Drei Fragen
Gesundes Altern
Altern ist kein Schicksal, sondern ein biologischer Dialog mit unserem Lebensstil und der Epigenetik, sagt Longevity-Experte Dr. Vittorio Giuliano.
Herr Dr. Giuliano, warum fasziniert uns Langlebigkeit heute mehr denn je?
Weil wir zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit verstehen, dass Altern nicht ausschließlich von unseren Genen bestimmt wird. Die Menschen wünschen sich nicht einfach mehr Lebensjahre, sondern vor allem mehr gesunde Jahre. Die eigentliche Frage lautet nicht, wie alt kann ich werden, sondern, wie schaffe ich es auch körperlich, geistig und emotional vital zu bleiben. Menschen, die sich täglich bewegen, natürliche Lebensmittel essen, soziale Beziehungen pflegen und damit einen Sinn in ihrem Leben sehen, schaffen dies auch.
Aber die genetischen Voraussetzungen durch unsere Eltern und Großeltern spielen doch auch eine Rolle?
Selbstverständlich sind Gene sozusagen auch ein Teil unserer körperlichen Grund-Konfiguration. Doch heute wissen wir aus der Forschung, Gene sind eher eine Möglichkeit als eine Vorbestimmung, das hängt mit der Epigenetik zusammen. Die beschreibt die Mechanismen, die entscheiden, welche genetischen Programme aktiviert werden. Das heißt Ernährung, Bewegung, Schlaf, Stress oder Umweltfaktoren beeinflussen diese Prozesse jeden Tag aufs Neue. Wir können unsere Gene nicht umprogrammieren, sondern ihre Aktivität beeinflussen. Jede Mahlzeit zum Beispiel sendet biochemische Informationen an unseren Körper. Essen ist nicht nur Kalorienzufuhr, sondern Kommunikation, da sind zum Beispiel Nährstoffe, die Entzündungen reduzieren.
Stehen dieser genetisch gesunden Ernährung unsere industriell produzierten Lebensmittel im Weg?
Wir leben in einer Welt des Überflusses, unser Organismus ist aber für Knappheit entwickelt. Viele industrielle Lebensmittel liefern Energie, aber wenig biologische Qualität, also Nährstoffe. Gleichzeitig enthalten diese Stoffe, die natürliche Regulationsmechanismen stören können, und damit dem gesunden, verlängerten Altwerden entgegenstehen. Stichwort etwa ultraverarbeitete Lebensmittel. Diese stehen dem über Jahrtausende entwickelten menschlichen Stoffwechsel kontraproduktiv entgegen und sorgen für Krankheiten, die dann wiederum mit Medikamenten bekämpft werden, die dem gesunden Altern auch nicht förderlich sind, eine der wichtigsten Erkenntnisse der gesamten Longevity-Forschung.
Die Longevity-Gesellschaft hat den Anspruch, wissenschaftliche Perspektiven und praktische Umsetzung für ein gesundes Altern zusammenzubringen. Interview: Sven Bargel
Gefährdung durch E-Scooter
Die Auswertung der Unfallzahlen, bei denen E-Scooter beteiligt waren, bringt deutliche Unterschiede zwischen privaten und gemieteten Fahrzeugen zutage. So kamen im vergangenen Jahr 2025 bei privaten E-Scootern sechs Haftpflichtschäden auf 1.000 versicherte E-Scooter. Bei den Leih-Scootern waren es mehr als doppelt so viele. E-Scooter im Verkehr sorgen für erhebliche Gefährdung für Verkehrsteilnehmer. Im vorigen Jahr gab es 16.500 E-Scooter-Unfälle mit Verletzten, dabei kamen 38 Menschen ums Leben. Im Jahr 2022 waren es nicht mal die Hälfte an Unfällen mit Personenschaden. Dass vor allem Besitzer von elektrischen Rollern in weniger Unfälle verwickelt sind, hat einen einfachen Grund. „Nutzer eigener Scooter sind geübter, tragen eher Helm und sind seltener auf Gehwegen unterwegs“, erklärt Kirstin Zeidler, Leiterin der Unfallforschung der Versicherer im GDV. Forderung an die Verleiher: Sie sollten deutlicher daran mitwirken, dass nicht zu zweit, nicht auf Gehwegen und nicht alkoholisiert gefahren wird.
