Drei Fragen
Keine Pause bei Kontrollen
Beim Doping gebe es keine Sommerpause. Man teste das ganze Jahr hindurch, nicht erst, wenn die Fußballsaison wieder beginnt, so die Leiterin im Ressort Doping-Kontrollsystem der Nationalen Antidoping-Agentur (Nada) Dr. Eva Bunthoff.
Frau Dr. Bunthoff, wie erfreut sind denn die Profi-Sportler, wenn Sie von der Antidoping-Agentur beim Training auftauchen?
Das unterscheidet sich von Fall zu Fall. Wir haben Athletinnen und Athleten, die wir erstmalig testen, die sind dann ganz aufgeregt, aber immer freundlich. Wir haben Sportler, die testen wir zum wiederholten Mal, da ist es Routine und für die Betroffenen gar nichts Unnormales. Natürlich gibt es ab und zu mal Athletinnen und Athleten, die sind dann nicht ganz so begeistert, wenn sie beispielsweise gerade einen leichten Infekt medikamentös behandeln, aber auch sie sind dann kooperativ. Es geht um den sauberen Sport und Chancengleichheit im Wettkampf.
Könnten Sie nachweisen, wenn Sportler wochenlang intensiv dopen und vier Wochen vor dem Wettkampf die Substanz absetzen?
Unsere Labore können teilweise sehr lange zurückliegende Einnahmen nachweisen, bis zu einem Jahr später. Aber das sind nicht die Regelauffälligkeiten. Ein Sportler nimmt beispielsweise Augentropfen, wir weisen Monate später kritische Werte nach, dann klären wir das mit den Betroffenen ab, und er bekommt grünes Licht, kein Verschulden des Athleten. Unsere Laboranalytik ist sehr sensibel, und da können wir ein Versehen, meist aus Unwissen, ziemlich genau einschätzen, ob ein Betroffener vorsätzlich mit leistungssteigernden Substanzen gearbeitet hat, oder nicht.
Sie testen aber nicht nur zwei-, sondern auch vierbeinige Spitzen-Athleten, nämlich Pferde. Wie sieht das aus?
Ja, seit 2012 machen wir das, unter Zuspruch der Reiterlichen Vereinigung. Andere Anti-Doping-Organisationen machen das nur im Wettkampf. Wir machen das auch im Training, weil wir gesagt haben, wie bei Menschen, wird auch bei Pferden im Training nachgeholfen, und damit sind wir mit unserer Arbeit einfach effektiver. Für uns als Nada spannend, Turnierpferde sind weltweit mit dem Flugzeug viel unterwegs, sodass wir tatsächlich auch hinterherreisen. Also steht ein Turnier und damit wochenlanges Training mit deutschen Pferden in Florida an, dann reisen wir da auch hin und machen dort die Trainingskontrollen. Interview: Sven Bargel
Niedrigwasser bedroht Wirtschaftswachstum
Hitze, Dürre und der anhaltende Niedrigwasserstand könnten für die deutsche Wirtschaft Verluste in mehrstelliger Milliardenhöhe bedeuten, sagen Wirtschaftsexperten. Sie warnen vor einem Angebotsschock, der steigende Preise etwa für Kraftstoffe und Lebensmittel zur Folge haben könnte. Um allein die Tankschiff-Kapazitäten für Diesel und Benzin zu ersetzen, bräuchte es mehr als 3.000 Lkw täglich, nur die seien überhaupt nicht verfügbar. Die bisherigen Rekord-Niedrigwasserstände im Jahr 2018 wurden Anfang August an Rhein, Donau und Elbe erneut unterboten. Der gerade neu ins Amt gekommene Verkehrsminister Steffen Bilger (CDU) räumt ein, die schwierige Situation bei den Logistikern auf den deutschen Wasserstraßen sei auch eine Folge mangelnder Investitionen in Schifffahrtswege in den vergangenen 20 Jahren. Das würde sich jetzt rächen. Bilger kündigte an, dies jetzt in den kommenden Monaten anzuschieben.
