Der Sommer muss modisch noch lange nicht enden. Viele Lieblingsstücke lassen sich mit wenigen Handgriffen in die Übergangsgarderobe retten und bekommen mit Strick, Leder und geschlossenen Schuhen eine völlig andere Wirkung.
Sommerkleider gehören zu den dankbarsten Kandidaten für den Saisonwechsel. Das luftige Lieblingskleid, das im August noch mit Sandalen und Korbtasche funktioniert, bekommt im September einen neuen Charakter. Ein leichter Mantel darüber genügt oft schon für den ersten kühlen Morgen. Auf der Copenhagen Fashion Week zeigten Streetstyle-Looks genau diese Kombination aus sommerlichem Kleid und schützender Außenschicht. Besonders vielseitig sind gerade geschnittene Carcoats, Trenchcoats und leichte Ledermäntel. Sie geben einem femininen Kleid eine klarere Silhouette und verhindern, dass der Look zu verspielt wirkt.
Optisch Gestreckt
Wer ein eher romantisches Kleid besitzt, kann mit robusten Schuhen für einen spannenden Kontrast sorgen. Ein florales Midikleid funktioniert im Herbst etwa mit kniehohen Stiefeln in Schwarz, Cognac oder Schokoladenbraun. Ein oversized Wollblazer oder ein Trenchcoat nimmt dem Blumenmuster den Feriencharakter und macht daraus einen urbanen Look. Gerade für Frauen mit kurviger Figur eignet sich diese Kombination, weil ein offener Mantel oder Blazer eine vertikale Linie erzeugt und die Silhouette streckt. Kleine oder zierliche Frauen greifen besser zu kürzeren Jacken oder tragen den Mantel offen, damit die Proportionen nicht verloren gehen.
Besonders viel Potenzial steckt in weißen Kleidern und Lochstickerei. Die sommerliche Optik verliert ihren Urlaubscharakter, sobald dunkle Accessoires ins Spiel kommen. Schwarze Ballerinas, eine braune Ledertasche oder kniehohe Stiefel verändern ein weißes Kleid sofort. Wer es lässiger mag, trägt eine Jeansjacke oder einen grob gestrickten Cardigan darüber. Weiße Lochstickerei bleibt laut Vogue auch in der Pre Fall Saison relevant. Label wie Erdem und Sea NY zeigen, dass das Material keineswegs auf die heiße Jahreszeit beschränkt bleiben muss.
Auch der Slipdress darf aus dem Sommer mitkommen. Das schmale Kleid aus Satin oder Seide wirkt zunächst wie ein typisches Abendstück für warme Nächte. Mit einem Feinstrickpullover darunter erhält es jedoch eine völlig neue Richtung. Noch unkomplizierter funktioniert ein Blazer darüber. Ein schwarzer Blazer macht aus dem zarten Kleid einen bürotauglichen Look, ein brauner oder beigefarbener Mantel wirkt weicher. Wer breite Schultern besitzt, kann mit einem weich fallenden Cardigan ausgleichen. Schmale Schultern profitieren dagegen von klar strukturierten Blazern mit etwas Volumen. Der Reiz liegt im Gegensatz zwischen fließendem Stoff und kräftigerer Herbstschicht.
Midirock im MIttelpunkt
Nicht nur Kleider haben eine zweite Saison verdient. Auch die im Sommer beliebten Caprihosen bleiben relevant. Khaite, Dior und Maria McManus setzen in der Pre Fall Saison auf die kurze, körpernahe Hosenform und kombinieren sie mit Oberteilen und Jacken, die deutlich herbstlicher wirken. Wer Caprihosen bisher nur mit Sandalen getragen hat, kann jetzt zu Loafern, Ballerinas oder schmalen Sneakern wechseln. Besonders elegant wirkt eine dunkle Caprihose mit spitzem Schuh und oversized Blazer. Wer kräftigere Waden hat, greift zu einer etwas weiter geschnittenen Variante und trägt einen Schuh mit kleinem Absatz. Lange, schlanke Beine vertragen dagegen auch sehr schmale Modelle.
