Der 1. FC Kaiserslautern beendet seine Vorbereitung mit einem überzeugenden 3:1 gegen den FC Metz. Die Mannschaft von Torsten Lieberknecht wirkt stabiler und gefestigter. Vor dem Auftakt beim VfL Wolfsburg bleiben dennoch Fragen.
Am Ende dieser sechswöchigen Vorbereitung stand ein Tag, an dem beim 1. FC Kaiserslautern nicht alles nach Plan verlief und trotzdem vieles funktionierte. Weil das vorgesehene Essen vor der Fahrt nach Frankreich nicht bereitstand, hielt der Mannschaftsbus kurzerhand an einem Supermarkt. Trainer Torsten Lieberknecht besorgte Brötchen, seine Spieler bestritten den letzten Test vor dem Saisonstart dennoch mit weitgehend leerem Magen. Dass der FCK den französischen Zweitligisten FC Metz anschließend mit 3:1 bezwang, passte zum Eindruck der vergangenen Wochen: Die Mannschaft ist noch nicht in jeder Hinsicht fertig, kann Unwägbarkeiten inzwischen aber ordentlich auffangen.Das Resultat war dabei weniger wichtig als die Art, in der es zustande kam. Auf schwierigem Rasen in Jœuf, wohin die Begegnung wegen hitzebedingter Schäden am Platz in Metz verlegt worden war, präsentierten sich die Lauterer gegen den Ball aufmerksam und mit dem Ball zielstrebig. Die Partie über dreimal 45 Minuten ermöglichte Lieberknecht, die Belastung zu verteilen und mehreren Spielern 90 Minuten Einsatzzeit zu geben. Naatan Skyttä eröffnete den Torreigen, Mergim Berisha erhöhte und war an allen drei Lauterer Treffern beteiligt. Semih Şahin sorgte kurz nach Beginn des zweiten Abschnitts für das 3:0, ehe Adam Marchal spät für Metz traf.
Guter körperlicher Zustand
Lieberknecht sah eine Mannschaft, die „gegen den Ball, aber auch mit dem Ball“ gut gearbeitet habe. Gerade diese Verbindung ist für die Bewertung der Generalprobe entscheidend. In früheren Phasen der Vorbereitung war eine zunehmend klare Ordnung zu erkennen, offensiv fehlten jedoch mitunter Präzision, Tempo und der letzte Zugriff. Beim torlosen Test gegen den FC Südtirol hatte dem Trainer die defensive Struktur sogar noch besser gefallen als gegen Metz. Eine Woche später wirkte der FCK dafür in seinen Angriffen gefährlicher und konsequenter. Das 3:1 war keine makellose Abschlussvorstellung, wohl aber der bislang sichtbarste Beleg dafür, dass die einzelnen Teile allmählich ineinandergreifen.
Auch körperlich scheint die Mannschaft für den Saisonbeginn gerüstet. Lieberknecht sprach von sehr guten Fortschritten im athletischen Bereich. Dass gegen die robust auftretenden Franzosen viele direkte Duelle entstanden, kam dem Charakter eines letzten Härtetests entgegen. Der FCK verteidigte häufig Mann gegen Mann, nahm die geforderte Schärfe an und hielt die Begegnung zugleich auf einem fairen Niveau. Für Wolfsburg ist diese Widerstandsfähigkeit eine Grundvoraussetzung. Dort wartet nicht nur ein Bundesliga-Absteiger, sondern der von Lieberknecht ausgerufene „absolute Topfavorit der Liga“, dessen individuelle Qualität Fehler härter bestrafen dürfte als jeder Gegner dieser Vorbereitung.
Besonders Berisha lieferte gegen Metz Argumente dafür, im neuen Gefüge eine zentrale Rolle einzunehmen. Ein Treffer und die Beteiligung an den beiden weiteren Toren sind in einem Test keine Garantie für einen gelungenen Saisonstart. Sie deuten aber an, welchen Wert ein Angreifer haben kann, der Verbindungen herstellt und Mitspieler in gefährliche Situationen bringt. Skyttä und Şahin bestätigten zudem, dass Torgefahr nicht ausschließlich aus der vordersten Linie kommen muss.
