Mit Max Burda und Richard Hempel rücken zwei Schiedsrichter in die Bundesliga auf. Doch wichtiger als die Frage, wer in der neuen Saison pfeift, ist, nach welchen Vorgaben entschieden wird. Vor allem gegen Zeitspiel gehen die Unparteiischen konsequenter vor. Auch bei Verletzungspausen, VAR und bei Handspielen gelten neue Maßstäbe.
Dr. Max Burda und Richard Hempel steigen in die Bundesliga auf. Weil Deniz Aytekin, Patrick Ittrich, Frank Willenborg und Tobias Welz ihre Laufbahn auf dem Rasen beenden, wird der Kader zugleich von 24 auf 22 Referees verkleinert. Davon erhoffe man sich „in erster Linie mehr Einsätze und somit mehr Spielpraxis für die einzelnen Schiedsrichter“, erklärt Knut Kircher von der DFB Schiri GmbH. In die 2. Bundesliga rücken Cristian Ballweg, Justin Hasmann und Felix Weller auf. Spürbar werden vor allem die veränderten Regeln. Im Zentrum steht der Kampf gegen Zeitspiel. Schon seit der vergangenen Saison dürfen Torhüter den Ball nur acht Sekunden kontrollieren; die letzten fünf zeigt der Schiedsrichter mit der Hand an. Danach erhält der Gegner einen Eckstoß. Das Prinzip gilt nun auch für Einwürfe und Abstöße. Erkennt der Referee eine Verzögerung, startet er einen Fünf-Sekunden-Countdown. Ist der Ball danach nicht im Spiel, wechselt der Einwurf zur anderen Mannschaft. Bei einem verzögerten Abstoß gibt es einen Eckball. Für Eckbälle und Freistöße ist kein Countdown vorgesehen.
Auch schleppende Auswechslungen sollen ihren taktischen Nutzen verlieren. Sobald die Tafel gesenkt ist, bleiben dem ausgewechselten Spieler zehn Sekunden, um das Feld zu verlassen. Überschreitet er die Frist, darf sein Ersatz nicht sofort hinein. Der Einwechselspieler wartet mindestens eine Minute und danach bis zur nächsten Unterbrechung. So lange spielt die Mannschaft in Unterzahl. Die Auswechslung kann nicht zurückgenommen werden; nur für Verletzte gilt eine Ausnahme.
Auch behandelte Spieler müssen nach der Spielfortsetzung mindestens eine Minute draußen bleiben. Danach dürfen sie mit Erlaubnis des Schiedsrichters im laufenden Spiel zurückkehren. Ausnahmen gelten für Torhüter, die gleichzeitige Behandlung eines Torwarts und eines Feldspielers sowie für zwei verletzte Spieler derselben Mannschaft. Auch wer nach einem mit einer Karte bestraften Foul behandelt wurde oder den anschließenden Elfmeter schießen soll, muss nicht hinaus.
Mehr Spielfluss ist auch bei fehlerhaften Spielfortsetzungen vorgesehen. Erfolgt ein Einwurf an der falschen Stelle oder rollt der Ball bei einem Freistoß noch, darf das Spiel weiterlaufen, wenn daraus ein Vorteil für den Gegner entsteht. Fällt trotz einer Notbremse oder eines Handspiels auf der Torlinie unmittelbar ein Tor, bleibt eine zusätzliche Karte grundsätzlich aus. Rücksichtslose oder brutale Vergehen werden weiterhin mit einem Platzverweis geahndet.
Der VAR darf nun eine unberechtigte Gelb-Rote Karte korrigieren, wenn die zweite Verwarnung eindeutig falsch war. Hat der Schiedsrichter eine mögliche Gelb-Rote Karte dagegen übersehen, darf der Video-Assistent sie weiterhin nicht nachträglich veranlassen. Bei einer Spielerverwechslung kann er nun klären, welcher Akteur das geahndete Vergehen begangen hat – auch über Mannschaftsgrenzen hinweg. Eine einfache Gelbe Karte darf er dabei nicht neu bewerten, sondern nur die Identität des Bestraften korrigieren.
„Kids Mistakes“ klar geregelt
Grundsätzlich soll die Eingriffsschwelle wieder steigen. Der Videobeweis ist für klare Fehler gedacht, nicht für die Suche nach Argumenten gegen eine vertretbare Feldentscheidung. „Die Zeit, die Schiedsrichter am Schirm verbringen, soll reduziert werden“, sagt Bundesliga-Direktor Benjamin Schmedes. Ein zu Unrecht zugesprochener Eckstoß bleibt in der Bundesliga außerhalb des VAR-Auftrags. Im Europapokal kann er unmittelbar vor der Spielfortsetzung korrigiert werden. Mit dem Projekt „Clear Line“ und 150 Referenzszenen will die UEFA die Auslegung vereinheitlichen.
Beim Gerangel vor dem Tor übernimmt die Bundesliga nicht die besonders strenge WM-Auslegung. Ein Foul liegt vor, wenn ein Angreifer gegen die Arme des Torwarts arbeitet und ihn am Fangen oder Spielen des Balles hindert. Ebenso strafbar ist es, sich aktiv in den Keeper hineinzubewegen und ihn zu blockieren. Bewegen sich beide dagegen in einen freien Raum, um den Ball zu erreichen, ist der Kontakt nicht automatisch ein Foul. Der Torwart genießt Schutz, aber kein Vorrecht auf jeden Ball.
Eindeutig geregelt sind die sogenannten „kids mistakes“ bei Abstößen. Berührt ein Spieler den im Torraum liegenden Ball bei der Ausführung mit dem Fuß, ist er im Spiel. Nimmt ein Mitspieler ihn anschließend im eigenen Strafraum absichtlich mit der Hand auf, gibt es zwingend einen Handelfmeter. Die frühere Möglichkeit, einen gedankenlosen Fehler als Missverständnis zu behandeln und den Abstoß wiederholen zu lassen, besteht nicht mehr.
Eheringe oder Ohrstecker dürfen künftig getragen werden, wenn sie ungefährlich und sicher abgedeckt sind. Das Verdecken des Mundes bei einem Wortwechsel führt nicht automatisch zu Rot, kann als unsportliches Verhalten aber Gelb nach sich ziehen. Auch das Verlassen des Platzes aus Protest bedeutet nicht automatisch einen Platzverweis. Kann ein Team wegen weniger als sieben Spielern nicht weitermachen, verliert es jedoch die Partie.
Trinkpausen wird es geben, aber nicht automatisch und nicht in fester Länge. Bei mehr als 32 Grad vor dem Anpfiff ist eine Unterbrechung vorgesehen, darunter entscheidet der Schiedsrichter situativ. Zugleich wird deutlich, dass die Bundesliga nicht jede bei der Weltmeisterschaft erprobte Vorgabe übernimmt. Entscheidend bleibt die deutsche beziehungsweise europäische Auslegung. Der Regelrahmen folgt einer klaren Richtung: Verzögerungen sollen unattraktiver, Behandlungen kürzer und Videoeingriffe seltener werden. Daneben wollen die Schiedsrichter Unsportlichkeiten konsequenter ahnden. Die Referees müssen die Vorgaben so anwenden, dass die Partie möglichst schnell wieder dem gehört, worum es eigentlich geht: dem Fußball.