Eine ähnliche Rolle spielt der Midirock. Im Sommer kommt er mit Tanktop und Sandalen daher, im Herbst mit Strickpullover und Stiefeln. Besonders interessant sind Modelle aus Satin, Denim oder leichter Baumwolle. Ein feiner Rollkragenpullover lässt einen fließenden Rock sofort saisonaler erscheinen. Dazu passen kniehohe Stiefel, während ein schmaler Gürtel die Taille betont. Wer eine eher gerade Figur besitzt, kann mit einem voluminösen Pullover zusätzliche Bewegung schaffen. Bei einer ausgeprägten Taille funktioniert die Kombination aus schmalem Oberteil und weit schwingendem Rock besonders gut. Auch der Bleistiftrock erhält in der neuen Saison ein Update. Saint Laurent, Tory Burch und Ferragamo zeigen Modelle aus Metallic und Lackleder, während Chanel, Dries Van Noten und Bottega Veneta mit Fransen und strukturierten Oberflächen arbeiten. Für die Übergangszeit muss es allerdings nicht gleich die auffällige Runway Variante sein. Ein schlichter Satinrock aus dem Sommer lässt sich mit einem groben Strickpullover und flachen Schuhen deutlich entspannter interpretieren. Wer den Look modern halten möchte, kombiniert unterschiedliche Materialien. Glatter Satin trifft auf Wolle, Denim auf Seide, Baumwolle auf Leder.
Sommerliche Tops verdienen ebenfalls eine Verlängerung. Besonders Häkeloberteile, die lange als Festival- und Beachwear galten, erscheinen 2026 deutlich eleganter. Das Modemagazin ELLE beobachtet für den Spätsommer neutrale Farben und raffiniertere Schnitte. Ein Crochet Top über einem schlichten Tanktop funktioniert im Herbst problemlos mit weiter Hose und Blazer. Auch über einem Hemd kann das luftige Oberteil toll zur Geltung kommen. Wichtig ist dabei die Balance. Je durchlässiger das Top, desto geschlossener sollte der Rest des Outfits ausfallen. Für eine feminine Silhouette eignet sich ein körpernahes Häkelteil über einer fließenden Hose. Wer Volumen kaschieren möchte, kombiniert ein locker fallendes Top mit einer schmalen Hose oder einem geraden Rock.
Beim Layering spielen sommerliche Hemden eine Hauptrolle. Das weiße Oversize-Hemd aus Baumwolle oder Leinen muss nicht bis zum nächsten Juni im Schrank verschwinden. Offen über einem Tanktop getragen, ersetzt es an milden Tagen eine leichte Jacke. Später kommt ein Pullover darüber, sodass nur noch Kragen und Saum sichtbar bleiben. Besonders gut funktioniert das mit dunkler Jeans, brauner Lederhose oder einer weit geschnittenen Stoffhose. Auch ein sommerliches Leinenhemd erhält durch dunkle Farben eine herbstliche Wirkung. Creme, Camel und Schokoladenbraun passen zu Weiß ebenso wie zu zarten Pastelltönen.
Apropos Jeans. Denim gehört ohnehin zu den zuverlässigsten Brücken zwischen den Jahreszeiten. In der Pre Fall Kollektion von Chanel erhalten Bluejeans erneut den Status eines unverzichtbaren Klassikers. Wer im Sommer eine helle Jeans getragen hat, kann sie mit einem dunklen Strickpullover, einem Ledergürtel und Ballerinas in Burgunder oder Braun weitertragen. Für die Übergangszeit lohnt sich außerdem ein Blick auf dunklere Waschungen. Vogue hebt gerade tiefere Denim-Töne als moderne Alternative hervor. Eine Jeansjacke funktioniert nach demselben Prinzip. Im Sommer ersetzt sie den Blazer an kühlen Abenden, im Herbst wird sie zur Schicht unter einem Mantel. Besonders zeitgemäß wirken dunkle Waschungen und großzügige Schnitte. Unter einem langen Wollmantel entsteht ein spannender Mix aus Denim und klassischer Eleganz. Wer klein ist, sollte allerdings auf überlange Modelle verzichten und eher eine hüftlange Variante wählen. Große Frauen können mit Oversize-Jeansjacken dagegen bewusst spielen.
