschancen immer noch viel zu stark von der Situation der Eltern abhängen.
Vergleichsweise neu sind die Einstellungen, die sich unter Schülerinnen und Schülern breitmachen. Antidemokratische, autoritäre und rassistische Weltbilder greifen Raum. Zuletzt stärker als im Vergleich zur Gesamtbevölkerung.
Schule mag daran nicht schuld sein, eher die Vorbilder Erwachsener und die digitale Welt.
Sicher wird in der Regel hierzulande mit klarer Haltung auf Vorfälle reagiert. Trotzdem ist die teilweise Hilflosigkeit erstaunlich, in der über den richtigen Umgang damit diskutiert wird. Was letztlich auch nur Ausdruck einer insgesamten Verunsicherung ist. Verunsicherung darüber, wie umgehen mit zunehmend aggressiven Grenzüberschreitungen und schleichender Normalisierung antidemokratischer Einstellungen.
Rettungswege, die von dreisten Eltern mit ihren SUVs zugeparkt werden, sind da fast noch ein harmloses Beispiel im Vergleich zu dem, was Lehrerinnen und Lehrer sonst zu berichten haben. Und dabei geht es kaum um das sonst gern gepflegte Klein-Klein bekannter Bildungsdebatten.
Schule muss Ernst machen. Und wir müssen es auch.