Lehrkräfte gesucht
Auf das Saarland kommt ein wachsender Bedarf an Lehrkräften zu. Dies stellt auch ein Sonderbericht des saarländischen Rechnungshofes zur Nachwuchsgewinnung von Lehrerinnen und Lehrern fest. Der Rechnungshof erwartet bis 2035 insgesamt rund 4.000 Neueinstellungen. Grund sind steigende Schülerzahlen, bevorstehende Pensionierungen sowie zusätzliche Anforderungen durch Inklusion, Sprachförderung, Digitalisierung und die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium. Besonders knapp sind Bewerber für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik, Kunst und Musik sowie für berufliche und Förderschulen. Bislang betreibe das Land keine umfassende Kampagne zur Lehrergewinnung, so der Rechnungshof. Informationen seien schwer auffindbar, Internetseiten teils unübersichtlich und Ansprechpartner in Bewerbungsphasen schlecht erreichbar. Empfohlen werden ein nutzerfreundliches Portal, digitale Rückruf- und Terminangebote sowie eine gezielte Ansprache. Auch bei der Sprachförderung wachse der Druck: Die Zahl der Kinder mit geringen Deutschkenntnissen stieg binnen eines Jahres von rund 5.900 auf mehr als 7.000. Das Ministerium kündigte Verbesserungen bei Werbung, Beratung und digitalen Angeboten an.
China-Handel schwierig
„Made in Germany“ wird im Geschäft mit der Volksrepublik China immer mehr zu einer Seltenheit. Mittlerweile findet sich China nur noch an neunter Stelle der wichtigsten Abnehmer von Waren aus Deutschland. Noch vor fünf Jahren lag die Bundesrepublik auf Platz zwei hinter den USA. Für Wirtschaftsexperten ein klares Indiz: China macht sich immer unabhängiger von deutscher Technologie, auch durch den Kauf deutscher Unternehmen, womit auch Patente übertragen werden. Umgekehrt haben die Einfuhren aus China nach Deutschland im ersten Halbjahr 2026 um knapp neun Prozent auf fast 92 Milliarden Euro zugenommen, die Handelsbeziehungen werden immer mehr zu einer Einbahnstraße.
Mehr Rechte für Verfassungsschutz
Das Bundeskabinett hat den größten Umbau des Inlands-Nachrichtendienstes seit seiner Gründung beschlossen. Das Bundesamt für Verfassungsschutz soll zukünftig auch polizeiliche Rechte erhalten. Das Kölner Amt soll in Zukunft Wohnungen durchsuchen dürfen, Kameras live anzapfen und Daten verfälschen können. Damit bricht Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) mit dem strikten Trennungsgebot zwischen Polizei und Nachrichtendienst, das von den Müttern und Vätern des Grundgesetzes 1949 festgeschrieben wurde, kritisieren Staatsrechtler. Bundesinnenminister Dobrindt hat sein Vorhaben auf über 700 Seiten als Kabinettsvorlage eingereicht, übrigens in bestem Juristendeutsch. Für ihn geht es darum, die „operativen Befugnisse“ des Verfassungsschutzes der heutigen Sicherheitslage anzupassen. Als Beispiel nannte der Bundesinnenminister etwa den Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig/Halle Ende Juli, wo ein Sprengkörper mit 900 Gramm Semtex unmittelbar neben einer vollgetankten Antonow 124 gefunden wurde. Eine Zündung hätte eine Katastrophe zur Folge gehabt.