Noch einfacher lässt sich der Saisonwechsel über Accessoires steuern. Schuhe verändern die Wirkung eines Sommeroutfits besonders schnell. Sandalen können an warmen Septembertagen durchaus noch zum Einsatz kommen, doch Ballerinas, Loafer und Retro-Sneaker schaffen sofort eine herbstlichere Note. Für die neue Saison erscheinen speziell Ballerinas in einer neuen Optik, mal spitz, mit Riemchen, aus Lackleder oder mit flauschigen Oberflächen. Zu einem sommerlichen Kleid wirken sie feminin, zu Jeans eher lässig. Eine blickdichte Strumpfhose macht Ballerinas an kühleren Tagen tragbar. Farbige Socken setzen einen modischen Akzent. Toteme kombiniert Ballerinas beispielsweise mit dunklen Strumpfhosen und einem Fake-Fur-Mantel, während Emilia Wickstead für Herbst und Winter spitze Satinmodelle mit kurzen Strümpfen zeigt. Für kräftigere Beine können spitze Modelle mit einem kleinen Absatz optisch strecken. Schmale Füße profitieren von Riemchen, die zusätzlichen Halt geben.
Wer jetzt einkaufen geht, muss deshalb nicht die komplette Garderobe austauschen. Sinnvoller sind einige wenige Teile, die vorhandene Sommerstücke ergänzen. Ein leichter Trenchcoat, ein oversized Blazer, ein grober Cardigan und ein Paar geschlossene Schuhe reichen bereits aus, um zahlreiche Kombinationen zu ermöglichen. Bei den aktuellen Kollektionen lohnt sich der Blick auf Massimo Dutti, COS, Mango oder H&M für preislich zugängliche Varianten. Wer gezielter investieren möchte, findet bei Sézane, Ganni oder Arket hochwertige Übergangsteile.
Auch bei den Farben lohnt sich eine Brücke zwischen den Saisons. Sommerliche Pastelltöne müssen nicht verschwinden, sondern erhalten mit Braun, Camel, Navy oder Burgunder eine neue Erdung. Besonders spannend wirkt Buttergelb, das bereits im Sommer präsent war und auch im Herbst weiter auftaucht. Chanel und Gucci zeigten die sanfte Nuance nach wie vor auf dem Laufsteg. Ein buttergelbes Top aus dem Sommer funktioniert deshalb weiterhin, wenn dazu eine dunkelbraune Hose und ein Mantel in Camel kommen. Rosa lässt sich mit Bordeaux kombinieren, Hellblau mit Schokoladenbraun und Weiß mit Khaki.
Wer möglichst lange etwas vom Sommer haben möchte, sollte also nicht nach einem bestimmten Stichtag die komplette Garderobe wechseln. Viel eleganter wirkt der schrittweise Übergang. Erst kommt der Blazer zum Kleid, dann die Strickjacke zum Rock, später die Strumpfhose unter dem Kleid und schließlich der Mantel darüber. So bleibt die Leichtigkeit der Sommergarderobe erhalten, während die ersten Herbsttrends bereits einziehen. Genau darin liegt der Reiz der Übergangszeit. Sie erlaubt mehr modische Freiheit als jede andere Saison. Sommerkleider treffen auf schwere Boots, Satin auf Wolle, Lochstickerei auf Leder und Ballerinas auf Strick. Aus alten Lieblingen entsteht so eine neue Garderobe, ohne dass dafür der gesamte Kleiderschrank neu bestückt werden muss. Praktischer Herbst.