Studie stellt grünen Stahl infrage
Eine Untersuchung der Unternehmensberatung PwC stellt die grüne Strategie deutscher Stahlbetriebe infrage und damit auch Milliardensubventionen der Bundesregierung. Laut der PwC-Studie sei ein großer Teil der Produktion in ihrer heutigen Form in allen denkbaren Zukunftsszenarien unwirtschaftlich. „Der klimabedingte Transformationsbedarf der deutschen Industrie ist tiefgreifender als vielleicht erwartet“, so PwC-Partner Andree Simon Gerken. Während globale Wettbewerber diese Transformation bereits für Entwicklungssprünge genutzt hätten, müssten Deutschland und Europa sich ihre Daseinsberechtigung im globalen Wettbewerb neu erkämpfen. Der globale Süden hätte in jedem Szenario Kostenvorteile gegenüber Europa. Die Studienergebnisse stellen damit eine der wichtigsten industriepolitischen Strategien Deutschlands infrage. Seit der Ampelregierung wurden bereits 5,9 Milliarden Euro an staatlichen Subventionen für den klimafreundlichen Umbau bewilligt.
Juristen fordern AfD-Verbotsprüfung
Mehr als 1.000 Juristen unterstützen die Forderung des Republikanischen Anwältinnen- und Anwältevereins (RAV) nach Einleitung eines AfD-Verbotsverfahrens vor dem Bundesverfassungsgericht. Für Juristen sei es eine Pflicht, sich „für die Menschenwürde aller Menschen“ einzusetzen, „dazu gehört, dass wir eine Partei wie die AfD, die zentralen Grundwerten unserer Verfassung widerspricht, entschieden bekämpfen“, so die RAV-Vorsitzende Angela Furmaniak am Montag in einer öffentlichen Erklärung. „Das Grundgesetz gibt uns mit dem Parteiverbot nach Artikel 21 Absatz 2 GG ein Instrument an die Hand, das nun endlich eingesetzt werden muss“, so Furmaniak weiter, die Mitinitiatorin eines Aufrufs zu einem AfD-Verbotsverfahren ist. SPD-Co-Chef Lars Klingbeil begrüßte die Initiative und sprach sich ebenfalls in einem Gastbeitrag für die „Zeit“ für eine erneute Prüfung aus.
Berlins Adlon soll verkauft werden
Ob Madonna, Michael Jackson, arabische Scheichs, Königinnen oder Könige, sie alle haben schon mal bei Berlin-Visiten im „Hotel Adlon“ am Pariser Platz, direkt am Brandenburger Tor, logiert. Es gilt bundesweit als eines der renommiertesten Hotels. Die Besonderheit: Es ist für die breite Öffentlichkeit, bei akkurater Garderobe, zugänglich, wenn man bereit ist für beispielsweise eine kleine Tasse Kaffee acht Euro zu zahlen. Nun soll das Fünf-Sterne-Hotel verkauft werden, bestätigte die Adlon-Besitzerin, die Immobiliengesellschaft Jagdfeld. Kostenpunkt: mindestens 280 Millionen Euro. Das Adlon gehört einem Fonds, Fundus 31, mit rund 4.000 Anlegern, die jetzt noch ihre Zustimmung geben müssen, was aber laut Jagdfeld-Gruppe als sicher gilt. Viele private Anleger seien schon älter und wollen jetzt ihre Alterssicherung kapitalisieren, heißt es von der Immobiliengesellschaft. Für das „Adlon“ selbst hätte der Verkauf keinerlei Folgen, bis Ende 2032 läuft ein Pachtvertrag mit der Hotelkette Kempinski.