Vollständig geklärt ist die personelle Lage trotzdem nicht. Die wichtigste offene Frage betrifft Marlon Ritter. Der Kapitän musste gegen Südtirol wegen Beschwerden an Hüftbeuger und Hüftstrecker vom Platz und konnte zuletzt nur individuell trainieren. Nach Einschätzung der medizinischen Abteilung soll er am Dienstag wieder zur Mannschaft stoßen. Lieberknecht bezeichnete die Zeichen für einen Einsatz in Wolfsburg als gut, vermied aber eine Garantie. Gerade dort wäre Ritters Erfahrung wertvoll. Er kann Rhythmus und Tempo beeinflussen, besitzt bei ruhenden Bällen Qualität und ist ein Fixpunkt in einer Mannschaft, deren Hierarchie sich nach den Veränderungen des Sommers neu festigen muss.
Nach 16 Jahren wieder in Wolfsburg
Darin liegt das wichtigste Ergebnis der Vorbereitung. Der FCK reist nicht als fertige Spitzenmannschaft nach Wolfsburg, aber auch nicht als Gruppe, die noch nach einer grundsätzlichen Richtung sucht. Die Abläufe gegen den Ball sind erkennbar, die körperlichen Grundlagen stimmen und offensiv sind mehr Varianten vorhanden. Zugleich bleibt Luft nach oben: Die defensive Ordnung war nicht in jedem Test gleich stabil, der neu zusammengesetzte Angriff muss seine Wirkung erst unter Ligabedingungen bestätigen, und Ritters Zustand kann die Besetzung des Mittelfelds kurzfristig verändern. Auch die weitere Entwicklung des Kaders bleibt ein Thema, weil sich erst im Wettbewerb zeigen wird, ob Qualität und Tiefe über alle Positionen hinweg genügen.
Der Auftakt liefert sofort einen außergewöhnlich anspruchsvollen Maßstab. Erstmals seit 16 Jahren treffen Wolfsburg und Kaiserslautern wieder aufeinander. Der FCK wird in der Volkswagen-Arena dennoch nicht wie ein gewöhnlicher Gast wirken. Das eigene Kontingent war binnen Minuten vergriffen, anschließend deckten sich zahlreiche Lauterer im freien Verkauf mit Karten ein. Mehrere Tausend Pfälzer dürften ihre Mannschaft begleiten.
Die Unterstützung verändert allerdings nicht die Rollenverteilung. Wolfsburg besitzt für diese Spielklasse außergewöhnliche Möglichkeiten und steht nach dem Abstieg zugleich unter erheblichem Erwartungsdruck. Kaiserslauterns Chance liegt darin, die gewachsene Ordnung mit jener Intensität zu verbinden, die gegen Metz sichtbar war. Der FCK muss Zweikämpfe annehmen, nach Ballgewinnen zielgerichtet umschalten und seine Gelegenheiten konsequenter nutzen, als es über weite Strecken der Vorbereitung gelungen ist. Ein offener Schlagabtausch würde eher dem Favoriten dienen.
Von Montag an gilt die Arbeit ausschließlich Wolfsburg. Das 3:1 gegen Metz gibt Lieberknecht ein gutes Gefühl, aber keinen Anlass zur Selbstzufriedenheit. Seine Mannschaft hat sich, wie der Trainer sagt, „peu à peu“ gesteigert. Nun muss sie beweisen, dass dieser Fortschritt auch dann Bestand hat, wenn aus Tests Punkte werden. Die Brötchen von Jœuf werden bis dahin nur noch eine Anekdote sein. Entscheidend ist, ob der FCK beim ersten Ernstfall ebenso geschlossen und wirksam auftritt wie bei seiner Generalprobe.