Zwölf Jahre nach dem Abstieg ist Cottbus zurück in der 2. Bundesliga – und will dort nicht nur eine Saison lang zu Gast sein. Der Aufsteiger hat seinen Kader kräftig verändert, alte Bekannte zurückgeholt und einige seiner größten Baustellen geschlossen.
In der Raststätte Waldnaabtal ließ Claus-Dieter Wollitz heraus, was sich über Jahre angestaut hatte. Mit einer Pyrofackel in der Hand feierte der Trainer zwischen den Anhängern die Rückkehr in die 2. Bundesliga. Zwölf Jahre hatte Energie auf diesen Moment warten müssen. Der frühere Bundesligist und DFB-Pokalfinalist von 1997 war bis in die Regionalliga abgestürzt. Nun ist er zurück im Profifußball.
Der Aufstieg war der Höhepunkt eines bemerkenswerten Wiederaufbaus. 2024 führte Wollitz den FCE aus der Regionalliga Nordost in die 3. Liga, zwei Jahre später folgte der nächste Aufstieg. Energie schaffte das mit offensivem Fußball, einer eingespielten Mannschaft und einem Trainer, der den Verein als Antreiber, Lautsprecher und emotionales Zentrum prägt.
Wollitz auf der Suche nach Neuen
Der wichtigste Spieler bleibt ebenfalls. Tolcay Cigerci verlängerte nach 17 Toren und 13 Vorlagen in der vergangenen Drittligasaison seinen Vertrag. In zwei Jahren kam er auf 34 Treffer und 21 Vorlagen in 80 Pflichtspielen. Auch Wollitz und Kapitän Axel Borgmann wurden gebunden. Tolgas Cigerics kurzes Cottbuser Gastspiel endete dagegen mit dem Wechsel zur VSG Altglienicke.
Die emotionalste Verpflichtung ist Leonardo Bittencourt. Der 32-Jährige wurde in Cottbus ausgebildet und kehrt nach mehr als 300 Bundesligaspielen von Werder Bremen zurück. Schon sein Vater Franklin spielte für Energie. Doch Bittencourt soll mehr als ein romantisches Symbol sein: Seine Erfahrung und Führungsstärke werden in einem Kader gebraucht, in dem nur wenige Spieler die 2. Bundesliga kennen.
Auch Angreifer Lucas Copado kehrt vom SC Paderborn zurück. Christian Kinsombi bringt nach seiner Zeit bei Hansa Rostock Tempo mit, Julian Guttau nach 238 Drittligaspielen Erfahrung und Kreativität. Im Tor wurde nach dem Abgang von Marius Funk eine Lücke geschlossen: Marcel Lotka kam von Fortuna Düsseldorf, Kevin Kratzsch von Rot-Weiß Oberhausen. Max Böhnke und Eigengewächs Malte Wilke komplettieren das Quartett.
King Manu und Lukas Michelbrink, die bereits ausgeliehen in Cottbus spielten, konnten gehalten werden. Hinzu kamen der von Eintracht Frankfurt ausgeliehene Fousseny Doumbia, Yusuf Wardak aus Mannheim und drei Nachwuchsspieler. Zuletzt lieh Energie den 19-jährigen U19-Nationalspieler Luca Erlein von Bayer Leverkusen aus. Der vielseitige Verteidiger absolvierte für Hoffenheims U23 zuletzt 31 Drittligapartien und bereitete fünf Treffer vor.
Dennoch bleibt der Umbau riskant. Von den zunächst elf externen Zugängen hatten zuletzt nur Bittencourt, Copado und Lotka Einsatzminuten in den beiden höchsten deutschen Spielklassen, ohne tragende Rollen einzunehmen. Viele Neue kommen aus der 3. Liga, Doumbia aus dem Nachwuchs. Energie kauft keine fertige Zweitligaklasse, sondern Erfahrung und Entwicklungspotenzial. Angesichts der begrenzten Mittel muss Wollitz erneut mehr aus einer Mannschaft herausholen, als ihr auf dem Papier zugetraut wird.
Wie viel Arbeit dabei noch wartet, zeigte die Vorbereitung. Nach einem 1:1 gegen den Regionalligisten VSG Altglienicke und einem 3:1 gegen Hertha BSC II verlor Cottbus im Trainingslager 2:4 gegen den tschechischen Erstligisten Mlada Boleslav und anschließend 0:5 bei RB Salzburg. Eine Niederlage gegen einen Champions-League-Teilnehmer ist für einen Aufsteiger kein Drama. Die Art und Weise beunruhigte Wollitz dennoch. „Ich bin insgesamt mit der Vorbereitung nicht so zufrieden. Wir haben im Moment nicht diese Abläufe, wir haben kein gutes Gegenpressing, wir haben keine gute Struktur im Spielaufbau, und alles das hat man dann in den Testspielen gesehen“, sagte der Trainer.
Seine Kritik richtete sich nicht allein an die Spieler. Trotz der vielen Zugänge hält Wollitz die Mannschaft noch nicht für vollständig: „Um die Wahrscheinlichkeiten für den Klassenerhalt zu erhöhen, braucht man einen ausgewogenen Kader, und den sehe ich im Moment nicht.“ Mit Erlein reagierte der Verein noch einmal in der Abwehr, weitere Bewegung ist aber nicht ausgeschlossen. Es fehlt weniger an Quantität als an nachgewiesener Qualität auf Zweitliganiveau und an der Balance zwischen Kreativität, Tempo und defensiver Stabilität. Gerade im Gegenpressing und Spielaufbau müssen viele neue Verbindungen in kurzer Zeit entstehen.
Investitionen in die Infrastruktur
Auch außerhalb des Rasens musste Energie zweitligatauglich werden. Für Anpassungen an Flutlicht, Auswechselbänken und Kamerapodest stellte Brandenburg 1,67 Millionen Euro bereit. Langfristig bleiben Betrieb und Zukunft des Stadions ein Thema. Wirtschaftlich eröffnet der Aufstieg dennoch neue Möglichkeiten. Fernsehgeld und Sponsoreninteresse steigen, der neue Ausrüstervertrag mit Adidas zeigt die gewachsene Strahlkraft.
Geld allein wird Energie nicht in der Liga halten. Der Aufsteiger benötigt die Wucht seines Stadions, die Geschlossenheit der vergangenen Jahre und einen Spielstil, der nicht aus Angst vor dem höheren Niveau aufgegeben wird. Kaderplaner Maniyel Nergiz hat angekündigt, die eigene Idee auch eine Klasse höher nicht wesentlich verändern zu wollen. Energie soll mutig bleiben, offensiv denken und Gegner beschäftigen, statt sich nur am eigenen Strafraum einzugraben.
Zum Auftakt gegen Hannover 96 wird sich zeigen, wie viel davon bereits trägt. Energie hat Leistungsträger gebunden, das Tor neu besetzt, Erfahrung und Talent verpflichtet sowie das Stadion aufgerüstet. Nun muss aus dem veränderten Kader wieder jene Einheit entstehen, die zwei Aufstiege binnen drei Jahren möglich machte. Der Club ist nicht zurückgekehrt, um nur kurz Hallo zu sagen. Ob er bleibt, entscheidet sich aber erst, wenn aus der Euphorie belastbarer Zweitligafußball geworden ist.