Forderungen
Erneute Rentendebatte
Bundeskanzler Merz war gerade zwei Tage im Urlaub, da entfachten drei Ministerpräsidenten der CDU aus dem Osten eine erneute Debatte über die abschlagsfreie Rente mit 63 Jahren. Die Koalition aus CDU/CSU und SPD hatte sich erst in der letzten Sitzungswoche des Bundestages vor der parlamentarischen Sommerpause auf ein 33-Punkte-Paket geeinigt, das von der Rentenkommission erarbeitet worden war. Darin steht unter anderem, dass 45 Beitragsjahre nicht mehr zu einem Renteneintritt mit 63 Jahren berechtigen, sondern erst mit 65, beziehungsweise in den kommenden Jahren dann mit 67. Argument der CDU-Ministerpräsidenten Kretschmer (Sachsen), Voigt (Thüringen) und Schulze (Sachsen-Anhalt), dies würde gerade die Ostdeutschen benachteiligen, die durch die Umbrüche in ihren Gewerbsbiografien nach der Wende gegenüber den Westdeutschen benachteiligt würden. Auch die saarländische Landeschefin Rehlinger (SPD) und ihre Parteifreundin und Amtskollegin aus Mecklenburg-Vorpommern, Schwesig, fordern bei der verabredeten Rentenreform zumindest diesen Punkt zurückzunehmen. Der neue Unionsfraktionschef im Bundestag, Thorsten Frei, lehnt es dagegen ab, jetzt das Rentenpaket noch einmal aufzuschnüren.
Stahlholding begrüßt Sofortmaßnahmen
Die deutschen Flusspegel fallen aufgrund der anhaltenden Dürre immer weiter. Sofortmaßnahmen wie eine teilweise Aufhebung des Sonntagsfahrverbots für Lkw sollen die akuten Maßnahmen lindern. Das ist auch wichtig für die saarländische Stahlindustrie, die viele ihrer Rohstoffe per Frachtschiff bezieht. Dementsprechend wies der Stahl-Verband-Saar darauf hin, dass die geplanten Maßnahmen nur ein erster Schritt sein könnten. „Die Rekordtiefstände auf dem Rhein und weiteren Wasserstraßen machen deutlich, dass Deutschland seine Verkehrs- und Logistikinfrastruktur widerstandsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels aufstellen müsse“, heißt es in einer Pressemitteilung. Dazu gehöre auch die Beseitigung bestehender Engpässe am Mittel- und Niederrhein. „Das Niedrigwasser ist kein kurzfristiges Einzelereignis“, so Verbandsgeschäftsführerin Antje Otto.
In Gedenken
Spendenlauf geplant
Anlässlich des vor einem Jahr in Völklingen getöteten Polizisten Simon Bohr veranstaltet die Deutsche Polizeigewerkschaft im Saarland (DPolG) einen 24-Stunden-Spendenlauf im Warndtstadion Völklingen zugunsten der DPolG-Stiftung. „Sein Schicksal erinnert uns eindringlich daran, welchen Gefahren Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte täglich ausgesetzt sind und wie wichtig es ist, den Betroffenen und ihren Familien in schweren Zeiten zur Seite zu stehen“, so die Gewerkschaft. Der Spendenlauf beginnt am 20. August um 16 Uhr und endet am 21. August um 16 Uhr. Wer spenden möchte, legt selbst fest, welchen Betrag pro gelaufenem Kilometer er spenden möchte. Die Kilometerzahl wird anhand der gelaufenen Runden ermittelt. Optional könne man auch einen Höchstbetrag bestimmen, bis zu dem die Spende begrenzt wird. Nach Abschluss des Laufes ermitteln die Initiatoren die tatsächlich gelaufene Gesamtkilometerzahl sowie den daraus resultierenden Spendenbetrag.
Spenden gehen an: DPolG-Stiftung, Sparda-Bank München,
IBAN: DE70 7009 0500 0001 9999 90, BIC: GENODEF1S04, Verwendungszweck: Spendenlauf Saarland
Bundespräsidentenamt
Suche nach Nachfolge
Bis Anfang August herrschte zwischen der CDU/CSU- und der SPD-Bundestagsfraktion über die Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) Einigkeit: Ilse Aigner von der CSU sollte es werden. Doch der gerade frisch gekürte Unions-Fraktionschef im Bundestag, Thorsten Frei, machte die Debatte erneut auf, indem er die Frage stellte, warum das 13. Staatsoberhaupt der Bundesrepublik unbedingt eine Frau sein muss. Die SPD protestierte umgehend und drängte darauf, die getroffene Absprache zugunsten Ilse Aigners einzuhalten. Wenig überraschend forderte auch CSU-Chef Markus Söder, dass seine Parteifreundin die Unions-Kandidatin für die Bundesversammlung am 18. Januar 2027 bleiben soll. Doch neben Ilse Aigner werden seitdem weitere Namen gehandelt, alle mit CDU-Parteibuch: Bundesfamilienministerin Karin Prien, die Vorsitzende der parteinahen Adenauer-Stiftung Annegret Kramp-Karrenbauer, Hessens Ministerpräsident Boris Rhein. Kanzler Friedrich Merz will jetzt erstmal Ruhe in die Debatte bringen und kündigte eine Entscheidung nach den drei Landtagswahlen im September an.
