Kurz nach 18 Uhr war es geschafft, Kai Brünker verschoss für den 1. FC Saarbrücken den vierten Elfmeter. Ausgerechnet zwei der Routiniers in den Reihen der Saarbrücker hatten keine Nerven.
Dass den 15.500 Zuschauern im restlos ausverkauften Ludwigsparkstadion überhaupt das volle Programm geboten werden konnte, hatte mit einigem Glück auf der einen und dem entsprechenden Pech auf der anderen Seite zu tun. Es lief bereits die zweite Minute der angezeigten dreiminütigen Nachspielzeit. Eckball für Saarbrücken zunächst abgewehrt, zentral in den Rückraum, lediglich Philip Fahrner, der körperlich kleinste Abwehrspieler, sicherte außerhalb des Strafraumes ab. Die körperlich Größeren kamen nicht zum Kopfball, dafür müsste Fahrner aus dem Hintergrund schießen. Fahrner schießt – Tor! Tor! Tor! – und der ganz späte Ausgleich war gefallen. Am Wochenende zuvor war den Saarbrückern erst Ähnliches geglückt. Beim Auswärtsspiel in Regensburg traf Brünker buchstäblich in letzter Sekunde zum 1:0 Sieg. Bitter zunächst für die Hertha-Spieler, die schon die wohlige Dusche nach dem Spiel fühlten.
In den regulären Spielhälften dominierte der höherklassige Verein das Spiel. Beide Trainer vertrauten den Aufstellungen, die zuvor im Ligabetrieb erfolgreich waren. Stefan Leitl, der Berliner Trainer, musste den unter der Woche abgewanderten Marten Winkler im rechten Mittelfeld ersetzen. Für Winkler rückte der isländische Nationalspieler Jon Dagur Thorsteinsson in die Startformation. Auch Saarbrückens Trainer nahm nur einen Wechsel vor. Im Tor durfte Kevin Broll an den Start, Matteo Bignetti, der aus Österreich von Sturm Graz verpflichtete Torhüter, saß auf der Bank. Eine Maßnahme, zu der die Trainer im Pokal öfter greifen, um der Nummer zwei zu mehr Wettkampfpraxis zu verhelfen.
Hertha agierte sehr dominant
Hertha spielte im gewohnten 4-2-3-1 und Saarbrücken setzte ein 4-4-2-System dagegen. Saarbrücken war in der ersten Halbzeit fast nur in der Verteidigung gebunden. Nach 20 Spielminuten registrierte die Statistik 79 Prozent Ballbesitz für die Berliner. In der 16. Minute hätte das 1:0 fallen müssen. Deyovaisio Zeefuik traf nur das Torgestänge. Trotz allen Bemühens blieb der Hertha ein frühes Tor verwehrt. Sie machten unverdrossen weiter, überzeugten durch ein variables Angriffsspiel. In der Nachbetrachtung wies Saarbrückens Trainer auf die variablen und guten Angriffsmuster unter Einbeziehung der Außenverteidiger hin.
In der ersten Hälfte gelang den Hausherren des Ludwigsparks kaum eine Entlastung. Mehr als eine Ballstafette über drei Stationen gelang selten. Erst in der 42. Minute tauchten die Saarbrücker gefährlich vor dem Tor von Gersbeck auf. Neuzugang Abdenego Nankishi vergab eine gute Möglichkeit und schob den Ball überhastet in die Arme des Berliner Torhüters. Ja, hätte er die Nerven behalten, der Spielverlauf hätte Kopf gestanden. Am Ende der ersten Halbzeit konnte dem Drittligisten eine sehr gute Note für seine Verteidigung erteilt werden. Sie gewannen 65 Prozent ihrer Zweikämpfe.
Beide Trainer begannen die zweite Halbzeit mit der Startaufstellung. Hertha schraubte weiter an der Führung und Saarbrücken stellte sich gegen die drohende Gefahr. Wenn alle Stricke zu reißen drohten, war Pokaltorwart Broll zur Stelle. So hielt er bravourös in der 51. und in der 62. Minute zwei Schüsse von Kevin Sessa.
Als Erster wechselte Saarbrückens Trainer. Seine Wechsel waren positionsgetreu, für Alexander Staff und Daniel Gleiber kamen Kai Brünker und Sebastian Vasiliadis. Hertha wechselte zunächst nur in der Innenverteidigung. Etwas unverständlich: Für Niklas Kolbe, der bis dahin eine gute Partie gespielt hatte, kam Márton Dárdai. Leider gab es dazu in der Pressekonferenz nach dem Spiel keine Nachfrage. Eine Erklärung dafür könnte sein, dass Leitl bereits an das kommende Ligaspiel in Braunschweig dachte. Zeefuik ist für zwei Spiele gesperrt und die Verteidigungsreihe muss umgestellt werden. Dárdai sollte wohl Spielpraxis bekommen, und Zeefuik bei einem Zwischenstand von 0:0 rauszunehmen, hätte die Statik des Spiels gestört.
Leitl sieht sich in der Kurskorrektur bestätigt
Kurz nach dem ersten Herthawechsel passierte es. Endlich fiel es, das Tor an dem die Berliner aus dem Westend so lange geschraubt hatten. Paul Seguin zelebrierte seine ausgefeilte Schusstechnik und dagegen war kein Kraut gewachsen. Im linken Torwinkel schlug der Ball ein. Es musste besonders sein, nachdem alle Angriffe zuvor versandet waren. Es waren noch gut 20 Minuten zu spielen und Saarbrücken musste nun all-in gehen. Hertha hatte dadurch mehr Räume, bekam aber den Deckel nicht drauf. Zwei frische Kräfte kamen für den Angriff, Oluwaseun Adewumi und Luca Schuler gelang kein Tor. Das Ende ist bekannt. In der Nachspielzeit wollte keiner der Akteure den entscheidenden Fehler machen, der das Spiel hätte entscheiden können. In der 112. Spielminute wehrte Broll einen von Schuler getretenen Ball mit dem Gesicht ab. Abpfiff der Nachspielzeit, das Drama für die Elfmeterschützen konnte seinen Lauf nehmen.
Als Erster verwandelte für Saarbrücken mit Mladen Cvjetinovic, ausgebildet in der Akademie von Hertha BSC. In der Abwehrreihe spielte übrigens ein weiterer Spieler mit einer Hertha-Vergangenheit. Außenverteidiger Niko Bretschneider ist wie Cvjetinovic in Berlin geboren und spielte zwei Jahre im Team von Hertha II in der Regionalliga Nordost.
Wie in den vergangenen zwei Jahren scheidet der 1. FC Saarbrücken bereits in der ersten Runde aus dem Pokal, während Hertha dieses Schicksal zuletzt in der Saison 2022/23 ereilte. Es war eine Niederlage nach Elfmeterschießen bei Eintracht Braunschweig, Hertha damals Erstligist. Herthas Trainer war super zufrieden mit dem Auftritt in Saarbrücken.
Schlussendlich hatten sie das Glück auf ihrer Seite. Und der Start ist mit drei Siegen geglückt. „Wir haben eine neue Art implementiert, wie wir spielen wollen. Die ist besser auf den vorhandenen Kader zugeschnitten. Wir haben einen kleineren Kader. Jeder weiß um die Wichtigkeit, dass er gebraucht wird“, so Leitl.