Der 1. FCS geht mit einem runderneuerten Kader in die neue Saison. Die Generalprobe gegen Thionville zeigte Licht und Schatten. Zum Auftakt wartet mit Rot-Weiss Essen sofort ein echter Härtetest.
Der letzte Eindruck einer Vorbereitung ist selten der verlässlichste. Beim 2:1 gegen den französischen Drittligisten US Thionville Lusitanos sammelte der 1. FC Saarbrücken noch einmal reichlich Erkenntnisse – positive wie negative. Vor rund 3.000 Zuschauern geriet der FCS nach einem Fehler von Keeper Matteo Bignetti früh durch Kylian Tubio in Rückstand, glich per Foul-elfmeter durch Christian Kühlwetter aus und gewann die Partie erst in der 90. Minute. Nach einer präzisen Flanke von Calogero Rizzuto köpfte der eingewechselte Alexander Staff zum 2:1 ein. Thionvilles Samed Killic hatte kurz vor der Pause nach einem harten Foul an Florian Pick die Rote Karte gesehen. Damit beendet Saarbrücken die Vorbereitung ungeschlagen – mit vier Siegen und drei Unentschieden.
Harte Gangart der Franzosen
Das Ergebnis fiel am Ende besser aus als die Leistung war. Der FCS fand nur schwer in die Partie, verlor in der Anfangsphase die Kontrolle über die zweiten Bälle und musste sich erst an die kompromisslose Spielweise der Gäste gewöhnen. „Manche Situationen waren schon ein bisschen drüber“, sagte Kühlwetter anschließend. Dennoch wertete der Stürmer den Auftritt als wichtigen Härtetest. In der 3. Liga werde es häufig ähnlich intensiv zur Sache gehen. Auch Coach Agirios Giannikis sah darin einen Lerneffekt. Viele Spieler seien zunächst von der Intensität überrascht gewesen. „Ich bin froh darum, dass wir unseren Mann stehen mussten“, sagte der Trainer. Gerade internationale Vergleiche seien oft körperbetonter. Für den Saisonstart nehme seine Mannschaft daraus wichtige Erfahrungen mit. Ohnehin stellte der Trainer fest: „Die Trainingsabläufe haben ein Ziel und das heißt Essen. Von daher war die Leistung heute nicht ausschlaggebend.“ Dennoch zeigte sich, dass das neue Team Zeit benötigen könnte.
Der Umbruch fällt gewaltig aus. 17 Spieler verließen den Verein, 15 neue kamen hinzu. Sportvorstand Markus Thiele hat den Kader deutlich verjüngt und zugleich mit erfahrenen Akteuren wie Kühlwetter und Siemen Voet ergänzt. Die personellen Veränderungen waren die Konsequenz einer enttäuschenden Vorsaison, in der der FCS nur knapp den Klassenverbleib sicherte.
Giannikis und Thiele übernahmen den Club im Februar in einer schwierigen sportlichen Lage. Nun beginnt ihre erste gemeinsam geplante Saison. Der Trainer spricht immer wieder von Vertrauen – in Mitspieler, Abläufe und die eigene Position auf dem Platz. Gegen Thionville waren diese Ansätze bereits zu erkennen, allerdings längst noch nicht durchgängig. Vor allem in den ersten 20 Minuten fehlten Struktur, Kompaktheit und der Zugriff auf die zweiten Bälle.
Dass die Mannschaft noch nicht ihren Frischegrad erreicht hatte, überrascht nicht. Giannikis hatte die Belastung in der Trainingswoche bewusst hochgehalten. Kühlwetter sprach offen von schweren Beinen. Die eigentliche Feinabstimmung beginnt erst in dieser Woche vor dem Ligastart. Noch offen ist auch die Torwartfrage. Matteo Bignetti leitete mit einem missglückten Klärungsversuch das frühe 0:1 ein. Giannikis wollte den Fehler jedoch nicht überbewerten. „Lieber jetzt als im Punktspiel. Er ist ein junger Kerl. Fehler dürfen passieren, wenn man daraus lernt“, sagte der Trainer: „Entscheidend ist seine Reaktion auf solche Sachen.“
Genau die fiel positiv aus. Voet stellte sich demonstrativ vor seinen Teamkollegen. „Er weiß selber, dass er das besser machen kann. Danach hat er zwei, drei sehr gute Saves gezeigt“, sagte der Belgier. Die Mannschaft habe bewusst kein großes Thema aus dem Fehler gemacht. Der Konkurrenzkampf mit Kevin Broll bleibt damit bis kurz vor dem Saisonauftakt offen: „Beide Torleute haben die gleiche Anzahl an Spielminuten“, sagte Giannikis. Dennoch ist davon auszugehen, dass Bignetti am Sonntag um 16.30 Uhr gegen Essen zwischen den Pfosten stehen wird.
Auch an anderer Stelle gibt es noch Fragezeichen. Kaan Caliskaner wurde nach seiner Verletzung wegen erhöhter Ermüdungswerte geschont. Kai Brünker kämpfte unter der Woche mit einer Erkältung, soll gegen Essen aber zur Verfügung stehen. Im Abwehrzentrum sucht der Verein weiterhin nach einer Verstärkung. Bis dahin dürfte Abdoulaye Kamara eine wichtige Alternative bleiben. Eigentlich war der 22-Jährige im Mittelfeld eingeplant. Weil im Abwehrzentrum weiterhin Personal fehlt, half er zuletzt mehrfach als Innenverteidiger aus. Thiele bescheinigte ihm eine gute Vorbereitung und lobte insbesondere seine fußballerischen Qualitäten im Spielaufbau. Nach Informationen unseres Magazins wurde Kamara zudem mitgeteilt, dass man ihn doch nicht abgeben wolle.
Kamara soll nun doch bleiben
Ungeklärt waren auch nach dem letzten Testspiel Kapitänsamt und Mannschaftsrat. Giannikis will die Entscheidung erst im Laufe der Woche treffen. Gesucht wird ein Spieler mit sportlichem Gewicht und Einfluss auf die Gruppe. Kühlwetter und Voet zählten zu den Kandidaten, beide wollen Verantwortung allerdings unabhängig von einer Binde übernehmen. „Ich werde auch so die Führung übernehmen“, sagte Kühlwetter. Auch Voet machte deutlich, dass für ihn nicht die Kapitänsbinde entscheidend sei, sondern Verantwortung auf dem Platz.
Schon der Auftakt gegen Rot-Weiss Essen wird zeigen, wie weit der neu formierte FCS tatsächlich ist. Die Mannschaft von Uwe Koschinat verpasste den Aufstieg in der vergangenen Saison erst in der Relegation gegen Greuther Fürth und reist mit entsprechendem Selbstverständnis in den Ludwigspark. Körperliche Präsenz, Intensität und offensive Qualität zeichnen den Gegner aus.
Voet erwartet deshalb einen stimmungsvollen Saisonauftakt. „Ich glaube, das Stadion wird richtig brennen“, sagte der Belgier. Gegen einen Gegner wie Essen müsse der FCS vom ersten Zweikampf an zeigen, „dass wir da sind“. Erst dann könne die eigene spielerische Qualität den Unterschied ausmachen. Die Vorbereitung ist vorbei. Ab jetzt zählen keine Trainingseindrücke mehr, sondern Punkte. Oder, wie Kühlwetter es nach sechs intensiven Wochen auf den Punkt brachte: „Es wird höchste Zeit.“