Personalziel erreicht
Der Aufwuchs der Bundeswehr macht Fortschritte. Zum Stichtag 31. Juli waren 186.700 Männer und Frauen im Dienst. Damit liegt die Zahl sogar leicht über dem Plan von 186.000 und ist zugleich der höchste Personalstand seit 13 Jahren, wie das Verteidigungsministerium mitteilte. Die Zahl der Bewerbungen lag mit 47.300 um 26 Prozent höher als zum gleichen Zeitpunkt im vergangenen Jahr. Hauptgrund für den Anstieg dürfte das neue Wehrdienstgesetz sein. Seit Jahresbeginn werden alle 18-Jährigen angeschrieben. Fast alle jungen Männer (96 Prozent) haben geantwortet. Bei jungen Frauen, die nicht antworten müssen, war der Rücklauf mit vier Prozent dagegen sehr überschaubar. Bis Mitte der 2030er-Jahre soll die Bundeswehr auf eine Stärke von 460.000 anwachsen, davon 260.000 Aktive und 200.000 Reservisten.
Quallen gefährden AKW
Ein massenhaftes Aufkommen von Quallen macht dem größten französischen Atomkraftwerk Gravelines zu schaffen. Von den sechs Meilern wurden drei heruntergefahren, ein vierter blieb nur teilweise in Betrieb. Weil ein weiterer Block derzeit wegen Wartung ohnehin abgeschaltet war, blieb also nur einer der sechs Meiler im Normalbetrieb. Auswirkungen auf die Sicherheit oder die Umwelt habe es keine gegeben, versicherte die Konzernleitung. Schon im vergangenen Jahr hatte der AKW-Standort an der nordfranzösischen Küste mit Quallen zu kämpfen, die sich im Filtersystem der Wasserpumpen festgesetzt hatten. Weitere AKW-Blöcke an der Seine (bei Paris) und der Rhone (bei Lyon) mussten ebenfalls zurückgefahren werden, weil das Wasser, das die AKWs zur Kühlung brauchen, durch die Hitze zu warm war. Weitere Meiler wurden gedrosselt. Probleme für die Stromversorgung habe es nicht gegeben, heißt es. Frankreich produziert seinen Strom zu 70 Prozent in Atomkraftwerken.
Partei
Zweifel an Führungsspitze
In der SPD-Parteizentrale in Berlin, aber auch in vielen Kreisbezirken quer durch die Republik liegen vor den im September anstehenden Landtagswahlen die Nerven blank. Den Auftakt machte die Arbeitsgemeinschaft Migration und Vielfalt im SPD-Bundesvorstand, die bereits Ende Juli für den Herbst einen Sonderparteitag fordert, um die Parteispitze neu aufzustellen, also Bärbel Bas und Lars Klingbeil als Parteivorsitzende abzulösen.
Namentlich nahmen die Vorsitzenden Mehria Ashuftah und Orkan Özdemir kein Blatt vor den Mund und ließen in ihrem Brandbrief keinen Vorwurf an die eigene Spitze aus. Die Parteiführung sei „offensichtlich gescheitert“, ebenso wie die Doppelrolle der Co-Vorsitzenden Bärbel Bas und Lars Klingbeil als Minister, so Ashuftah und Özdemir. In der Bevölkerung gebe es „eine massive Irritation hinsichtlich der Sozialdemokratie in unserem Land“. Das wiederum führe dazu, dass man die SPD „nicht mehr als politische Option“ wahrnehme, was sich in Umfragen „erschreckend deutlich niederschlägt“. Insgesamt acht Bezirksverbände der SPD solidarisierten sich bis Mitte August mit dem Anliegen, im Oktober einen Sonderparteitag einzuberufen und die Parteispitze neu zu wählen.