Drohnen-Diskussion
Nach dem Vorfall mit einer Sprengstoff-Drohne am Flughafen Leipzig/Halle ist eine Diskussion um Regelungen zur Drohnenabwehr entbrannt. „Wir brauchen klare Zuständigkeitsregeln für die Drohnenerkennung, die Überwachung und die Drohnenbekämpfung“, verlangte der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, im Sender Phoenix. Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Bundestags, Thomas Röwekamp (CDU), forderte eine Zentralisierung beim Bundesinnenministerium und der dem Ressort unterstellten Bundespolizei. „Wir brauchen eine zentrale Zuständigkeit statt einer Vielzahl föderaler Luftsicherheitsbehörden und eine materielle Ausrüstung, die die Vielseitigkeit der Bedrohung zuverlässig bekämpfen kann“, begründete er dies beim Redaktionsnetzwerk Deutschland. Der SPD-Innenexperte Sebastian Fiedler sieht das anders. Unterschiedliche Zuständigkeiten seien für sich genommen erst mal unproblematisch, „solange die Zusammenarbeit eng und gut funktioniert“, sagte der Bundestagsabgeordnete der „Rheinischen Post“. Der innenpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Marcel Emmerich, pocht auf eindeutige Zuständigkeiten. Mehr als 40 Behörden seien mit Aufgaben der Luftsicherheit befasst. „Dieses Zuständigkeitswirrwarr ist im Ernstfall ein Sicherheitsrisiko.“
Wiegand will’s wissen
Blickpunkt Europa
Für Millionen europäische Kinder beginnt nach den Sommerferien nicht nur ein neues Schuljahr – auch auf ihren Smartphones ändert sich etwas. Frankreich prescht vor: Unter 15-Jährige dürfen keine neuen Social-Media-Konten mehr erstellen und haben schulisches Handy-Verbot. Österreich hat Ähnliches mit der Altersgrenze von 14 Jahren vor.
Damit schaffen erste Staaten Europas eigene digitale Hausordnungen. Auch andere EU-Länder diskutieren über Altersgrenzen, Zugangsbeschränkungen und strengere Plattformregeln – während Brüssel an einer europaweit einheitlichen Lösung tüftelt. Das EU-Parlament fordert ein Mindestnutzungsalter von 16 Jahren.
Die Politik reagiert auf ein reales Problem: Gewalt, Pornografie und Cybermobbing sind für Kinder keine abstrakten Gefahren. Dazu kommen Glücksspiele, gefährliche Challenges und manipulative Inhalte. Was ein Erwachsener beiläufig einordnet, kann einen 13-Jährigen prägen. Handy-Verzicht hingegen tut der Psyche laut einer Studie mit 46.000 Kids und Heranwachsenden gut. Das zu steuern überfordert aber oft die Eltern oder Lehrer. Das Problem: „Online“ kennt keine Landesgrenzen. Daher baut Europa einen geregelten digitalen Binnenmarkt auf. Da wäre es gut, wenn auch bei Handy- und Social-Media-Regeln europaweit angepasste Verfahren gelten würden. Ein 13-Jähriger in Bordeaux nutzt schließlich dieselben Plattformen und Algorithmen wie ein Gleichaltriger in Berlin.
Es ist deshalb zu hoffen, dass Brüssel bei einer gemeinsamen Lösung etwa zur Altersüberprüfung rasch vorankommt – ohne daraus einen übermäßigen Kontrollanspruch des Staates abzuleiten.
Wolf Achim Wiegand ist freier Journalist mit EU-Spezialisierung.