Arbeitsmarkt
Mehr Rentner arbeiten
Die Zahl von Rentnerinnen und vor allem Rentnern, die auch nach ihrem 65. Geburtstag noch arbeiten gehen, ist erneut gestiegen. Im vergangenen Jahr waren 14 Prozent im Alter von 65 bis 74 Jahren sozialversicherungspflichtig erwerbstätig. Gut zwei Drittel der Senioren gingen einer Tätigkeit von unter 20 Stunden die Woche nach, um ihre Rente aufzubessern. Ein leichter Anstieg gegenüber zwölf Prozent im Jahr zuvor. Damit bestätigt sich die Warnung von Bundesarbeits- und Sozialministerin Bärbel Bas (SPD), dass die Altersarmut immer weiter zunimmt, wobei das Gros der Baby-Boomer noch gar nicht das Rentenalter erreicht hat. Die Entwicklung sieht auch die Berliner Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe (SPD) ganz ähnlich. In Berlin hat sich die Zahl der Rentner, die Wohngeld beantragen mussten, in den vergangenen fünf Jahren verdoppelt. Unter Sozialexperten gilt als sicher, dass die Zahl der arbeitenden Rentner in den kommenden Jahren weiter ansteigen wird.
Grüner Mega-Park
Auf und um das Gelände des ehemaligen Athener Flughafens entsteht derzeit Europas größte Smart City. Ellinikon soll zumindest europaweit zum Symbol für nachhaltige Stadtplanung werden. Im Zentrum liegt mit dem Ellinikon-Park die grüne Lunge. Mit gut 200 Hektar erreicht er etwa die Größe des Berliner Tierparks. 30.000 Bäume, drei Millionen Hecken, ein ausgetüfteltes Bewässerungssystem, das nur etwa zehn Prozent Wasser gegenüber herkömmlichen Systemen braucht. 60 Prozent der Fläche sind verschattet, die Konzeption gewährleistet natürliche Belüftung. Kanäle, Sprühnebel und Wasserbecken bringen Abkühlung. Es gibt eine eigene Kläranlage und ein hundertprozentiges Regenwassermanagement. „Kühle Wege“ sollen vier Grad kühler sein als die Umgebung. Um den Ellinikon-Park an der Küste entsteht ein neues Stadtviertel, bei dessen Planung das Mikroklima eine Hauptrolle gespielt hat. Der Park soll ab 2027 für die Öffentlichkeit zugänglich sein, die schrittweise Fertigstellung des Gesamtprojekts soll bis 2030 erfolgen.
Wiegand will’s wissen
Blickpunkt Europa
Du kaufst eine Schachtel Kekse, öffnest sie zu Hause – und fragst dich, warum die Verpackung doppelt so voluminös ist wie die paar Backstücke darin. Diese Frage soll sich künftig erledigen: Seit Mitte August gelten neue EU-Vorgaben für Verpackungen (PPWR). Das soll Müll vermeiden, unnötigen Leerraum mindern, Wiederverwendung fördern und Problemstoffe zurückdrängen. Das klingt gut.
Dennoch ist zu fragen: Wie weit darf Europa in unseren Alltag hineinregulieren? Die neuen Vorschriften bedeuten zusätzliche Nachweispflichten – auch für kleinere Händler. So müssen Verpackungen künftig zu mindestens 70 Prozent recyclingfähig sein. Sie müssen einen bestimmten Anteil recycelter Materialien enthalten. Und der Leerraum einschließlich Füllmaterial wird auf maximal 50 Prozent begrenzt.
Das kann sinnvoll sein. Umweltschutz funktioniert im europäischen Binnenmarkt schlecht mit 27 unterschiedlichen Regeln. Doch je mehr Vorgaben, Nachweise und Ausnahmen hinzukommen, desto schneller wird aus gut gemeintem Umweltschutz ein bürokratisches Dickicht.
Große Unternehmen haben eigene Rechts- und Compliance-Abteilungen. Sie machen das mit links. Für Kleinstbetriebe können solche Pflichten schnell zur Personal- und Kostenbelastung werden.
Die bessere europäische Antwort wäre deshalb: weniger Detailverliebtheit. Europa sollte klare Ziele setzen – weniger Verpackungsmüll, weniger problematische Stoffe, mehr Wiederverwendung. Und zugleich Unternehmen möglichst viel Freiheit lassen, wie sie diese erreichen. Der Staat muss nicht jedes Schachtelmaß vorschreiben, um für weniger Verpackung zu sorgen.
Wolf Achim Wiegand ist freier Journalist mit EU-Spezialisierung.